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Zerlegt -- Mit Stil auf dem Sattel
© Patrick Rohner, Zürich
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| Radrenntrikot, Polyester/Wolle, Rapha, bei Obst & Gemüse in Basel, 155 Franken. |
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Was kommt heraus, wenn zwei Modedesigner sich finden, die sich für einen Radsporthelden der Vergangenheit begeistern? Ein Trikot zu Ehren des Champions Jacques Anquetil.
Von Jeroen van Rooijen
Der Brite Simon Mottram hat sich mit seinem Label Rapha auf Velofahrer spezialisiert. Nicht auf Mountainbiker in ihren Baggy-Shorts, sondern auf Strassenrennfahrer. Er hat früh gemerkt, wie hip dieses Thema unter Trendsettern ist, die heute Fixies und andere Minimalbikes fahren. Seit der Lancierung im Jahr 2004 erlebt das Label Rapha ein fulminantes Wachstum. Ein geschickter Schachzug war die Zusammenarbeit mit dem englischen Designer Paul Smith, mit dem Simon Mottram die Faszination für die goldenen Zeiten des Zweiradsports gemeinsam hat, als Helden wie Fausto Coppi, Raymond Poulidor oder Eddy Merckx die grossen Rundfahrten und Schlagzeilen dominierten.
Am meisten verehren die beiden den Franzosen Jacques Anquetil, der in den 1960ern als erster Fahrer fünf Mal die Tour de France gewann. Ihm zu Ehren hat Rapha ein Trikot gestaltet, das in Farbe und Form an den Champion erinnern soll. Bei Jacques Anquetil stand einst gross «St-Raphaël Gitane» auf der Brust, der Name seines Teams; bei Rapha erinnert ein vergleichsweise diskreter, weiss gestickter Schriftzug des Labels auf der linken Brust an das Team, auf das auch der Markenname Rapha anspielt.
Wer die Geschichte des Ausnahmefahrers Jacques Anquetil genauer kennenlernen will, muss die ausgesetzte Tasche wenden, die sich rechts auf dem Rücken des T-Shirts befindet und mit dem Zeichen eines Asses bestickt ist. Im Innenfutter dieses Fachs findet sich ein Textiletikett, auf dem die Vita des Fahrers nacherzählt wird. Noch besser versteckt, im Reissverschlussfach des Rückenteils, steckt der Material-, Hersteller- und Pflegehinweis: 60% Polyester / 40% Merinowolle, made in China, bei 30 Grad in der Maschine zu waschen.
Das T-Shirt ist nicht nur liebevoll gestaltet, sondern auch hervorragend gefertigt. Das Material fühlt sich weich und frisch an. Die Nähte sind solide und präzise ausgeführt – keine Spur von Billigproduktion. Die wichtigsten Linien sind mit einer zweifach abgesteppten Flatlocknaht verarbeitet, für die innen ein weiches, hautschonendes Bauschgarn verwendet wurde. Diese Naht lässt sich kaum auftrennen – besonders zäh waren für den Zerleger die zwei horizontal über der Brust verlaufenden Teilungsnähte sowie die Ansatzpunkte der Rückentaschen, die mit festen Nahtriegeln gesichert sind.
Wie alle Radrenntrikots ist auch das Anquetil-Memorial-Shirt im Rücken länger gearbeitet. Damit es nicht hochrutscht, wurde zudem ein mit Gummi beschichtetes Innenband vernäht, wie man es sonst von halterlosen Strümpfen kennt. Das Rumpfteil ist leicht tailliert und die Armkugel knapp, was für eine körperbetonte Linie sorgt. Vorne ist ein Kunststoffreissverschluss eingearbeitet, der bis zum Brustbein reicht, innen eine weiche Schutzleiste hat und zum Hals hin mit einer kleinen Lasche verdeckt ist. Ein vier Zentimeter breiter Stehkragen schliesst das Shirt nach oben hin ab.
Jeroen van Rooijen ist Mode- und Stilkritiker der NZZ; er lebt in Zürich.
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