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NZZ Folio 07/10 - Thema: Grandios gescheitert   Inhaltsverzeichnis

Zerlegt -- Schnelle Höschen

© Patrick Rohner, Zürich
Badehose, 50% Polyester / 50% Polybutylen, Speedo, 65 Franken. Linktext
Wer im Wasser nach Rekorden jagt, braucht heute einen Ganzkörperanzug – aber zum Glück gibt es auch noch die klassische Badehose, mit der Mark Spitz damals sieben Goldmedaillen erschwamm.

Von Jeroen van Rooijen

Bei den Sportschwimmern ist seit einiger Zeit der Teufel los. Die ultraschnellen neuen Anzüge, dank denen die Athleten Sekunden schneller ihre Bahnen ziehen, haben den Sport revolutioniert. Ohne die mit Ultraschall verschweissten Presswurst-Ganzkörperkondome steigt inzwischen nicht einmal mehr ein Ausnahmeathlet wie Michael Phelps ins Wasser.

Früher strahlte das Schwimmen noch eine andere Erotik aus. Man denke an Mark Spitz mit dem coolen Schnauzer, der bei der Olympiade 1972 in München sieben Goldmedaillen und Weltrekorde erschwamm. Mark Spitz sprang in knappen Badehosen ins Wasser – eines der berühmtesten Bilder zeigt ihn in einer Badehose mit blauweissroten Streifen und Sternen, die der Fahne der USA nachempfunden sind. Der Legende nach verdeckt seine linke Hand das Logo von Speedo – denn Spitz stand damals bei einem anderen Hersteller unter Vertrag.

Die 1914 in Australien gegründete Marke ist heute noch das Mass der Dinge im Schwimmsport, denn auch die neuen Anzüge sind von Speedo. Glücklicherweise stellt das Unternehmen aber auch klassische Badehosen her, wie das hier zerlegte Modell «Endurance plus». Solche Speedos tragen nur Schwimmer, die es ernst meinen. Sollen die anderen in ihren lappigen Chiemsee-Bermudas planschen; wer eine Badehose von Speedo am Hintern hat, geht nicht zum Gaudi in die Badi. Damit dies auch von weitem zu erkennen ist, hat Speedo nicht nur vorn sein Logo mit dem schmissigen Winkel aufgestickt, sondern es etwa 10 Zentimeter breit auch auf den Hintern gedruckt.

Gefertigt ist die Badehose, die beim Internetversandhändler Sport Scheck in fünf Grössen und zwei Farbstellungen erhältlich ist, aus einem chlorresistenten, hochelastischen und rasch trocknenden Kunststoffgewebe aus 50% Polyester und 50% Polybutylen. Seitlich sind mit einer kontrastierenden Flatlocknaht zwei diagonal verlaufende Sportstreifen eingesetzt. Genäht wird in Thailand.

Beim Zerlegen fiel die Belastbarkeit und Dichte der Nähte auf: Diese Badehose dürfte auch dann halten, wenn man einen Schwimmer daran aus dem Wasser zieht. Damit sie beim Köpfler vom Startblock nicht zu den Knien rutscht, ist im Hosenbund ein breites Gummiband eingenäht und eine Kordel eingezogen. Auf der vorderen Innenseite ist die Badehose mit einer zweiten Schicht eines Synthetikjerseys gedoppelt.

Die Schrittnaht ist etwas weiter zurückversetzt, so dass sie den Träger nicht an der empfindlichsten Stelle drückt. Die Kunst des Nähens dürfte in diesem Fall auch darin bestehen, das Gummiband am Beinausschnitt so zu ziehen, dass die Hose vorne einen Beutel bekommt, am Gesäss aber flach anliegt.

Im Hosenbund sind allerhand Labels verarbeitet: Hinweise zu Grösse und Material; ein gestickter Code und eine Zahlenkombination, die für die Echtheit des Produkts bürgt; und schliesslich Pflegehinweise. Kalt ausspülen, bei maximal dreissig Grad waschen, nicht bügeln. – Nicht bügeln? Wer bügelt denn, bitte schön, seine Badehose?!

Jeroen van Rooijen ist Moderedaktor bei der NZZ am Sonntag.




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