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NZZ Folio 06/09 - Thema: Am Schwarzen Meer   Inhaltsverzeichnis

Nächster Halt Sewastopol

© Arid Ocean (Reliefkarten)
Sewastopol ist die grösste Stadt auf der Halbinsel Krim. Die Stadt hat innerhalb der Ukraine einen Sonderstatus: Sie ist direkt der Regierung in Kiew unterstellt. Durch einen Vertrag mit Russland ist Sewastopol bis 2017 auch Heimathafen der Schwarzmeerflotte. Das Klima ist nahezu subtropisch. Im Sommer steigen die Temperaturen bis auf 40 Grad an. Geographisch liegt Sewastopol auf derselben Breite wie Mailand oder Lyon. Linktext
Mongolen, Tataren, Engländer – die Stadt auf der Krim hat schon viele Eroberer erlebt. Fraglich, ob die russische Schwarzmeerflotte die Ukraine je verlassen wird.

Von Lorenz Schröter

Sewastopol ist in erster Linie ein Kriegshafen und erst dann eine Stadt. Selbst aus der Ferne sehen die grauen Zerstörer, Fregatten und Corvetten der 30. Kriegsschiffbrigade gewaltig aus. Aufmerksam lauschen Satellitenschüsseln auf den Decks, die Kanonen und Raketen sind abgedeckt.

Die Denkmäler der Stadt erinnern an Admirale und glorreiche Gefechte, sie zeigen in den Himmel wie Masten. Unter Katharina der Grossen wurde die Stadt auf der Krim zum Haupthafen der neugegründeten Schwarzmeerflotte ausgebaut. Von hier liefen 1994 russische Marineeinheiten für den ersten Tschetschenienkrieg aus, während des Georgienkriegs 2008 kreuzten acht hiesige Kriegsschiffe vor Poti, darunter das Flaggschiff der Flotte, der 186 Meter lange Raketenkreuzer «Moskau».

Die Buchten krallen sich ins Land, im ganzen Stadtgebiet sind es 38. Die längste Bucht ist 7 Kilometer lang und zeigt wie ein Finger in die Krim. Am Ufer der Sewastopolskaja Buchta ist das Wasser noch klar, ältere Herren angeln, Köder, Bier und Sauerkraut­wickel neben sich. Weiter draussen, in der Fahrrinne der Fähre zur Nordseite, liegt ein schillernder Ölfilm. Nicht fachgerecht abgelassenes Ballastwasser der im Hafen vertäuten Schiffe. Von Hand wird ein Stückgutfrachter entladen, in Europa ein seit langem verschwundener Anblick. Aus den gewaltigen, bis zu 250 Meter langen Trockendocks hallen die Hammerschläge. Davon lebt Sewastopol. Doch das Reparieren von Schiffen hat wegen der Krise stark nachgelassen.

Am Bahnhof warten Rentner mit Schildern in der Hand auf Übernachtungsgäste. Ich frage eine ältere Dame in einem Plastic-Anorak, ob sie ein Foto des Zimmers habe. Sie verneint. Sofort drängt sich eine andere Frau vor und zeigt mir ein Bild von einem Bett mit samtener Überdecke. Ich entscheide mich für die Dame ohne Foto.

Das Zimmer kostet 15 Franken die Nacht. Die freundlich-distanzierte Wirtin nimmt mich mit in ihren Vorort in eine solide achtstöckige Mietskaserne auf einer staubigen Brache. Das Treppenhaus war einst blau gestrichen, der Fahrstuhl ­ächzt. In ihrer Wohnung hat sie es sich gemütlich gemacht, grüne Couchgarnitur im Wohn- und Fernsehzimmer, die Badezimmertür ist mit alten Alkohol- und Zigarettenetiketten beklebt.

Im Gästezimmer stehen ein Klavier und Tolstoi im Regal. Wenn eine Tür nicht schliesst, wird nicht der Haus­eigentümer oder ein Hausmeister gerufen, man faltet alte Zeitungen und klemmt sie in den Türspalt. In der Küche köchelt Wasser für den Abwasch, Warmwasser gibt es nur im Bad. Die mindestens dreissig Jahre alten Kochtöpfe mit Blümchenmuster haben keine hitze­isolierenden Griffe, deshalb klemmt unter dem Deckelgriff ein Korken, und ein Tuch für die Topfhenkel liegt akkurat daneben, so wie es meine Wirtin seit Jahrzehnten hält. Sie bäckt sich Quarktaschen.

Mit der Zeit taut sie auf und gibt mir Schuhputzzeug, damit ich meine staubigen Schuhe aufpolieren kann. Diese Art von Aufmerksamkeit habe ich noch mehrmals erlebt. Im Bus wies mich eine Dame auf meinen verrutschten Kragen hin. Als ich mich umsah, wurden auch andere darauf hingewiesen, dass sie Staub auf dem Revers hatten oder das Wäschezeichen heraushing.

Die Krim hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Khasaren, Pe­tschenegen, Polowezer, Seldschuken, Mongolen, Genuesen, Litauer, Tataren, Türken, Kosaken, Russen, Engländer – das ist nur die Kurzfassung – haben die Halbinsel dermassen oft überfallen, die Dörfer verbrannt, die Einwohner als Sklaven verkauft, dass man sich wundert, warum sich überhaupt jemand die Mühe machte, hier Apfelbäume zu pflanzen, wenn am Horizont bereits die nächste plündernde Horde wartete.

In den Anhöhen um Sewastopol stehen heute noch Bunkerreste aus dem Zweiten Weltkrieg. 1941 wurde die damals als stärkste Festung der Welt geltende Stadt 250 Tage von rumänisch-deutschen Streitkräften belagert. Am Ende waren nur noch neun Gebäude unbeschädigt. 1944 folgten 28 Tage Belagerung der Roten Armee plus 8 Tage Strassenkämpfe. Stalin bezichtigte die Krimtataren, turksprachige Muslime, der Kollaboration und liess 180 000 von ihnen in Viehwaggons pferchen und im Mai 1944 nach Usbekistan transportieren. Zu 80 Prozent waren es Frauen und Kinder, die Kollaborateure waren längst geflohen. 1954 schenkte Chruschtschow die einstige autonome Sowjetrepublik Krim der Ukraine. 300 Jahre zuvor hatten die Kosaken einen Treueeid auf den Zaren geschworen, und die Ukraine war Teil des Russischen Reichs geworden.

Das Jubiläum des Vertrags von Perejaslaw fiel 1994 mitten in den Auflösungsprozess der Sowjetunion. Der ukrainische Präsident Leonid Kutschma deutete Perejaslaw als Symbol der ukrainischen Unabhängigkeit und erklärte ihn zum Gründungsmythos des Landes, seine Gegner sahen darin ein Zeichen der Unterwerfung; Neokosaken kündigten in einem festlichen Ritual den Eid von 1654, die Ukrainische Autokephale Orthodoxe Kirche verbot die Teilnahme an den Feierlichkeiten.

Wie viel Russland braucht die Ukraine, wie viel Ukraine gehört Russland? Diese Frage löst, wie bei sich aneinander reibenden tektonischen Platten, immer wieder Erdbeben aus. Wie der Streit um das Gas. 80 Prozent der russischen Gaslieferungen nach Europa flossen durch die Ukraine, jahrelang bekam das Land sehr billiges Gas, deshalb entwickelte sich eine gasintensive Industrie, die Ukraine wurde zum grössten Gasimporteur der Welt mit einer sehr niedrigen Energieeffizienz.

Russland, Mitte der 1990er Jahre in einer schweren wirtschaftlichen Krise, wollte nicht länger mit Milliarden aus dem Gasgeschäft die ukrainische Wirtschaft und ein Land subventionieren, das sich der Nato anschliessen will. Der Streit um Gaspreise, Transitkosten, Schulden, verlängerte oder gekündigte Verträge, geliefertes oder transportiertes Gas führte dazu, dass die russische Seite zwischen 1992 und 2008 den Gasfluss mehrmals unterbrach, bis man sich wieder an den Verhandlungstisch setzte und sich einigte, um sich im nächsten Jahr wieder zu streiten. 2009 hat die Ukraine 2,4 Milliarden Dollar Schulden bei Gazprom angehäuft. Die sollen erst bezahlt werden, bevor ein neuer Vertrag abgeschlossen wird. Es wird also weitergehen mit den Gassperrungen, Verhandlungen und Einigungen.

Nach dem Zerfall der Sowjetunion waren nicht nur Ölfelder, Pipelines oder Kupferminen auf dem freien Markt zu haben; im Überschwang der neugewonnenen Freiheit nahm die Ukraine die 5 Kreuzer, 10 Zerstörer, 28 U-Boote, 30 Fregatten, 125 Bomber, 135 Hubschrauber, einen Flugzeugträger und 300 weitere Schiffe der ruhmreichen Schwarzmeerflotte in Besitz, Wert irgendwo zwischen 60 und 80 Milliarden Dollar.

Russland war allerdings nicht ­damit einverstanden, dass seine Marinesoldaten der Ukraine die Treue schwören sollten. 1995 einigte man sich, dass Russland 81,7 Prozent der Flotte behalten sollte; und der Rest wurde ukrainisch. Ausserdem wurde ein Teil der ukrainischen Schulden getilgt, und die Ukraine verpachtet die Hafenanlage in Sewastopol für 100 Millionen Dollar im Jahr, die mit den Schulden aus dem Gasgeschäft verrechnet werden. 2017 soll die russische Marine die Stadt verlassen. Daran glaubt aber niemand. «Die Russen werden Sewastopol niemals aufgeben», sagt jeder Taxifahrer, Kellner oder Fremdenführer, den man fragt. Die ukrainische und die russische Seite werden spätestens 2017 neu verhandeln. Wie beim Gas.

Hinter den Kulissen mag es gewaltig knirschen, in der Stadt spürt man davon nichts. Die Strassen schlängeln sich den Buchten entlang, weiss und schön leuchten die Fassaden an der Gräfischen Anlegestelle; von dort legen alle zehn Minuten Fähren zur Nordseite ab. Um die Landspitze herum erhebt sich auf einer winzigen Felseninsel, nur zehn Meter vom Festland, eine Säule, oben spreizt ein Adler seine Flügel. Das Denkmal der versenkten Schiffe erinnert an den Widerstand im Krimkrieg (1853–1856), als Engländer, Franzosen und Türken die Stadt 349 Tage lang belagerten.

An der Uferpromenade klingen manchmal Tangoklänge aus den Cafés, und Souvenirhändler verkaufen die dunkelblau-weiss geringelten Unterhemden der Schwarzmeerflotte. Auch in Kindergrössen.

Ein paar Treppenstufen weiter oben erstreckt sich der prachtvolle Na­chi­mow-Prospekt, benannt nach einem Admiral während des Krimkriegs, die Flaniermeile der Stadt. McDonald’s hat an bester Lage die grösste Filiale eröffnet und auf diese Art ­Tatsachen geschaffen: Hier ist das Zentrum. Ein paar Boutiquen und Banken weiter schmettert unter dem Na­chi­mow-Denkmal ein Chor patriotische Lieder. Auf den Dächern der Verwaltungsgebäude wehen russische und ukrainische Fahnen, man hat fast den Eindruck, sie wehen um die Wette, und russische Seeleute in schicker Ausgehuniform inspizieren die Stadt.

«Wozu braucht ein Land wie die Ukraine ein militärisches Ozeanarium?» Alexei Birkun lässt seine blauen Augen aufblitzen. «In der Kasatschja-Bucht werden heute noch Grosse Tümmler trainiert.» Der Marinebiologe spricht ein langsames, aber sehr genaues Englisch. Lernen hier, wie in San Diego, dem militärischen Ozeanarium der US-Marine, die ukrainischen Delphine Minen an U-Boote zu heften, feindlichen Kampftauchern die Luftschläuche abzureissen und als intelligente Torpedos Schiffe in die Luft zu sprengen? «Das weiss ich nicht. Das ist militärisches Geheimnis.» Alexei sagt aufmüpfig, wie läppisch er die Geheimdienstdelphine findet. Vermutlich weiss er mehr, als er zugibt, schliesslich betreute er in den 1980er Jahren die sowjetischen Kampfdelphine medizinisch. «Aber was sie genau lernten, durfte ich nicht wissen. Das war eine ganz andere Geheimhaltungsstufe. Trotzdem durfte ich nicht ins Ausland reisen, jeder Kontakt mit Ausländern war mir verboten.»

Sewastopol war bis 1994 eine geschlossene Stadt. Mehrere Dutzend sowjetische Städte, darunter Kaliningrad, Nischni Nowgorod und Wladiwostok, wurden wegen ihrer militärischen Bedeutung abgeriegelt. Sie bekamen eine Nummer und einen Tarnnamen, existierten nur als Postleitzahl. Ausländern war der Zugang verboten, Einheimische brauchten eine besondere Erlaubnis, Angehörige der Einwohner durften nicht einmal die ungefähre geographische Lage erfahren, wo ihre Verwandten lebten. Heute gibt es in Russland offiziell noch 42 geschlossene Städte.

Alexei hat in den 1990er Jahren die Seiten gewechselt. Er ist Direktor des Marineforschungsinstituts Brema, einer professionellen NGO, die sich für die Wale im Schwarzen Meer einsetzt, den Gemeinen Delphin und den Grossen Tümmler. «Dramatisch ist die Situation für den Schweinswal.» Mit bis zu 1 Meter 80 Länge ist es die kleinste Zahnwalspezies. «Sie gründeln und geraten in die Netze der Steinbuttfischer. Nach zwanzig Minuten ersticken sie jämmerlich.»

Alexei hat einen leichten Sonnenbrand, vor zwei Tagen war er in einem Fischerboot auf dem Schwarzen Meer. Fischer fangen Fische, Wissenschafter zählen und klassifizieren sie. «Wir begleiten eine Kooperative mit insgesamt 350 Netzen, jedes Jahr sterben 200 Schweinswale als Beifang. Allein in den ukrainischen Gewässern sind zwischen 4000 und 8000 Netze im Einsatz. Die Ukraine, Bulgarien, Rumänien und Georgien haben sich Accabams angeschlossen.» Accabams ist die Walschutzvereinigung für das Schwarze Meer und das Mittelmeer. Ihren Mitgliedern ist die Jagd auf Meeressäuger verboten. «Russland und die Türkei sind nicht Mitglied.»

Alexei sagt nicht «leider», er schaut nicht einmal von den Papieren auf, die vor ihm liegen. «Es sollte eine zweimonatige Schonzeit geben, dann würden sich auch die Steinbuttbestände wieder regenerieren, der wertvollste Fisch des Schwarzen Meeres. Reflektierende Netze würden zudem die Schweinswale warnen.» Er sitzt in einem Büro mit vergilbten Tapeten, und man fragt sich: Ist die Sowjetunion untergegangen, weil nichts richtig funktionierte? Oder hat sie so lange überlebt, weil diese Ungemütlichkeit und das ständige Improvisierenmüssen unter widrigen Umständen einen harten Menschenschlag hervorgebracht haben?

Auf die Frage, wie man mit den Marinedelphinen und den in Delphinarien gehaltenen Tieren verfahren solle, antwortet Alexei unsentimental: «Man könnte gefangene Delphine auswildern, theoretisch. Aber das ist sehr aufwendig. Sie müssen gesund sein, um nicht ihre Artgenossen anzustecken. Sie müssen jagen lernen und ihre angelernten Fähigkeiten vergessen. Freigelassene Tiere müssen an ihrem Herkunftsort freigelassen werden, damit die genetischen Arten erhalten bleiben. Mir ist ein Fall in Florida bekannt, da kostete ein solches Programm zwei Millionen Dollar. Für einen einzigen Delphin!» Mit dieser Summe könnte man vermutlich alle Fischer mit reflektierenden Netzen ausrüsten.

Nicht nur der Beifang und die Überfischung setzen der Umwelt zu. In Sewastopol gibt es, wie auf der ganzen Krim, keine einzige Kläranlage. Auch Donau, Dnjepr, Dnjestr, Don – einige der längsten Flüsse Europas – münden im Schwarzen Meer und versorgen es zusätzlich mit ungefiltertem Wasser aus 17 Ländern. Darunter auch die Schweiz: In den Bündner Alpen verläuft die Wasserscheide zwischen Mittelmeer und Schwarzem Meer.

Anfang der 1990er Jahre spülte allein die Donau 60 000 Tonnen Phosphor, 1000 Tonnen Chrom, 900 Tonnen Kupfer, bis zu 60 Tonnen Quecksilber, 4500 Tonnen Blei, 6000 Tonnen Zink und bis zu 50 000 Tonnen Öl ins Meer, jedes Jahr. Das Meer kollabierte, eine Algenblüte und sich explosionsartig vermehrende Quallen vernichteten die heimische Flora und Fauna, der kommerzielle Fischfang kam völlig zum Erliegen.

«Dem Schwarzen Meer geht es auf jeden Fall besser als vor zehn, zwanzig Jahren», erklärt Alexei. «Seitdem die Industrie in den ehemaligen Ostblockstaaten zusammengebrochen ist, hat sich die Wasserqualität enorm verbessert.» Die Düngerpreise waren in den 1990er Jahren derart gestiegen, dass wesentlich weniger Stickstoff, Phosphat und Nitrat ins Schwarze Meer flossen. Sogenannte Dead Zones, wo der Sauerstoffgehalt im Wasser so niedrig geworden war, dass kaum noch Leben möglich war, erholten sich wieder.

In den Tiefen des Schwarzen Meeres spielen diese Vorgänge jedoch keine Rolle, da das Schwarze Meer das grösste meromiktische Gewässer der Erde ist. Das heisst, die oberen, relativ salzarmen, und die unteren, salzigeren Wasserschichten liegen übereinander wie ein Stapel Teller und vermischen sich nicht. Nur in den oberen 150, 200 Metern gibt es Sauerstoff, darunter gedeihen nur Bakterien und Algen. Die tiefste Stelle ist 2200 Meter.

Da unten, in der dunklen, kalten Tiefe, verrotten auf den Grund sinkende Pflanzen und Tiere nicht wie an Land, da es keinen Sauerstoff gibt, sondern verwandeln sich in Sedimente, in einen Faulschlamm, der sich in Millionen Jahren in Erdöl verwandeln wird. 1,5 Milliarden Tonnen Erdöl, so schätzt man, liegen unter dem Kontinentalschelf des Schwarzen Meeres. Bisher konnte die Ukraine als einziges Schwarzmeerland ihre Reserven in der Tiefsee nicht anzapfen, die Bemühungen der Ölmultis Shell und Hunt blieben erfolglos. Vielleicht konnte man sich aber auch einfach nicht auf die Gewinnverteilung einigen.

Das Schwarze Meer ist zudem das Gewässer mit der höchsten Methangaskonzentration der Welt, verursacht durch Bakterien und 200 bis 600 Unterwasservulkane. Im Osten des Meeres perlt manchmal so viel des leicht entflammbaren Gases an die Oberfläche, dass die Luft zu brennen beginnt.

Weitaus gefährlicher ist jedoch die Klimaerwärmung. Würde das am Meeresgrund gebundene Methanhydrat schmelzen und als Methan an die Oberfläche kommen, würde das Gas – 30 Mal intensiver als Kohlendioxid – den Treibhauseffekt beschleunigen. Zum Glück gibt es auf dem Grund des Schwarzen Meeres aber auch Nickelbakterien, die das Methan oxydieren und es unten halten. Und so bleibt vorerst alles, wie es war.

Lorenz Schröter ist freier Journalist; er lebt in Berlin.

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