NZZ Folio 07/11 - Thema: Velo   Inhaltsverzeichnis

Vom Fach -- Filmmusiker

Zwei Filmkomponisten treffen sich zum Kaffee. Was reden die da?

Von Pierre Funck

«Gute Session gehabt gestern?»

«Wollte mit Streamern und Punches arbeiten, aber der Regisseur hat das Pic­turelock umgeschnitten. Alle Hitpoints verschoben, und das bei Mickeymousing!»

«Übel.»

«Nur die Sourcemusik konnte ich lassen. So ging’s dann doch nur mit Click.»

«Bin froh, dass mein Film beim Egli ist.»

«Wenigstens die Cues abgenommen?»

«Cues? Der Regisseur will wall-to-wall! In einer Woche ist Mischung, aber die Voice­overs werden immer noch herumgeschoben.»

«Klingt nach Stress. Plastic?»

«Hybrid. Dafür keine Probleme mit Maschinengewehr. Bin jetzt am fünften Layout. Vier Mockups wurden abgelehnt.»

«Hat sich der Regisseur wieder mal in den Temptrack verliebt?»

«Exakt. Läuft auf ein Soundalike raus. Macht null Spass, geht aber schnell.»

«Und zum Clearen haben sie kein Geld!»

Session: Aufnahme. Streamer, Punches: Striche und Kreise, die über den Film gelegt werden, damit der Dirigent sich zurechtfindet. Picturelock: endgültige Schnittfassung des Films. Hitpoint: Moment im Film, der exakt mit der Musik synchronisiert sein muss. Mickeymousing: Komposition, die die Be­wegungen im Film nachbildet wie bei Trickfilmen. Sourcemusik: Musik, die Teil der Handlung ist. Click: Metronom, das den Musikern bei der Aufnahme über Kopfhörer vorgespielt wird.Präzise, aber unmusikalisch. Egli: Name eine Postproduktionsfirma. Cue: Filmmusik-Einsatz. Abnahme: Einverständnis für ein Cue. Wall-to-wall: Musik von Anfang bis Ende des Films. Mischung: Zeitpunkt, wo die fertige Musik über Dialoge und Geräusche gelegt wird. Voiceover: Stimme aus dem Off. Plastic: ­Musik, die nur am Computer produziert wird. Hybrid: Musik, die teils am Computer, teils mit Musikern ­produziert wird. Maschinengewehr: Effekt bei ­com­puterproduzierter Musik, wo wiederholte Noten mechanisch klingen. Layout, Mockup: computerproduzierter Entwurf. Temptrack: bestehendes ­Musikstück, das provisorisch über den Film gelegt wird, damit der Schnitt Rhythmus bekommt. Soundalike: Stilkopie, die sich so sehr ans Original anlehnt wie rechtlich möglich. Clearen: Rechte für die Verwendung eines Musikstücks abgelten.

Pierre Funck ist Filmmusikkomponist; er lebt in Zürich.

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