NZZ Folio 07/04 - Thema: Eskimo   Inhaltsverzeichnis

Spektrum der Wissenschaft -- Bückling am Bildschirm

Von Reto U. Schneider

WER REGELMÄSSIG seinen Computer anfleht, seinen Bildschirm schlägt, seiner Festplatte droht, weiss, dass die hartnäckige Neigung des Menschen, unbelebter Materie Persönlichkeit zuzuschreiben, sich auch auf elektronische Geräte erstreckt. Das Phänomen ist der Wissenschaft nicht entgangen. Sie fragt: «Sind Befragte höflich zu Computern? Soziale Erwünschtheit und direkte Antworten am Computer» (Journal of Applied Social Psychology, Vol. 29, S. 1093–1110), «Sind Computer geschlechtsneutral? Geschlechtsstereotype Reaktionen auf Computer» (Journal of Applied Social Psychology, Vol. 27, S. 864–876).

Die Antworten: Erstaunlicherweise sind wir tatsächlich höflich zu Computern. Dreissig Probanden beurteilten die Leistung eines Computers deutlich positiver, wenn sie die Evaluation an seinem Bildschirm vornahmen, als wenn sie ihr Urteil an einem anderen Computer eintippten oder von Hand auf ein Blatt Papier schrieben. Die Versuchspersonen hatten offenbar Hemmungen, dem Computer ihre Meinung direkt in den Bildschirm zu schreiben.

Computer sind nicht geschlechtsneutral. Wenn sie die gleichen Anweisungen mit einer Männerstimme und einer Frauenstimme erteilen, werden sie mit der Männerstimme als signifikant kompetenter und freundlicher eingestuft – sowohl von Männern als auch von Frauen.




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