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Hallo Taxi -- Ich bin ein grosser Fan des FC Liverpool
© Plinio Bachmann
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| Habte Frezghy, Asmara, Eritrea |
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Von Plinio Bachmann
Habte Frezghy, Asmara, Eritrea, ist 55 Jahre alt, verheiratet und hat fünf Kinder. Sein Hobby ist der FC Liverpool. Er fährt einen Opel Vectra, Jahrgang 1993, Zählerstand 343 814 Kilometer. Asmara hat 440 000 Einwohner und liegt auf 2350 Metern Höhe im Hochland von Eritrea. Habte verdient im Monat ungefähr 3000 eritreische Nakfa (ERN), das entspricht 258 Franken. Davon lebt die siebenköpfige Familie. Die Miete für die Dreizimmerwohnung beträgt 103 Franken.
Wie viele Stunden pro Woche fahren Sie Taxi?
Ich fahre täglich zehn Stunden, und das an mindestens sechs Tagen. Am Sonntag fahre ich nur den halben Tag.
Wann haben Sie das letzte Mal Ferien gemacht?
Ferien? Wir haben Feiertage. Die christlichen, die heiligen Tage eben. Und natürlich die Nationalfeiertage. Meistens bleibe ich zu Hause, aber manchmal besuche ich meine Mutter. Sie wohnt auf dem Land, 50 Kilometer von hier.
Wie kam es, dass Sie Taxifahrer wurden?
Meine Familie half mir, das Auto zu kaufen. Alle legten zusammen, weil ich sagte: «Ich probier’s als Taxifahrer.» Schliesslich spreche ich Englisch, und das ist sehr hilfreich, wenn man Taxifahrer ist. Abgesehen davon ist der normale Führerschein alles, was man braucht.
Wären Sie nicht Taxifahrer, was wären Sie dann?
Bevor ich Taxifahrer wurde, war ich Oberstufenlehrer. Ich wollte eine Veränderung. Wenn es aber mit dem Taxifahren nicht mehr gut läuft, werde ich wohl wieder unterrichten.
Welches war Ihre längste Fahrt?
Nach Massawa, ans Meer. Das sind 120 Kilometer und 2500 Meter Höhenunterschied. Wenn man auf Sicherheit bedacht ist, dauert die Fahrt drei Stunden. Wenn es eilt, dann geht es auch in zweieinhalb Stunden.
Wie verhalten Sie sich im Stau?
Stau?
Wie hoch war Ihr höchstes Trinkgeld?
Normalerweise gibt es kein Trinkgeld. Manchmal werde ich zum Mittagessen oder zum Kaffee eingeladen, wenn ich jemanden nach Massawa fahre. Das ist mir eigentlich auch viel lieber. Schliesslich werde ich für die Fahrt bezahlt, mehr erwarte ich nicht. Wenn mich aber jemand einlädt, ergibt sich daraus vielleicht eine Freundschaft.
Was blieb in Ihrem Taxi schon liegen?
Eine Kamera. Ich habe die Fahrgäste gesucht, was in Asmara nicht schwer ist. Da ich immer mit dem gleichen Hotel zusammenarbeite, brauche ich nur an der Réception nachzufragen.
Sprechen Sie mit den Fahrgästen?
Natürlich! Meistens fragen sie mich, wie das Wetter sich entwickeln wird, wo dies oder das zu finden ist und wo man Geld wechseln kann. Die Besucher haben immer irgendwelche Fragen, die ich nach Möglichkeit beantworte – fast wie ein Reiseführer. Wenn ich Geschäftsleute fahre, dann fragen sie mich manchmal, ob ich für sie Fotokopien machen kann, während sie eine Sitzung haben.
Wie hoch war Ihre teuerste Busse?
8 Franken 60, weil ich in der Eile ein Rotlicht überfahren hatte. Aber ich habe mich nicht beklagt, der Fehler war ja auf meiner Seite.
Welches ist der schönste Ort in Ihrer Stadt? Was kostet die Fahrt dorthin?
Die Main Street. Dort trifft man viele Leute, trinkt Cappuccino, da ist immer etwas los. Auch wenn man etwas besorgen will, ist man dort am richtigen Ort. Die Fahrt kostet etwa 4 Franken. Eigentlich kostet es immer gleich viel – egal wo man in Asmara hinmöchte.
Was macht in Ihrer Stadt einen guten Taxifahrer aus?
Man muss ehrlich sein. Ehrlichkeit ist das Wichtigste. Der verabredete Preis gilt ohne Diskussion. Und Sicherheit. Die Leute wollen ja heil am Ziel ankommen.
Haben Sie Angst vor Überfällen?
Nein, das gibt es in Eritrea nicht.
Wie regeln Sie Ihre Altersvorsorge?
Eine Rente gibt es nicht, und von meinen Kindern möchte ich nichts erwarten. Also lege ich Geld auf die Seite. Ich glaube, dass ich mir keine Sorgen machen muss. Zwar ist die Situation im Moment eher schwierig, aber wenn der Grenzstreit mit Äthiopien beigelegt ist, gibt es auch wieder mehr Bewegung in Eritrea.
Was würden Sie tun, wenn Sie viel Geld hätten?
Ich würde gerne in Asmara ein Haus kaufen. Asmara ist der schönste Ort, den ich kenne. Ich mag die Bauten aus der Zeit der Italiener, zum Beispiel das Cinema Impero. Und wenn ich dann noch Geld übrig hätte, dann würde ich reisen. Zum Beispiel nach Europa.
Womit machen Sie sich eine Freude?
Ich liebe Sport und bin ein grosser Fan des FC Liverpool. Am liebsten schaue ich Premier League im Fernsehen, all die Mannschaften: Arsenal, Chelsea, Manchester United.
Taxameter Das Auto hat zwar einen Taxameter, aber der wird nie benutzt, da die Preise immer pauschal und im voraus festgesetzt werden.
Eritrea Einwohner: 4 447 400 BIP pro Kopf: CHF 224.– Diesel: 1 l CHF 1.40 Milch: 1 l CHF 0.70 Brot: 1 kg CHF 0.30 Reis: 1 kg CHF 1.70 Coca-Cola: 1 l CHF 0.70 Kinobillett: CHF 2.15 Zigaretten: CHF 1.70 Zibib (Anisschnaps): 1 l CHF 5.–
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