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NZZ Folio 09/08 - Thema: Traumreisen Inhaltsverzeichnis
Die letzten Abenteuer
© Todd Warnock, New York.
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| Hauptsitz der Entdecker: In diesen Sesseln im Vereinslokal des Explorers Club in New York sassen schon der Mount-Everest-Bezwinger Edmund Hillary und der Mondmensch Neil Armstrong. |
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Sie waren im tiefsten Dschungel, auf dem Mond und unter dem Nordpol – die Mitglieder des New Yorker Explorers Club habenReisen unternommen, von denen wir noch nicht einmal träumen.
Von Peter Haffner
Sie hatte weissblondes Haar, eine Villa in Beverly Hills und eine Vorliebe für Kannibalen. In Papua-Neuguinea war sie welchen begegnet, was ihr fast so gut gefallen hatte wie die Sennen in den Schweizer Alpen, denen sie beim Käsen zuschauen durfte. «Wer hat schon so was erlebt?» fragte sie, zierlich und agil, während wir uns die Häppchen mit den Mehlwürmern, Heuschrecken, Skorpionen und kolumbianischen Ameisen in den Mund schoben, die dem untergelegten Gemüse eine knusprige Note verliehen.
«Vogelspinnen schmecken besser», meinte sie trocken, kippte das Glas Weisswein hinunter, zog sich die Lippen nach und sagte, sie wolle ihre Firma verkaufen, jetzt, da der Mann tot und die Söhne erwachsen seien. Sie war um die sechzig, eine gebürtige Ungarin, passionierte Taucherin und bereit für neue Reiseabenteuer mit dem Explorers Club, zu dessen Jahresversammlung sie ins «Waldorf-Astoria» nach New York gekommen war.
Es war ein feierlicher Anlass. Die Männer, geschmückt mit Schärpen und Medaillen, trugen Frack, Fliege und Zylinder, die Frauen Abendkleid mit tiefem Ausschnitt und wärmender Stola; da und dort blinkte ein Turban, ein Kaftan oder ein Krummsäbel in der Menge. Die dicke rote Schleife, bestätigte ein Herr auf Nachfrage, habe er aus einem Kletterseil selber geknüpft; im Himalaya kenne er sich besser aus als im Dschungel der Grossstadt. Was man von der reizenden jungen Dame nicht sagen konnte, die ihre Leopardenhosen auf einer Expedition in die Modeboutiquen der Fifth Avenue erbeutet haben musste.
So bunt der Eindruck, so weiss waren die Festteilnehmer. Sie schienen einem Fotoalbum der Kolonialzeit entsprungen, wo farbige Völker die Staffage zur Glorie des weissen Mannes bilden. Doch ihr Dünkel ist von anderer Natur: Es sind Leute, die einem auf die Frage, was sie denn so trieben, antworten, sie erforschten «Steinzeitmenschen – aber nicht die im Amazonas, wie das alle machen».
Wie zum Beispiel Kapitän Joel Fogel, ein 64-jähriger weissbärtiger Hüne in weisser Uniform mit Goldtressen und steifer Mütze, die er gerne lüftet, um einem die Stelle zu zeigen, wo Eingeborene ein Loch in die Schädeldecke gebohrt, Perlhuhnfedern hineingesteckt und das Ganze mit einem Wildschweinknochen verkorkt hatten. Damit machten ihn die Mursi zum Stammesmitglied – «Nogolull», der «Mann, der über das Wasser kam». Es war am Omo-Fluss in Äthiopien gewesen; sie hatten sein Gummifloss für ein Nilpferd gehalten, und er war ein halbes Jahr bei ihnen geblieben. Kapitän Fogels rosiges Gesicht glüht wie ein Positionslicht, wenn er von solchen Abenteuern erzählt, und wie all die anderen Nachfahren von Jules Vernes Phileas Fogg im Explorers Club lässt auch er einem kaum Zeit für Fragen. Fünfundzwanzig Kilo verloren, die Malaria gekriegt, halluziniert. Zu Jesus, Buddha und den Göttern des Olymps gebetet. Und sich immer wieder verabschiedet von Frau und Kindern vor dem Aufbruch in jene Sorte Terra incognita, wo der Schutzengel sich weigert, mitzukommen. Man könnte das alles für Seemannsgarn halten, fischte Fogel nicht ein Dokument nach dem anderen aus der Aktentasche, wie etwa die von Präsident Reagan unterzeichnete Ehrenurkunde, die er bekam, weil er von einer Brücke ins Eiswasser gesprungen war und eine Frau aus dem Auto geholt hatte, das in die Tiefe gurgelte.
«Erforschung ist die Poesie des Lebens, Entdeckungsreisende sind die Dichter der Aktion», sagt Fogel, der dem väterlichen Geschäft den Rücken kehrte, nachdem er den Katalog mit den Portraits der Vertreter seiner Kühlschrankfirma durchgeblättert hatte – eine Galerie grauer Mäuse, zu der er nicht gehören mochte. Noch heute verspottet er seinen Primarlehrer, der ihm beschieden hatte, wenn aus ihm je etwas werden solle, müsse er mit der Tagträumerei aufhören. Der Regen hatte gegen die Fenster geklatscht, und der kleine Fogel hatte sich auf den Fluss im Dschungel phantasiert und die blaue Linie auf der Karte mit dem Leben erfüllt, nach dem er sich sehnte.
«Damals begriff ich, dass man träumen muss, wenn man etwas erleben will», sagt er, ergreift mit der weissbehandschuhten Hand den Stock und stelzt mit steifem Bein davon – nicht ohne den Hinweis, dass man ihn in Nebenrollen von Filmen wie «Rocky V» und «Club der toten Dichter» sehen kann.
The Explorers Club ist seit seiner Gründung 1904 in Manhattans vornehmer East Side an der 70. Strasse domiziliert. Rotes Leder, dunkles Holz und ein Dämmerlicht, in dem die Menagerie von Trophäen den Eindruck erweckt, als habe sich hier Indiana Jones zur Ruhe gesetzt. Ausgestopfte Tiere bevölkern die Räume, in denen die Cheminées von Elefantenstosszähnen flankiert sind aus Zeiten, als man noch Grosswild jagen durfte, ohne dass einem Greenpeace das Leben schwermachte.
Eine Vitrine, dem jüngst verstorbenen Himalaya-Bezwinger und Ehrenpräsidenten Edmund Hillary gewidmet, informiert darüber, dass jede britische Expedition seit 1933 mit Ovomaltine ausgerüstet war, während eine nächste eine Ansammlung von Schädeln und Büchern zur Schau stellt mit Titeln wie «Six Came Back». Über der Tür des Vortragssaals hängt der Schlitten der Nordpolexpedition von Matthew Henson und Robert Peary von 1909; Clubmitglieder auch sie aus einer Epoche, die der Epilog zum Zeitalter der Entdeckungen war. Noch gab es Orte, die nie ein menschlicher Fuss betreten hatte. Es waren Clubmitglieder, die das besorgten – Peary am Nordpol, Roald Amundsen am Südpol, Edmund Hillary auf dem Everest, Jacques Piccard und Don Walsh im Marianengraben, Neil Armstrong, Buzz Aldrin und Michael Collins auf dem Mond.
Wer sich heute zu den 3000 Mitgliedern des Clubs gesellen will, muss nicht gerade auf dem Mars gewesen sein, aber schon etwas mehr vorweisen als eine Safari im Masai-Mara-Nationalpark. Man muss von einem Mitglied empfohlen und qualifiziert sein, das heisst Feldforschung geleistet und Orte und Phänomene erkundet haben mit dem Ziel, das Wissen der Menschheit zu mehren. «Mit anderen Worten: Man muss raus aus dem Haus, sich die Hände schmutzig und die Füsse nass machen», sagt Daniel Bennett, der Präsident, der selber an sechs der prestigeträchtigen Flaggenexpeditionen teilgenommen hat, zu denen die Clubfahne mitgenommen wird. Sie war auf den höchsten Bergen, in den dunkelsten Meerestiefen, auf dem Mond und im Weltall.
Die Clubmitglieder, zeigt sich in den Gesprächen, haben früh ihr Leben als Reise verstanden, einen Kindheitstraum wahrzumachen – den von Abenteuer, Gefahr und Erkenntnis. Doch nicht alle sind so auf ihren Trip katapultiert worden wie Catherine Hickson, eine Kanadierin mit eckiger Brille und violetter Strickjacke, die jetzt noch glüht von dem, was ihr am 18. Mai 1980 morgens um 8 Uhr 32 widerfuhr, als ein Berg vor ihren Augen explodierte. Den Ausbruch des Mount St. Helens hatte sie als Touristin erlebt und war mit Glück dem «steinernen Sturm» entronnen, der mit einer Geschwindigkeit von 480 Kilometern pro Stunde Wald und Wild verschlang im Umkreis der Fläche einer Grossstadt. Von einer Sekunde auf die andere war der schneebedeckte Riese wie in Wut entbrannt, kochte, schäumte und spuckte aus, was er im Bauch hatte. Hickson, damals 25, wechselte ihr Studium sofort auf Vulkanologie. «Es war das, worauf ich gewartet hatte – eine Erscheinung», sagt sie, die selber sprudelt wie ein Vulkan, wenn sie ins Erzählen gerät.
Heute gehört Catherine Hickson zu den führenden Vulkanexperten der Welt, sie hat Vulkane in den USA, Südamerika, Island und Neuseeland erforscht und Risikozonen für den Katastrophenschutz eruiert. Als Kind hatte sie Knochen, Käfer und Steine gesammelt, war mit dem Vater auf Jagd und zum Fischen gewesen und hatte davon geträumt, verschwundene Zivilisationen zu entdecken wie die Archäologen in ihren Abenteuerbüchern. Mehr als all dies fasziniert sie heute die Lebendigkeit der unbelebten Materie, die ungeheure Gewalt, die in der Erde schlummert.
Nicht jeder Kindheitstraum beflügelt solche Lebensreisen. Sich ihn zu erfüllen, braucht einen Willen, vor allem da, wo kein Weg ist. Ken Kamler, aufgewachsen in ärmlichen Verhältnissen in der Bronx, träumte vom Bergsteigen, seit er als Achtjähriger auf das Büchergestell seines Vaters geklettert war und einen Band mit dem Titel «Annapurna» heruntergeholt hatte. Ihm eröffnete sich eine Welt, von deren Existenz er nicht gewusst hatte und die er erst Jahrzehnte später erforschen sollte, als er nach einer Karriere als Mikrochirurg Kletterstunden nahm. «Ich wollte nicht eines Tages bedauern müssen, meinen Traum nicht gelebt zu haben», sagt er, eben braungebrannt von den Osterinseln zurück.
In den peruanischen Anden fand Kamler seine Bestimmung, nachdem ein mit Menschen, Tieren und Waren beladener Lastwagen vor seinen Augen in die Schlucht gestürzt war. «Ich hatte nie zuvor auch nur ein Heftpflaster in der Wildnis applizieren müssen», sagt er, «und stand nun vor einer ausgewachsenen Katastrophe als einziger Arzt weit und breit.» Er tat, was er konnte, versorgte ein Dutzend zum Teil schwer Verletzte, blieb bei ihnen solange als nötig, erkletterte dann seinen Berg und erkannte, dass die Befriedigung über seine Rettungsaktion grösser war als die, auf dem Gipfel zu stehen. Aus dem Arzt und Bergsteiger Ken Kamler wurde der Mann, der «Doktor Everest» heisst, seit er im Schneesturm vom Mai 1996, der acht Menschenleben kostete, Überlebende der Expedition behandelte, die Jon Krakauer in seinem Bestseller «Into Thin Air» beschrieb.
Kamler hat Pionierarbeit geleistet in der Medizin der Extreme, ist Fachmann in Fragen, was Hitze, Kälte und Durst mit dem Körper anrichten. Er hat zwei Bücher darüber geschrieben, «Doctor on Everest» und «Surviving the Extremes», und berät die Nasa für ihre Missionen. Einmal hatte er auch seine Kenntnisse als Handchirurg nutzen können; in dem Beruf, den er in seiner Praxis in New York noch immer ausübt. Es war im Regenwald des Amazonas, wo er die nötige Ausrüstung dabeihatte für den Fall eines Krokodilbisses. Auf dem Dschungelpfad war ihm ein Dorfjunge begegnet, der sich mit der Machete die Hand fast abgehackt hatte. Kamler operierte ihn auf zwei als Tisch dienenden Öltonnen im Licht von Taschenlampen, gipste die Hand ein, gab Antibiotika und setzte seine Reise fort. Als er nach einer Woche zurückkam, hatte der Junge den Gips weggerissen und die Antibiotika unberührt gelassen. «Und es ging ihm prima, alles war in Ordnung!» staunt Kamler noch heute.
Daniel Bennett, der 36. Präsident des Explorers Club, war Inhaber einer Firma für Sportkleider und Häusermakler in San Antonio, Texas, bevor er das Amt übernahm. Ein Mann mit dem Enthusiasmus des nie alternden Pfadfinders, will er sich auf die Tradition des Clubs zurückbesinnen, ihn auf eine moderne Geschäftsgrundlage stellen und sich auf das konzentrieren, was heute relevant ist: die Ozeane, die nur zu fünf Prozent erforscht sind und Geheimnisse bergen, die man ihnen erst entlocken muss.
Der Club hat Mitglieder in über sechzig Ländern und Ortsverbände auf der ganzen Welt, doch keinen in der Schweiz. Die demographische Struktur ist ziemlich konstant; das Durchschnittsalter ist 61, gegen 300 Mitglieder jährlich segnen das Zeitliche oder treten aus, ungefähr gleich viele kommen neu dazu. Seit 1981 erstmals Frauen zugelassen wurden, beträgt ihr Anteil etwa einen Fünftel. «Wir haben wenig Junge, weil diese zu beschäftigt sind mit Karriere und Familie», sagt Bennett, der eben selber Vater geworden ist.
Nebenbei betreibt der Club ein eigenes Reisebüro, das Abenteuer-, Bildungs- und Luxusreisen anbietet für Leute, die sich das leisten können und von den begleitenden Fachleuten – Geologen, Zoologen, Botanikern und Anthropologen – etwas lernen wollen. Vom Segeltörn im Mittelmeer für 8480 Dollar über die Südsee-Odyssee für 15 980 Dollar bis zu Schiffsreisen von Japan nach Kamtschatka und Alaska für 30 160 Dollar reichen die Exkursionen, die etwa zehn Prozent der Einnahmen bringen. «All dieses Geld geht in unser Studentenförderprogramm», sagt Bennett. «Wir wollen der nächsten Diane Fossey, dem nächsten Neil Armstrong auf die Sprünge helfen.» Darüber hinaus zieht der Club Leute an, die sich Traumreisen der dritten Art leisten können. Es sei nicht so, wehrt Bennett ab, dass man aktiv um Mitglieder werbe, die die Milliarden auf ihrem Konto nicht mit den Fingern abzuzählen vermöchten. «Aber natürlich sind sie willkommen.»
Wie etwa der Schwede Frederik Paulsen, Gründer und CEO des in der Schweiz domizilierten globalen Pharmaunternehmens Ferring. Paulsen hat die jüngste Flaggenmission des Explorers Club finanziert und selber mitgemacht – ein Unternehmen, das Russlands Präsident Putin zu einem Propagandastunt für die Glorie Moskaus nutzte. Es war am 2. August 2007, als zwei russische Mir-Tauchboote unter dem geographischen Nordpol ins tintenschwarze Dunkel zum Meeresboden vorstiessen. «Mir-1», mit zwei Parlamentsmitgliedern Russlands an Bord, wurde kommandiert vom Clubmitglied Anatoli Sagalewitsch, Chefwissenschafter der Expedition. In «Mir-2», ebenfalls von einem Russen gesteuert, sassen die Clubkameraden Frederik Paulsen und Mike McDowell mit der Clubfahne. Sagalewitschs Männer hatten einen russischen Wimpel mit aus Titan, den sie in 4261 Metern Tiefe in den Meeresboden pflanzten.
Als sie heimkehrten, wurden sie von Präsident Putin empfangen und zu Helden der Russischen Föderation ernannt. Was die Welt beunruhigte, war, dass Russland damit Besitzanspruch auf den halben arktischen Meeresboden erhob. Eine Reihe von Staaten wie Dänemark, die USA und Kanada zogen nach, ist doch die Arktis ein Brennpunkt des Weltinteresses: Die globale Klimaerwärmung wird neue Schifffahrtsrouten öffnen und Bodenschätze wie Öl und Erdgas zugänglich machen.
Paulsen hatte sich eine Traumreise geleistet unter der Fahne des Explorers Club; die «Mir-2» nahm Boden- und Wasserproben, um der Sache wissenschaftliche Seriosität zu verleihen. Die feierliche Rückgabe der Clubfahne am Jahrestreffen in New York wurde indes nicht von allen Clubmitgliedern goutiert. Vor allem nicht von Alfred McLaren, einem ehemaligen U-Boot-Kommandeur der US-Navy, der der Zeremonie fernblieb, in der Sagalewitsch, ein bärtiger Mann mit grosser Brille und sonorer Stimme, eine Clubauszeichnung entgegennehmen durfte.
McLaren hat fast ein Jahr unter dem Eis verbracht und gilt als grosse Nummer in der Arktiswissenschaft. Dass der Plan zur Tauchexpedition von ihm stammte, hatten die Russen verschwiegen. Er und McDowell, ein australischer Reiseveranstalter, hatten Sagalewitsch an Bord geholt, mit dessen «Mir»-Zwillingsbooten sie erst die Wracks der «Titanic» und der «Bismarck» erforschten und filmten – Probeläufe für den Nordpol. Während Jahren hatte der Explorers Club Nordpoltauchgänge in der «Mir» zum Preis von 61 000 Dollar angeboten, doch keine Interessenten gefunden. Als McDowell, der auf zahlungskräftige Touristen aus war, sich mit McLaren verkrachte, übernahmen die Russen die Führung, und Paulsen finanzierte. Beide, Sagalewitsch und McDowell, waren von McLaren in den Club gebracht worden, dessen Präsident er von 1996 bis 2000 war. «Die grössten Egos dieses Planeten», bilanziert er seine Erfahrung, die sich mit dem Nordpolabenteuer bestätigte.
Ein vitaler 75-Jähriger mit kahlem Schädel und einem Hals wie ein Periskop, liess sich McLaren nach dem Festakt anderntags nichts anmerken, als er im Kartenraum des Clubhauses sein eben erschienenes Buch «Unknown Waters» signierte. Als Kommandant des U-Bootes «Queenfish» war er 1970 in geheimer Mission in russischen Gewässern unter dem Packeis unterwegs gewesen und hatte den Festlandsockel Sibiriens erkundet auf der Suche nach U-Boot-Routen für den atomaren Showdown mit der Sowjetunion. Gefahr drohte von überall; Eiskiele unter der Decke behinderten den Weg, einmal landeten sie in einer Sackgasse und drohten einzufrieren. «Ich träume heute noch jede zweite Woche davon», sagt McLaren, ein Mann, der einem gern kumpelhaft zuzwinkert. Am 5. August 1970 war er am Nordpol gestartet – fast auf den Tag genau 37 Jahre bevor ihm die Russen ebenda die Schau stahlen.
All das kümmerte die muntere Ungarin mit der Vorliebe für Kannibalen wenig. Sie huschte durch die Räume, bereit für Abenteuerreisen wohin auch immer, Hauptsache, es gibt Toiletten, was in Afrika, wie sie klagte, einmal nicht der Fall war, schlimmer als in China, wo sie wenigstens Löcher im Boden haben. Sie redete mit diesem und jenem und mit sich selber und war pünktlich da zum High Tea im Trophäensaal, wo sie neben dem ausgestopften Gepard stehen blieb und ihre Finger über das Fell gleiten liess. «Ich will jetzt nicht sagen, dass ich den gern als Mantel hätte», meinte sie träumerisch.
Peter Haffner ist Amerikakorrespondent des «Tages-Anzeiger-Magazins»; er lebt in der Nähe von San Francisco.
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