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NZZ Folio 02/10 - Thema: Das Ehrenamt   Inhaltsverzeichnis

Sieben Kolanüsse für den Chef

© David Signer, Zürich
Er will sein Leben im Land seiner Träume verbringen: Kurt Koch aus Adliswil vor seiner Schreinerei in Albadar, Senegal. Linktext
Kurt Koch, Schreiner aus Adliswil, liess sich die Pensionskasse auszahlen, um in Senegal einen Musterbetrieb aufzubauen. Besuch bei einem Entwicklungshelfer der andern Art.

Von David Signer

Heute ist ein besonderer Tag. Erstens ist es der 24. Dezember, und zweitens hat Kurt Koch in Albadar das Eingangstor zwischen den beiden Betonpfeilern eingehängt. Zwar stehen von seinem Musterbetrieb im südlichen Senegal erst das Parterre und ein paar Grundmauern, aber das Tor gibt dem langjährigen Projekt einen offiziellen Status. Koch steht auf der sandigen Einfahrt, in einem staubigen T-Shirt, bartstoppelig, tiefbraun gebrannt von einem Jahr Baustellenarbeit unter afrikanischem Himmel, und blinzelt zufrieden in die Sonne, die zwischen den zerzausten Palmen untergeht. «Nun mache ich drei Tage Ferien», sagt er. «Das erste Mal seit meiner Ankunft.»

Der 51jährige Schreiner aus Adliswil war vierzig, als er in Senegal eine Art Erweckung erfuhr, sein ­Leben neu ausrichtete und alles auf eine Karte setzte. Afrika hatte ihn schon länger angezogen, im Jahr 2000 setzte er zum ersten Mal einen Fuss auf den Kontinent. Seine damalige Freundin war überhaupt nicht begeistert von dem Lärm, dem Staub, dem Chaos, der dauernden Anmache in Senegal. Sie zählte die Tage bis zur Heimreise. Kurt Koch hingegen fühlte sich wie im Paradies. «Ich war nur zwei Wochen dort», erinnert er sich, «aber als ich in die Schweiz zurückkehrte, hatte ich ­einen Kulturschock.» Nicht Afrika hatte ihn befremdet, sondern sein eigenes Land war ihm durch die Reise plötzlich fremd geworden. «Ich sehnte mich zurück», sagt er, «ich hatte – Heimweh.»

Es zog ihn zurück in jene Welt, er wollte dort leben. Aber er hatte keine Lust, als Frühpensionierter in Afrika zu enden, er wollte etwas anreissen. Dabei sah er sich nicht als selbst­losen Entwicklungshelfer oder Menschenfreund. Er verhehlt nicht, dass seine Motive eigennützig waren; er wollte den Rest seines Lebens im Land seiner Träume verbringen, aber er hoffte, dort etwas tun zu können, das ihm selbst und den andern etwas bringen würde. Schliesslich musste er auch seinen Lebensunterhalt verdienen. Er spöttelt über die Leute, die sich viel einbilden auf ihr ehrenamtliches Wirken. «Um unentgeltlich tätig zu sein, braucht man Geld, und das wurde sicher nicht ehrenamtlich erwirtschaftet.» Kochs Engagement ist eher marktwirtschaftlich. Er sagte sich: Ich bin Schreiner, ich liebe gutes Handwerk. Daran mangelt es in Afrika. Wenn ich hier etwas von meiner Professionalität einbringen kann, ist mir und den anderen gedient.

Irgendwann zog er sich für eine Woche in eine Alphütte zurück, um nachzudenken, und er kam zurück mit einem Projekt: Er würde eine Musterschreinerei eröffnen, sein schweizerisches Know-how über das Holzhandwerk jungen Afrikanern weitergeben. Es dauerte noch einige Jahre, bis es so weit war, aber in dieser Zeit nutzte er jede Stunde und jeden Franken, um seiner Utopie näher zu kommen.

Kurt Koch war mit 21 Vater geworden. Seine Kinder waren inzwischen erwachsen, seine Ehe geschieden. Familiäre Hindernisse für eine Emigration gab es also nicht. Die berufliche Umorientierung war schwieriger. Koch hatte die Meisterprüfung abgelegt und arbeitete seit 1996 als Werkstattleiter in einem Jugendheim, eine Tätigkeit, die ihm viel bedeutete. 2003 gab er seine ­leitende Funktion ab und arbeitete nur noch Teilzeit, um sich auf sein Afrikaprojekt konzentrieren zu können – und sich nach und nach zum Allrounder auszubilden.

Es blieb die finanzielle Frage. Koch verfügte kaum über Eigenkapital. Wenn er etwas Geld auf der Seite hatte, kaufte er irgendwo eine weitere günstige, am besten schon ältere, einfach zu wartende Occasionsmaschine, bis er nach und nach alles beisammen hatte, um eine Schreinerei auszurüsten. Langjährige Freunde wandten sich von ihm ab. Sie schüttelten den Kopf über den Fanatiker, der offenbar Opfer einer Obsession geworden war. Koch schrieb diverse Stiftungen an und reichte Gesuche um finanzielle Unterstützung ein. Ohne grossen Erfolg. Weil sein Projekt marktwirtschaftlich orientiert ist – seine Lehrlinge sollen später Arbeit und die Produkte Abnehmer finden –, passt es nicht in die karitative, oft eher wirtschaftsfeindliche Entwicklungshilfe-Ideologie.

Auch die Deza, die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit, versagte ihm einen Zuschuss. «Vielleicht habe ich im Gesuch allzu sehr betont, dass sich mein Betrieb im realen ökonomischen Umfeld behaupten soll», sagt er sich. «Aber wie soll ein Projekt nachhaltig sein, was ja immer gefordert wird, wenn es am Markt vorbeiproduziert?» Ihm wurde bewusst, wie weit sein Zugang von jenem der professionellen Experten, die kein persönliches Risiko eingehen müssen, entfernt ist. Also liess sich Koch die Pensionkasse auszahlen und steckte die Altersvorsorge in sein Projekt. Die ist inzwischen fast aufgebraucht. Doch er ist zuversichtlich. «Im schlimmsten Falle gehe ich zwischendurch eine Weile in der Schweiz arbeiten.»

Das Dörfchen Albadar liegt nur etwa 200 Kilometer Luft­linie von der senegalesischen Hauptstadt Dakar entfernt. Aber die Reise, die durch die Enklave Gambia führt, wo die Fahrzeuge nach endloser Warterei auf einer klapprigen Fähre den gleichnamigen Fluss überqueren, ist nicht immer in einem Tag zu schaffen. Eine Alternative ist die Benutzung des Schiffs von Dakar nach Ziguinchor, von wo einen Buschtaxis in zwei Stunden nach Albadar bringen.

Im staubigen Kaff Albadar und auch im nächstgrösseren Kafountine gibt es keinen Arzt, keine Bank und ausser Reis, Batterien und Coca-Cola kaum etwas zu kaufen. Es gibt zwar ein «Cybercafé», aber das kann tage- oder wochenlang geschlossen sein. Die meisten Häuser verfügen weder über Strom noch über fliessendes Wasser, und Malaria und andere Tropenkrankheiten grassieren im feuchtheissen Klima zwischen den Lagunen.

Hier, in der Gabelung zwischen Hauptstrasse und einer Abzweigung ans Meer, hat Koch ein Grundstück von 0,35 Hektaren gekauft. «Eine zauberhafte Gegend», sagt er schwärmerisch. Erst hatte er sich in Ghana umgesehen und war nahe daran, eine Schreinerei zu kaufen, dann empfahlen ihm Bekannte Senegal. Mehrmals reiste er in das Land am westlichsten Zipfel Afrikas, besuchte vergleichbare Projekte, sprach mit Schreinern, Unternehmern, Händlern, Entwicklungsexperten, Expats und Lokalpolitikern und landete schliesslich in Albadar.

Entscheidend ist für ihn, dass es Wald in der Umgebung gibt, sein Rohstoff also praktisch vor der Haustüre wächst, und sein Betrieb von der Hauptstrasse aus für Durchfahrende gut sichtbar sein wird. Kommt hinzu, dass unweit zwei weitere Ausbildungsprojekte existieren, mit denen Koch eine Zusammenarbeit ins Auge fasst, und dass an der Küste ein Bauboom ausgebrochen ist, der der Vorzeigeschreinerei mit Sicherheit Aufträge bringt. Und schliesslich gehört Senegal trotz Separatismus, Korruption und der zunehmenden Willkürherrschaft des Präsidenten Abdoulaye Wade immer noch zu den stabilsten Staaten Afrikas.

In Kafountine hat der Schreiner aus der Schweiz ein Zimmer gemietet. Lachend weist er auf eine Wand mit einem Gestell und einem Tuch davor, das den Staub abhält. Wie in einer Theatervorführung hebt er den Vorhang: «Voilà, mein Büro.» Laptop, Drucker, Schreibzeug, Papier, Ordner. Auf der gegenüberliegenden Seite steht ein Gestell mit wenigen, aber – an hiesigen Verhältnissen gemessen – teuren Werkzeugen, die er nicht auf der Baustelle umherliegen lassen will.

Das Zimmer ist sehr einfach und klein, aber wenn Koch davon spricht, wie toll es ist, dass er sich hierher zurückziehen kann, ist es, als ob er von einem Palast spräche. «Seit einiger Zeit praktiziere ich Yoga», erzählt er. «In Afrika ist es sehr wichtig, dass man gelegentlich zur Ruhe kommt und im täglichen Trubel seine Mitte wiederfindet.» Es brauchte lange, bis er sich daran gewöhnte, dass den Senegalesen das Wort Privatsphäre nichts bedeutet und er ungebetene Besucher oft recht harsch aus dem Zimmer oder auch von der Baustelle weisen muss.

In etwa drei Monaten sollte der Wohnraum in Albadar fertiggestellt sein, samt Stromversorgung. Vieles wird dann leichter für Koch: «Dann muss ich nicht mehr plötzlich von der Baustelle hierher in mein Zimmer fahren, weil der Akku meines Handys leer ist oder ein bestimmtes Werkzeug fehlt.» Anfangs besass er noch ein Auto. Das hat er inzwischen gegen ein Motorrad eingetauscht, mit dem man auf den schlechten Landstrassen schneller vorwärtskommt. Einen Schubkarren hat er mittels einiger Schweissungen zu einem Anhänger umfunktioniert.

Er lebt offensichtlich mit dem Minimum, stellt alles in den Dienst seines Projekts; nicht aus Altruismus, wie er immer wieder betont, sondern aus Begeisterung. «Wegen Komfort und Sicherheit bin ich ja nicht hierhergekommen», entgegnet er gelassen. Gern zitiert er das westafrikanische Sprichwort «Petit à petit, l’oiseau fait son nid».

Wenn Kurt Koch einen Besucher umherführt, zeigt er ihm zuerst den zwölf Meter tiefen Ziehbrunnen. Die Wasserversorgung ist in Afrika der Lebensnerv jedes Projekts. Dann musste die Parzelle gerodet und eingezäunt werden. Als nächstes wurden Wasserleitungen gelegt und eine Sickergrube ausgehoben. Vor drei Monaten schliesslich wurden das Fundament und der 500 Quadratmeter umfassende Betonboden fertiggestellt. Elf Arbeiter beschäftigt Koch, inklusive der jungen Koumba, die in einer Art Zelt Frühstück und Mittag­essen für die Truppe kocht.

Die Zementsteine für die Mauern werden vor Ort hergestellt, viertausend stehen zu Türmen aufgeschichtet bereit. Als erstes wird ein Magazin errichtet. Bis jetzt lagerte das Material bei einem Nachbarn. «Aber man kann nicht immer alles kontrollieren, und man sollte niemanden in Versuchung führen», sagt Koch lakonisch. Dann ist das Atelier für Metallverarbeitung dran, in dem er während der weiteren Arbeit am Atelier für die Holzarbeiten wohnen wird. Im März ist dann die Halle für die Holztrocknung dran. Darauf wird Koch sich einen Grundstock an Massivholz beschaffen und per Schiffscontainer seine Maschinen einführen, die noch in einem Depot in Linthal lagern. Wenn alles klappt, sollte Koch im Herbst erste Aufträge ausführen ­können.

Schon bei seinen ersten Schreinereibesuchen in Senegal stellte Koch fest, dass die verbreiteten Holzverarbeitungstechniken zwar für Schnitzereien und Trommeln geeignet sind, aber nicht für die Herstellung von Möbeln. «Oder es werden Maschinen und Werkzeuge aus der Kolonialzeit verwendet, die nur noch beschränkt funktionstüchtig sind.» Die geplante Metallwerkstatt dient der Instandstellung von Holzbearbeitungsmaschinen, was indirekt auch die Qualität von Schreinereien in der Umgebung anheben sollte.

Weil es bei der lokalen Produktion von Möbeln und Holzbestandteilen für den Innenausbau hapert, werden sie meist aus dem Ausland eingeführt. Diese Importware hält jedoch dem Klima nicht stand und altert schon nach der ersten Regenzeit massiv. Hier hätte die Herstellung vor Ort einen unschlagbaren Standortvorteil.

Was Koch auch aufgefallen ist: Die senegalesische Küche ist zeitaufwendig. Als Heizstoff dienen Holz und Holzkohle, die immer rarer werden, oder teures Gas. In der Produktion von Solarkochern, Heizkisten, Anlagen zur Gemüse- und Früchtetrocknung oder auch von Sonnenkollektoren für die Warmwasseraufbereitung sieht er eine Marktlücke.

In Senegal gibt es kaum einen Mittelstand. Einem Heer von ungelernten Arbeitslosen steht eine schmale Schicht von Akademikern gegenüber. Handwerksberufe sind Kas­tenangehörigen vorbehalten, deren Sozialprestige gering ist. Die Lehrlinge in Handwerksbetrieben sind allzu oft einfach Hilfskräfte, die ­während Jahren kaum oder gar nicht bezahlt werden. In Senegal gibt es zwei Entwicklungsprojekte im Schreinereibereich, deutsche Musterlehrwerkstätten. Kurt Koch hat sie besichtigt, überzeugt haben sie ihn nicht. «Der Lehrgang ist eins zu eins aus Deutschland übertragen worden. Anhand von Modellwendeltreppen wird Projektionslehre trainiert. Aber wer baut in Senegal Wendeltreppen?» Die Ausbildungsgänge sind nicht ausgelastet; es ist weder ein Arbeits- noch ein Abnehmermarkt vorhanden, in dem das Wissen der Abgänger gefragt wäre. Das ist das Wichtigste für Koch: «Die Lehrgänge und die Produktion sollen am realen Bedarf ausgerichtet sein.»

Koch ist kein karitativ engagierter Helfertyp. Kürzlich stürzten im Nachbardorf während der Regenzeit zahlreiche Häuser ein. Durch die defekten Blechdächer war Wasser eingedrungen und hatte die Lehmmauern beschädigt. Ein paar Weisse sammelten Geld für die «Opfer». Bei Koch waren sie an der falschen Adresse. «Die Leute wissen, dass die Lehmkonstruktionen anfällig sind», sagt er. «Da müssen sie halt in der Trockenzeit die Löcher im Dach ausbessern. Das kostet nicht viel, und Zeit haben sie genug.»

Kochs ganzes Projekt ist von einem Pragmatismus getragen, der sich abhebt vom oft etwas weltfremden und paternalistischen Geist in der NGO- und Entwicklungshilfe­szene. Es ist eigentlich die Umsetzung von Adam Smiths berühmtem Diktum, dass die Tätigkeit des Bäckers nicht von Nächstenliebe getragen sein müsse, sondern es reiche, dass er Geld verdienen wolle, damit er möglichst gutes Brot backe. Es könnte durchaus sein, dass Kochs Kleinunternehmen schliesslich der örtlichen Entwicklung hilft, gerade weil es nicht als Entwicklungshilfe konzipiert ist.

Die spezifisch afrikanischen Hindernisse sind allerdings nicht zu unterschätzen: Da ist einmal die Rechtsunsicherheit. Modernes und traditionelles Recht existieren nebeneinander. Koch bezahlte zwar einen normalen Kaufpreis für sein Bauland, bekam aber, wie auf dem Land üblich, nur ein 99jähriges Nutzungsrecht verbrieft. Zudem musste die Handänderung von zwei Komitees beglaubigt werden. Das Land rund um Albadar gehört drei alteingesessenen Familien; alle andern gelten auch nach Generationen noch als Zugezogene, wenn nicht Eindringlinge.

Koch musste mit einer Annullierung des Vertrags rechnen, ohne dass er einen Franken zurückerhalten hätte. «Obwohl sich schliesslich alles als rechtens herausstellte, wurde die Sache dauernd verzögert», sagt Koch. Offensichtlich steckte der Dorfchef dahinter. Wiederholt erschienen Provokateure und Saboteure auf der Baustelle, die Koch zu verstehen gaben, dass seine Gegenwart in Albadar nicht erwünscht sei. «Es gibt auf der einen Seite das offizielle Rechtssystem, auf der andern das System der Vetternwirtschaft und der Korruption. Wenn du keine einflussreichen Fürsprecher hast, nützen dir Paragraphen nichts.» Glücklicherweise legte ein einflussreicher Dorfbewohner ein Wort für ihn ein. Er empfahl Koch auch, dem «chef de village» sieben weisse Kolanüsse und 2000 CFA (etwa 5 Franken) zu übergeben. Darauf hörten die Störaktionen auf.

Viele Dorfbewohner sind daran interessiert, Neuankömmlinge wie Koch auszubremsen. Dazu kommt, dass der Begriff des Eigentums recht flexibel gehandhabt wird. Wer hat, der soll gefälligst verteilen; andernfalls holt man es sich, mit List oder notfalls mit Gewalt. Weisse gelten grundsätzlich als Millionäre; wer sie ausnimmt, ist kein Dieb, sondern ein Robin Hood. Koch lässt sich bei wichtigen Entscheidungen von einer renommierten Anwältin beraten; eine etwas teure, aber vermutlich lohnende Investition – allzu oft hört man von Betrügereien, sogar innerhalb der Familien. «Es ist nicht einfach, freundschaftliche Beziehungen von Gleich zu Gleich zu haben, die nicht von finan­ziellen Erwartungen korrumpiert sind», stellt Koch etwas desillusioniert fest. Auch deshalb waren der Zaun und das Eingangstor für ihn ein wichtiges Symbol.

Viele Weisse – gerade auch solche, die ursprünglich aus idealistischen Motiven nach Afrika kamen – werden nach ein paar Jahren zu desillusionierten Zynikern, Rassisten, Alkoholikern. «Ich kenne viele, die nur noch den ganzen Tag umherschreien, sich nerven, überhaupt keinen Spielraum mehr haben», sagt Koch. «Ich hoffe, dass ich es selber noch merke, falls ich auch mal so weit bin, und rechtzeitig abreise.» Vorläufig aber ist er voller Optimismus. Vom letzten Schweizaufenthalt hat er einen Beamer und einige DVD mitgenommen. «Das und eine weisse Wand reichen, um ein kleines Kino zu installieren.» Und schon in wenigen Wochen wird er einen Wireless-Anschluss haben. Dann kann er den Anwohnern ein Internetcafé anbieten, mit Sandwiches von Koumba.

Bis etwa 2020 möchte Kurt Koch den Betrieb in einheimische Hände übergeben. «Ich muss nicht reich werden», fasst er seine Zukunftsperspektive zusammen. «Aber ich möchte, dass das Projekt läuft, dass ich den Afrikanern für all das, was ich hier bekomme, auch etwas zurückgeben und mir zugleich die Rückkehr in die Schweiz offenlassen kann.» Im Moment allerdings gibt es nur ein Vorwärts. Koch hat Jahre seines Lebens und sein ganzes Geld in dieses Projekt investiert. Ein Scheitern kann er sich schlicht nicht erlauben.

Weitere Informationen unter www.afrique-lien.org

David Signer ist Ethnologe und Mitarbeiter der NZZ am Sonntag; er lebt in Zürich.

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