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NZZ Folio 12/07 - Thema: Rätsel   Inhaltsverzeichnis

Duftnote -- Orientalische Wohlgerüche

© Fabienne Boldt
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Von Luca Turin
Seit fünfzehn Jahren bespreche ich Parfums, doch bekam ich in dieser ganzen Zeit erst eine Einladung zu einer Parfumlancierung an einem exotischen Ort: jene zu Amouages 25. Geburtstag. Amouage hat eine aussergewöhnliche Geschichte. Vor fünfundzwanzig Jahren beschloss ein Prinz aus Oman – seit der Antike berühmt für ­seinen Weihrauch, die einzigartige Rose aus den grünen Bergen und das an seinen Stränden angespülte Ambra –, dass sein Land eine Parfumfirma brauche, die es mit den Besten der Welt aufnehmen könne. Ambra ist eine wachsartige Substanz aus dem Verdauungstrakt von Walen.

Der Prinz beauftragte Guy Robert und gab ihm das Seltenste, was ein Parfumeur je erhält: ein unbegrenztes Budget. Das Resultat war Gold, ein prachtvoller Duft, der auf den drei grossen Rohstoffen Omans basiert. Eine Weile lang war Gold das teuerste Parfum der Welt. Erst seit einigen Jahren ist es möglich, wesentlich mehr für wesentlich weniger auszugeben.

Die späteren Parfums von Amouage waren weniger beeindruckend (mit Ausnahme von Dia for Men, diesem Inbegriff dunkler Trockenheit), und das zuletzt entwickelte Reflections war schlicht grauenhaft. Seitdem hat ein neuer Art-Director die Regie übernommen, wild entschlossen, Amouage wieder zu altem Glanz zu bringen. Ich hatte mir eine kleine Ansprache zurechtgelegt, um ihn zur Anstellung des Duftorientalisten Ber­trand Duchaufour zu bewegen. Kein Zweifel, die Araber haben den Luxus erfunden: Jeder Palast träumt davon, die Alhambra zu sein, jedes Schlafzimmer das Zelt eines Scheichs, und die Juwelen wollen nach Gewicht verkauft und in weit geöffnete Hände geschüttet sein.

Die Geschäftsführer von LVHM sollten einmal eine omanische Parfumerie besuchen. Die Bleikristallflaschen, die auf blauem Samt in hölzernen Schatullen ruhen, sehen aus wie Geschenke aus einer Zukunft ohne bewegliche Teile. Ein halbes Dutzend unterschiedlicher Noten des verblüffenden morschen Adlerholzes liegen zum Abbrennen bereit. Eine grosse Flasche auf dem Regal war «Ambergris» angeschrieben. Voll von skeptischem Zynismus, dem sich keiner entziehen kann, der länger als eine Woche in der Parfumindustrie gearbeitet hat, bat ich, daran riechen zu dürfen. Es war Spitzenambra, und ich konnte nicht umhin, mir eine Unze des lüsternen Öls zu gönnen.

Später dann der Empfang. Ich stand mondlichtbeschienen und inmitten von Feuerwerk in einer von Bodyguards mit Silberdolchen durchsetzten Menge, die Guy Robert mit euphorischem Applaus überschüttete. Danach bekamen wir, wie Kinder am Ende eines Geburtstagsfests, ein jeder eine Tüte mit zwei neuen Düften. Zu meiner Erleichterung waren beide sehr gut. Der feminine Duft ist ein Diorella mit Tuberose, der maskuline ist eine sehr schöne Weihrauchkomposition – von Bertrand Duchaufour.

Luca Turin ist Forschungsleiter bei Flexitral Inc.; er lebt in London.



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