Abdul Hashim, Kuala Lumpur, Malaysia,
ist 46 Jahre alt, verheiratet und hat zwei Kinder. Sein Hobby ist Fussballspielen. Er fährt einen Proton Perdana V 6, Jahrgang 2002, Zählerstand 239 104 Kilometer.
Kuala Lumpur hat rund 1,5 Millionen Einwohner und ist die Hauptstadt von Malaysia.
Abdul Hashim verdient im Monat 1500 Franken, davon lebt die vierköpfige Familie. Die Miete für das 4-Zimmer-Reihenhaus beträgt 300 Franken.
Wie viele Stunden pro Woche fahren Sie Taxi?
Meistens beginne ich um sechs Uhr früh und höre abends um neun auf. Ich fahre vor allem Geschäftsreisende aus den grossen Hotels. Die müssen oft früh raus, mieten das Taxi aber gleich für ein paar Stunden.
Wann haben Sie das letzte Mal Ferien gemacht?
Dazu habe ich selten Gelegenheit. Aber gerade vor einem Monat bin ich mit meiner Familie für zwei Tage nach Malakka gefahren. Wir wollten mit unseren Kindern Schildkröten beobachten. Die kamen zwar nicht, aber wir hatten trotzdem einen tollen Tag am Strand.
Wie kam es, dass Sie Taxifahrer wurden?
Ich hatte einen Laden mit Büroartikeln. Aber als die Asienkrise kam, brach die Nachfrage zusammen, und ich musste mir einen neuen Job suchen.
Wären Sie nicht Taxifahrer, was wären Sie dann?
Sobald ich genug Geld gespart habe, möchte ich mich wieder selbständig machen. Ich interessiere mich für Landschaftsplanung. Unser Land befindet sich in einem unglaublichen Umbruch. Kuala Lumpur sieht jeden Tag anders aus. Da braucht es Leute, die das planen.
Welches war Ihre längste Fahrt?
Unsere Lizenz lässt nicht zu, dass wir lange Strecken fahren. Es gibt mittlerweile sowieso keine Langstreckentaxis mehr in Malaysia. Vor ein paar Jahren war das anders, als noch viele illegal Taxi fuhren.
Wie verhalten Sie sich im Stau?
Ich warte. Stau gibt es am Morgen oft in der Innenstadt, denn anders als in Singapur haben wir in der Stadt überhaupt kein Verkehrskonzept. Vor vier Jahren versuchte die Regierung zu propagieren, dass Nachbarn ihre Autos gemeinsam benutzen. Aber das klappte nicht.
Gab es Fahrgäste, die Sie nie vergessen werden?
Eigentlich nicht. Ich hatte nie be-rühmte Leute. Die benutzen kein Taxi, sondern nehmen ihre eigene Limousine.
Wie hoch war Ihr höchstes Trinkgeld?
In Malaysia gibt man normalerweise kein Trinkgeld, deswegen bekomme ich selten mehr als das Wechselgeld. Aber einmal gab mir ein Europäer 37 Franken. Das hat mich sehr gefreut.
Was blieb in Ihrem Taxi schon liegen?
Die meisten Leute vergessen ihre Mobiltelefone. Bei einem Kollegen blieb einmal ein Notebook liegen. Wir geben natürlich alles zurück, denn der gute Ruf ist wertvoll.
Sprechen Sie mit den Fahrgästen?
Ja, man muss doch mit den Leuten freundlich sein, so macht die Arbeit auch mehr Spass. Allerdings kommen immer mehr chinesische Geschäftsmänner, die kein Englisch können. Da müssen wir uns mit den Händen verständigen. Bisher hat das immer ganz gut geklappt.
Wie hoch war Ihre teuerste Busse?
100 Franken, weil ich auf der Autobahn 20 Kilometer pro Stunde zu schnell gefahren bin.
Welches ist der schönste Ort in Ihrer Stadt?
Am schönsten sind die Petronastürme im Stadtzentrum. Darauf bin ich stolz. Mehr noch: Sie sind unsere Nationalidentität. Und auch wenn sie nicht mehr die höchsten Türme der Welt sind: Die schönsten sind sie immer noch.
Was macht in Ihrer Stadt einen guten Taxifahrer aus?
Zum einen muss er sanft fahren können, das ist beim hektischen Verkehr, den wir haben, nicht immer leicht. Und weiter braucht er gute Menschenkenntnis. Er muss abschätzen können, ob die Leute reden wollen oder nicht.
Haben Sie Angst vor Überfällen?
Ja, ich habe von meinen Kollegen schon schlimme Geschichten gehört. Meistens kommen sie zu dritt und bedrohen den Fahrer mit einem Messer. Irgendwo im Grünen nehmen sie ihm Geld und Schlüssel weg und laufen davon.
Wie regeln Sie Ihre Altersvorsorge?
In meiner Taxifirma gibt es keine Altersvorsorge. Ich zahle jeden Monat etwas auf ein Cash-Deposit-Konto ein.
Was würden Sie tun, wenn Sie viel Geld hätten?
Ich würde eine Firma gründen und in Grundstücke investieren. Die Preise steigen sicher noch.
Womit verwöhnen Sie sich?
Mit meiner Familie. Wenn wir Zeit haben, gehen wir alle zusammen essen. Am besten Seafood, denn das ist in Malaysia sehr gut.
Taxameter
Die Grundgebühr beträgt 1 Franken 50, jeder weitere Kilometer 50 Rappen.
Malaysia
Einwohner: 23 Millionen
BIP pro Kopf: CHF 6000
Benzin: 1 l CHF 0.53
Milch: 1 l CHF 1.40
Brot: 1 kg CHF 0.80
Reis: 1 kg CHF 1.10
Coca-Cola: 1 l CHF 1.10
Kinobillett : CHF 3.70
Zigaretten: CHF 2.50
Batikhemd: CHF 7.–
Oliver Zwahlen ist freier Journalist und lebt in Pratteln.