DIE ZEITEN SIND VORBEI, da Hinz und Kunz schöngeistige Theorien zum mysteriösen Lächeln von Mona Lisa verbreiten durften. Seit Zahnmediziner Artikel publizieren wie «Die Zähne und die klassische und zeitgenössische Malerei» (Actualités Odonto-Stommatologies, Vol. 35, S. 631-651), worin unter anderem «die Gründe für das Fehlen und die Ungenauigkeit der Zähne» in der Malerei untersucht werden, muss jeder Kritiker von Leonardo da Vincis berühmtestem Werk mindestens ein Studium in Kieferorthopädie nachweisen. Gioconda hat nichts mehr zu lächeln. Im Fachartikel «Mona-Lisa-Syndrom: die Lösung des Rätsels um das Lächeln der Gioconda» (Annals of Otology, Rhinology and Laryngology, Vol. 35, S. 631-651) erklärt der Autor die verzückte Mundstellung von Mona Lisa mit einer «Kontraktur der Gesichtsmuskulatur, die sich nach einer Bell-Lähmung entwickelt, wenn sich der Gesichtsnerv nach einer partiellen Waller-Degeneration wieder regeneriert hat». Noch unromantischer ist die zeitliche Ferndiagnose eines amerikanischen Zahnarztes in «Mona Lisa: das Rätsel des Lächelns» (Journal of Forensic Sciences, Vol. 37, S. 1706-1711). Er hat unter der Lippe eine Narbe gesichtet und ist sicher, dass die berühmte Mundstellung die Folge von ausgeschlagenen Zähnen ist.