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NZZ Folio 03/10 - Thema: Alles öko!   Inhaltsverzeichnis

Bei Coiffeur -- Besonderer Service für Toupetträger

© Hoo Nam Seelmann, Riehen BS
Sun-Hee Yoon, Seoul, Korea Linktext
Ihre Kundinnen spricht Sun-Hee Yoon mit «ältere Schwester» oder «Mutter» an, damit sie sich zu Hause fühlen. Einmal Haareschneiden, bitte!

Von Hoo Nam Seelmann

Sun-Hee Yoon, Seoul, Korea, ist 28 Jahre alt. Sie ist ledig und wohnt noch bei ihren Eltern in Inchon, einer Stadt westlich von Seoul am Meer. Yoon verdient monatlich etwa 1900 Franken ohne Trinkgeld, das zwischen 4 und 9 Franken pro Kunde betragen kann.

Welcher Haarschnitt ist im Moment angesagt?

Der Kurzschnitt liegt im Trend – bei Männern und Frauen. Ausserdem lieben viele Frauen extravagante Frisuren wie die sogenannte Wellen-Dauerwelle. Dabei werden die Haare in parallele Wellen gelegt. Das Färben hingegen ist sehr zurückgegangen.

Haben Sie eine spezielle Methode?

Mir ist die technische Perfektion sehr wichtig. Jeder Handgriff muss sitzen.

Warum sind Sie Coiffeuse geworden?

Ich wollte einen soliden Beruf erlernen. Das Coiffeurhandwerk schien mir sehr interessant zu sein.

Wie haben Sie Ihr Handwerk erlernt?

In der Berufsakademie Dongnam Bokwondae in der Stadt Suwon. Die Ausbildung dauert zwei Jahre. Neben dem Haareschneiden und Frisieren lernt man dort auch Massage, Fingernägelpflege und Make-up.

Was sind Ihre Zukunftspläne?

Ich würde gern einen eigenen Laden haben. Jetzt bin ich angestellt.

Haben Sie viele Stammkunden?

Die meisten unserer Kunden sind Stammkunden aus dem Viertel. Frauen, Männer und Kinder. Unser Hair-Studio liegt in einer guten Wohngegend, hier sind die wichtigsten Gerichte Koreas. Die Menschen haben ein hohes Einkommen. Wir behandeln die Kunden wie Familienmitglieder: Die älteren Frauen sprechen wir mit «Mutter» an und die jüngeren mit «ältere Schwester» – das geht zurück auf die konfuzianische Tradition. Die Kunden sollen sich bei uns wohl fühlen wie zu Hause.

Haben Sie schon Besonderes erlebt?

Vor einigen Jahren gab mir ein Kunde kurz vor dem Neujahrstag etwa 100 Franken Trinkgeld. Das hat mich sehr überrascht!

Wem würden Sie gerne einmal die Haare schneiden?

Meiner Tante. Sie ist schwer krank und kann daher nicht zum Haareschneiden kommen. Wenn sie eines Tages wieder gesund wird, würde ich ihr gern einmal die Haare schön schneiden, damit sie sich wieder über sich freuen kann.

Haben Sie prominente Kunden?

Früher ist eine bekannte Sängerin mit dem Namen Choe Jin-Hee zu uns gekommen, aber jetzt nicht mehr.

Haben Sie sich schon einmal geweigert, einen Wunsch zu erfüllen?

Nein, das ist nie vorgekommen. Natürlich gibt es Menschen, bei denen es mir keine Freude macht, ihnen die Haare zu schneiden. Sie sind immer unzufrieden und nörgeln herum.

Was gefällt Ihnen an Seoul?

Seoul ist eine sehr grosse und emsige Stadt. Die Menschen sind sehr hektisch und gönnen sich wenig Musse. Zwar arbeite ich hier seit neun Jahren, aber ich wohne in Inchon, einer Kleinstadt an der Westküste. Die Fahrt dauert jeweils anderthalb Stunden. Aber ich liebe dort die Nähe zum Meer und zum Hafen. Vieles ist natürlicher und ruhiger als in Seoul. Im Sommer ist es auch weniger heiss und drückend.

Wie verbringen Sie Ihre Freizeit?

Ich arbeite von Montag bis Samstag, von 9 Uhr 40 bis 20 Uhr. Abends habe ich wenig Zeit, um etwas zu unternehmen. Wenn ich frei habe, ruhe ich mich zu Hause aus oder treibe Sport.

Wo machen Sie Ferien?

Die Ferien sind in Korea nicht sehr lang. Man bekommt im Sommer vier bis fünf Tage frei. Dann fahre ich mit Freunden ans Meer und geniesse dort die Natur. Wir arbeiten meist auch an den Feiertagen, da die Kunden dann Zeit haben, zu uns zu kommen. Dafür haben wir an anderen Tagen frei.

Haben Sie die Wirtschaftskrise gespürt?

Unser Laden besteht schon seit zehn Jahren. Und wie gesagt: Er liegt in einer guten Wohngegend. Wir haben nichts von der Krise gemerkt. Wir bemühen uns aber sehr, unsere Kunden durch zusätzliche kostenlose Leistungen an uns zu binden. So bieten wir nach der Dauerwelle eine Haarkur an. Oder als besonderen Service für Toupetträger die Reinigung des Toupets und eine Kopfmassage. Tee oder Kaffee gehören selbstverständlich dazu.

Hoo Nam Seelmann ist freie Journalistin; sie lebt in Riehen BS.


54th Avenue Hair Studio
Der Coiffeursalon liegt im Süden Seouls in einer ruhigen Wohngegend. Früher gingen die Männer zum Ibalso (Haarschneideort) und die Frauen zum Mizangwon (Schönheitssalon) zum Haareschneiden. Heute gibt es Hair-Studios für beide Geschlechter.

Preis für einen einfachen Haarschnitt
Männer zahlen 13 Franken, Frauen 15 Franken, Kinder 9 Franken.

Südkorea
Einwohner: 48 Millionen
BIP pro Kopf: 21 000 Fr.
Milch: 1 Liter 2 Fr.
Brot: 1 kg 5.20 Fr.
Kinobillett: 7.50 Fr.
Zigaretten: 2.20 Fr.
Taxi: 10 km 11 Fr.

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