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NZZ Folio 02/09 - Thema: Parallelwelten Inhaltsverzeichnis
Duftnote -- Berühmte Stinker
© Fabienne Boldt
Parfums von Prominenten, sogenannte Celebrity-Perfums, sind noch schlechter als ihr Ruf – mit wenigen, genauer: zwei Ausnahmen.
Luca Turin
Es war vielleicht eher Wunschdenken als nüchterne Überlegung, weshalb ich bisher an der Ansicht festgehalten habe, Celebrity-Parfums seien nicht schlechter als der Durchschnitt, was so viel heisst wie: ziemlich schlecht. Zu meinem Entsetzen musste ich letztens entdecken, wie weit ich danebenlag.
Ein britischer Boulevardjournalist veranstaltete kürzlich eine Riechausstellung aller neueren Exemplare. Es waren durchweg entsetzlich schlechte und zynisch billige Kompositionen in hässlicher Aufmachung – die geschmacklosesten und tristesten Objekte diesseits der Mädchenabteilung eines Spielwarenladens. Ausserdem bekommt man wenig für sein Geld: für 20 in Celebrity-Parfums angelegte Euro erhalten Sie den Gestank eines Weichspülers, für die doppelte Menge Geld bekommen Sie schon das kleinste Flacon von Guerlain – ein Qualitätssprung wie von den Eagles zu Beethoven.
In England sind Celebrity-Parfums unübertrefflich schlecht. Aber schliesslich sind auch die Celebrities nicht mehr das, was sie einmal waren. Ich verstand nie die hochnäsige Herablassung der Gebildeten über den Ruhm von Sportlern, Schauspielerinnen und Entdeckern – immerhin gibt es sie seit der Antike, wir müssten uns inzwischen daran gewöhnt haben. Neu und bemerkenswert ist jedoch die sexuelle Übertragbarkeit von Berühmtheit, als sei dafür irgendeine Spirochäte verantwortlich. Darum bekommen wir es mit den Ehefrauen, manchmal auch -männern der Berühmtheiten zu tun: Fussballer haben Freundinnen, diese Freundinnen haben Namen, diese Namen werden zu Marken, und schon stibitzt eine Dreizehnjährige in Sunderland zwei Zehner aus dem Portemonnaie ihrer Mutter, um sich mit üblen Gerüchen einzunebeln.
Allein, auch dies ist nicht wirklich neu. In vieler Hinsicht sind die Celebrities nur eine moderne Verkörperung des absurden Vorrangs des Adels: völlige Unabhängigkeit von Begabung, Übertragung durch Namen, Aufstieg durch Heirat, sofortige Konvertierbarkeit von Prestige in Geld, automatische Teilnahme am Demimonde. Die Reichen wollen Ruhm, die Berühmten wollen Geld. Man kann darüber streiten, was häufiger vorkommt: dass jemand reich und unbekannt ist oder arm und berühmt. Jedenfalls lässt sich Ruhm leichter in Geld verwandeln als umgekehrt: Denken Sie nur, was Paris Hilton alles durchmachen musste, um den Schritt von stinkreich zu stinkberühmt zu bewerkstelligen. Und wenn Prinz Charles Herzogskekse backen kann, warum soll Wayne Rooneys Freundin nicht ein Parfum herstellen dürfen?
Wenn Sie an solchen Düften riechen und entdecken, dass die einzigen beiden, bei denen es Ihnen nicht den Magen umdreht, von Jennifer Lopez und Sarah Jessica Parker stammen: muss man das nicht als Ausdruck der charmanten Mittelständigkeit der USA werten, wo Stars tatsächlich schauspielern, singen und tanzen können und sich noch eigenhändig um ihr Image und die Produkte mit ihrem Namen kümmern? Auf dieser Seite des Ozeans befassen sich die Berühmtheiten nicht mit solchen Trivialitäten. Es reicht ihnen aus, zu existieren und ab und an wie eine falsche Heiligenreliquie ein kleines Fetzchen ihres Lebens unters Volk zu streuen.
Als der Boulevardschreiberling an seinem Artikel sass, rief er ein weiteres Mal bei mir an: Was ich denn von No. 5 gehalten habe? Vielleicht dachte er, es handle sich um Nicole Kidmans Celebrity-Parfum. Mademoiselle Chanel wäre amüsiert gewesen.
Luca Turin ist Forschungsleiter bei Flexitral Inc.; er lebt in London.
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