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Hallo Taxi -- Ich bekam als Trinkgeld ein Paar Schuhe
© Manuela Nyffenegger
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| Melchi-Cedeck Mba Sitchangan, Douala, Kamerun |
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Von Manuela Nyffenegger
Melchi-Cedeck Mba Sitchangan, Douala, Kamerun, ist 33 Jahre alt, ledig. Sein Hobby ist Fussballspielen. Er besitzt einen eigenen Wagen, einen Toyota Corolla, Jahrgang 1989. Die Wirtschaftsmetropole Douala mit ihrem Hafen liegt an der Atlantikküste und ist mit rund 1,5 Millionen Einwohnern die grösste Stadt Kameruns. Melchi-Cedeck Mba Sitchangan nimmt im Monat durchschnittlich 780 000 Francs (CFA) ein, das entspricht 1870 Franken. Davon gibt er den grössten Teil für Treibstoff und Unterhalt des Taxis aus. Für seinen Lebensunterhalt bleiben ihm rund 300 Franken. Für das Studio im Hause seines Vaters muss er keine Miete bezahlen.
Wie viele Stunden pro Woche fahren Sie Taxi?
Ich arbeite sechs Tage pro Woche, 14 Stunden am Tag. Am Sonntag gehe ich Fussball spielen, danach in die Kirche.
Wann haben Sie das letzte Mal Ferien gemacht?
Im letzten August verbrachte ich eine Woche im Badeort Limbe, am Meer. Ich gehöre zu den glücklichen Taxifahrern in Douala und kann mir jedes Jahr eine Woche Verdienstausfall leisten.
Wie kam es, dass Sie Taxifahrer wurden?
Eigentlich bin ich gelernter Maler, aber es gibt in Kamerun zu wenig zu tun. Als Taxifahrer war ich erst bei einem Patron angestellt. Ein Jahr lang habe ich eisern gespart, dann konnte ich mit Hilfe meines Bruders ein Auto kaufen. Ich bin mein eigener Patron.
Wären Sie nicht Taxifahrer, was wären Sie dann?
Vielleicht Fussballspieler, ich war früher ziemlich gut. Ich wäre aber auch gern wieder Maler. Die wahre Kunst besteht darin, die Farbe zu komponieren. Um das zu erlernen, habe ich eine Malerschule an der Elfenbeinküste besucht.
Welches war Ihre längste Fahrt?
Ein Franzose wollte den Nationalpark von Waza im äussersten Norden des Landes besuchen. Allein die Hinreise dauerte zwei volle Tage, wir waren insgesamt eine Woche unterwegs und legten über 3000 Kilometer zurück.
Gab es Fahrgäste, die Sie nie vergessen werden?
Mit dem Franzosen habe ich heute noch Kontakt. Ein anderer unvergesslicher Gast ist ein hoher Beamter der Regierung. Ich habe ihn zwei Wochen lang gefahren. Er hat mich sehr gut behandelt und bezahlt, so sind wir Freunde geworden. Wir telefonieren von Zeit zu Zeit, und ich kann mich an ihn wenden, wenn mich zum Beispiel die Polizei bedrängt. Dann ruft er dort an, und man lässt mich, seinen Freund, in Ruhe.
Wie hoch war Ihr höchstes Trinkgeld?
Ich bekam als Trinkgeld ein Paar Schuhe und ein Leibchen.
Was blieb in Ihrem Taxi schon liegen?
Vor ein paar Tagen habe ich eine Frau zum grossen Zentralmarkt in Douala gefahren, wo sie Gewürze und Kräuter verkaufen wollte. Später bemerkte ich, dass sie einen ganzen Sack davon im Auto vergessen hatte. Ich habe sie gesucht – es kann ja sein, dass sie davon ihre Kinder ernähren muss. Sie war überglücklich.
Sprechen Sie mit den Fahrgästen?
Ja, immer. Ich bin offen. Und es macht die Fahrt viel angenehmer.
Wie hoch war Ihre teuerste Busse?
Einmal überfuhr ich das Rotlicht und wurde dafür mit 25 Franken gebüsst. Das entspricht etwa dem, was ich in drei Tagen verdiene.
Welches ist der schönste Ort in Ihrer Stadt? Was kostet die Fahrt dorthin?
Ein beliebtes Plätzchen ist die «Base Elf», eine Promenade ausserhalb der Stadt am Fluss Wouri. Dort hat man einen schönen Blick auf den Hafen von Douala. Vom Zentrum aus kostet die Fahrt dorthin etwa 3 Franken.
Was macht in Ihrer Stadt einen guten Taxifahrer aus?
Ein guter Taxifahrer muss seinen Wagen instand halten können. Zudem soll er trotz dem Verkehrschaos einen ruhigen und sicheren Fahrstil haben, so dass seine Fahrgäste keine Angst vor einem Unfall haben müssen.
Haben Sie Angst vor Überfällen?
Ja. Es passiert recht häufig, dass Taxifahrer ausgeraubt werden und ihnen der Wagen weggenommen wird. Zu gewissen Zeiten und in bestimmten Quartieren nehme ich keine Leute mit.
Wie regeln Sie Ihre Altersvorsorge?
Ich spare für den Bau eines Hauses. Das Land dafür habe ich bereits gekauft. Mein Ziel ist es, zehn Studios zu bauen und sie zu vermieten. Davon werde ich leben, wenn ich nicht mehr fahren kann.
Was würden Sie tun, wenn Sie viel Geld hätten?
Ich würde eine grosse Farm für Schweine und Hühner aufbauen und industrieller Fleisch- und Eierproduzent werden. Die Nachfrage nach Schweinefleisch, nach Eiern oder nach Poulets ist in Kamerun sehr gross, wird aber bei weitem nicht gedeckt. Trotzdem gibt es nicht genügend Farmer, weil ihnen niemand beim Aufbau hilft.
Womit verwöhnen Sie sich?
Am liebsten treffe ich meine Freunde, wir essen, trinken ein Bier und plaudern zusammen.
Taxameter Eine Fahrt bis zu 5 Kilometern kostet 40 Rappen pro Person; das Taxi nimmt unterwegs weitere Gäste auf. Eine private, direkte Fahrt kostet 2 Franken 40; bei Fahrten über längere Distanzen ist der Preis Verhandlungssache.
Kamerun Einwohner: 16 380 000 BIP pro Kopf: CHF 2500 Benzin: 1 l CHF 1.34 Milch: 1 l CHF 1.92 Coca-Cola: 1 l CHF 1.68 Brot: 1 kg CHF 1.20 Reis: 1 kg CHF 1.80 Kinobillett: CHF 4.– Zigaretten: CHF 0.85 Palmöl: 1 l CHF 2.20
Manuela Nyffenegger ist Studentin und lebt in Adlikon.
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