NZZ Folio 08/10 - Thema: Patriotismus   Inhaltsverzeichnis

Zerlegt -- Hose mit Sitzpolster

© Patrick Rohner, Zürich
Bikerhose, Kunstfasern, Löffler, 150 Franken. Linktext
Wer mit dem Velo zu Berge fährt, trägt kein enges Renndress: Für Mountainbiker gibt es eine Bikerhose mit einem interessanten Innenleben.

Von Jeroen van Rooijen

Nirgends gibt es eine so gut organisierte Mountainbikerszene wie in der Schweiz. Auch der Tourismus hat die Bergradler entdeckt: Mit über 50 signalisierten Trails ist fast jedes Alpenmassiv heute auch per Velo bezwingbar. Von den übrigen Radfahrern setzen sich Mountainbiker nicht nur durch ihr Velo ab, sondern auch durch ihre Kleidung. Anders als die Rennradfahrer, die in hautenger Stretchkleidung auf den Strassen «Kilometer fressen», erklimmt der Mountainbiker im weiter geschnittenen Outfit die Gipfel.

Vorzugsweise trägt er dabei eine Hose von Löffler. Das Unternehmen aus Ried im Innkreis ist ein konservativer Betrieb: Die Firma legt auch in Zeiten der globalisierten Warenströme Wert darauf, dass möglichst viele Produktionsschritte am Hauptsitz in Ried erfolgen. So strickt Löffler einen Grossteil seiner technischen Wirkwaren selber, und auch der Zuschnitt und die Verarbeitung gewobener Ware geschehen grösstenteils im oberösterreichischen Stammwerk oder in Partnerbetrieben in der Europäischen Union.

So gesehen ist der Preis der halb­elastischen Bikerhose mit Sitzpolster sehr fair: 150 Franken für ein schnitttechnisch wie handwerklich aufwendiges, tadellos verarbeitetes und modisch kompetentes Beinkleid. Ausserdem bekommt man nicht nur eine, sondern zwei Hosen: eine Oberhose mit drei verschliessbaren Taschen und eine in allen Richtungen dehnbare und gepolsterte Innenhose, die mit zwei seitlichen Schlaufen und Druckknöpfen am Bund festgemacht wird.

Der Oberstoff, ein wasser- und schmutzabweisender Mikrofaser-Comfortstretch, ist in zwei Richtungen dehnbar, so dass die Shorts nie spannen. Die Taschenfutter sind aus einem sehr leichten Netzgewebe geschnitten, das kaum aufträgt. Sämtliche Nähte sind innen mit einer weichen Overlocknaht verarbeitet und von aussen mit kontrastierendem Faden abgesteppt. Die Kunststoff-Reissverschlüsse sind flach und leicht; damit man sie auch mit Handschuhen öffnen kann, sind die Schlitten und Puller mit kleinen Kordeln ausgestattet. Der doppelt verstürzte Bund hat seitlich zwei elastische Einsätze, die in gebeugter Sitzposition mehr Weite zulassen und gleichzeitig verhindern, dass einem die Shorts auf die Knie rutschen, wenn man am Gipfel vom Sattel steigt.

Der Clou des Kleidungsstücks ist aber die mit hochelastischen Flatlocknähten verarbeitete Innenhose aus Polypro­pylen-Waffelstretch, in die ein weiches Kunststoffsitzpolster eingenäht ist. Dank diesem versteckten Sitzschutz kann man es mit dieser Hose auch einmal wagen, sich bei einem Etappenhalt mehr als fünf Meter von seinem Bike wegzubewegen, ohne gleich des kuriosen Beinkleides wegen ausgelacht zu werden.

Auch das Branding der Velohose ist diskret: Ausser einem aufgestickten, fünf Zentimeter gros­sen Logo am linken Oberschenkel und einem kleinen seit­lichen Etikett weist nichts auf die ­Her­stellerin hin. Das ist ein deutlicher ­Un­terschied zu konventioneller Fahr­radbekleidung, an der meist format­füllende Logoaufdrucke prangen.

Jeroen van Rooijen ist Moderedaktor bei der NZZ am Sonntag.



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