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NZZ Folio 12/08 - Thema: Geschwister   Inhaltsverzeichnis

Duftnote -- Zeit für den smarten Duft-Player

© Fabienne Boldt
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Von Luca Turin
Vor einigen Jahren tauchte ein charmanter Sonderling in meinem Büro auf und gewann mich für die Zusammenarbeit an der Entwicklung eines elektronisch gesteuerten Parfumsprays. Die Idee war, mit der Inkjettechnologie Düfte statt Farben zu sprühen. Die Patrone sollte vier Grundnoten enthalten und diese in unterschiedlichen Verhältnissen auf die Haut bringen, je nach Einstellung der Software. Diese sollte sich an der Tageszeit, der Stimmung oder den Jahreszeiten ausrichten. Das Gerät sollte nicht grösser sein als ein Handy und aussehen, als hätten Sie es gerade im Duty-free-Shop des Raumschiffs «Enterprise» gekauft.

Wenn man bedenkt, wie unbedarft wir an die Sache herangingen, sind wir mit der Idee bemerkenswert weit gekommen: Wir trafen uns mit Ingenieuren der Firma Hewlett-Packard, sassen mit Vertretern von Estée Lauder, Avon und dem Body Shop zusammen und erhielten jede Menge technische Unterstützung von Quest International, die damals noch unabhängig war. Christopher Sheldrake zerlegte für uns eines seiner Parfums (Tocadilly, wenn ich mich recht entsinne), um die von HP gelieferten Inkjetpatronen zu befüllen und unsichtbare Duftquadrate auf ein weisses A4-Blatt zu drucken. Es funktionierte und hätte ohne Zweifel zu einem brauchbaren, womöglich begehrten, ja sogar erfolgreichen, kleinen Accessoire fortentwickelt werden können.

Wurde es aber nicht, und es ist interessant, sich die Gründe zu vergegenwärtigen. Niemand mochte das Ding. Den Parfumeuren missbehagte die Vorstellung, dass jedermann ihre Kompositionen verändern könnte. Die Managerinnen in den Schönheitsfirmen hatten etwas gegen den Einsatz von Batterien. Obschon wir uns alle Mühe gaben, es wie ein Parfum und nicht wie ein GPS aussehen zu lassen, blieb es doch ein technisches Gerät, und am Ende ist und bleibt alles Elektrische Bubensache. Die Vorstellung eines Duft-Players von Sony, in dem eine Software den Duft macht, war den image­besessenen Parfumfirmen ein Dorn im Auge, während umgekehrt die Techno­logiefirmen der launenhaften Welt der Mode mit Argwohn begegneten.

Ist es nicht bemerkenswert, dass smar­te Geräte heutzutage massenhaft in pro­grammierbaren Duftspendern, in laser­er­hitzten Wachs-CD oder pie­zo­elektrischen Sprays mit kleinen Ventilatoren eingesetzt werden, während die Dufthersteller immer noch an der antiquierten Kerze mit all ihren Einschränkungen festhalten? Und das in einer Zeit, in der jede Frau auf der Strasse in ein Gerät spricht, das über mehr Rechenleistung verfügt als der erste IBM 360. Die Zeit ist reif für einen Wandel: Eines schönen Tages wird ­Chanel sich mit Nokia zusammentun, Philippe Starck mit dem Design eines Prototyps beauftragen und Plug-ins von No. 5, 18, 19, 22 und weiteren ganzen Zahlen auf den Markt bringen.

Luca Turin ist Forschungsleiter bei Flexitral Inc.; er lebt in London.



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