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NZZ Folio 01/08 - Thema: Jung und jüdisch Inhaltsverzeichnis
Duftnote -- Das beste Parfum aller Zeiten
© Fabienne Boldt
Von Luca Turin
Ungeachtet aller Marktgesetze erklärte ich Shiseidos Nombre Noir 1994 für das beste Parfum aller Zeiten. Etwa zur selben Zeit spazierte eine Freundin mit meinem letzten Flacon von dannen. Dann nahm Shiseido den Duft vom Markt und vernichtete sämtliche Lagerbestände – und die Stunde der Sammler schlug. Bei einer Ebay-Auktion liess ich beim absurden Preis von 800 Dollar einem Schweizer Bieter den Vortritt. Meine gesamte Habe beschränkte sich auf ein paar verbliebene Tropfen Eau de toilette, das noch dazu schlecht gelagert worden war.
Schliesslich gab ich auf. Da überschwemmten mich nach zwölfjähriger Dürre letzte Woche zwei Freunde mit so viel Nombre Noir, dass es auch fürs Jenseits reichen dürfte. Der erste hat mir grosszügig einen Teil seines Bestandes überlassen, abgefüllt in einen schmucklosen Zerstäuber. Der zweite heisst Evan Izer. Er lebt in einem makellosen Loft in Brooklyn, in dem er im Lauf der Jahre unzählige Objekte angehäuft hat, die meisten davon aus den 1950ern – nichts Prätentiöses, alles grundsolide, ein jedes eine Verkörperung der hoffnungsfrohen Erhabenheit grossen Designs.
Evan ersteigert alte Parfums bei Ebay – nicht wie ein Anfänger um des Nervenkitzels willen, nicht wie ein satter, reicher Connaisseur, weder auf der Suche nach Raritäten noch aus Liebe zu den Flacons, sondern einzig und allein, weil das in diesen Fläschchen gefangene Genie die Luft, die er atmet, unendlich verschönt.
Er gibt nie grosse Beträge aus; ja fast jeden seiner Schätze hat er für einen geradezu lachhaften Preis gekriegt. Wie ein erfahrener Waidmann nutzt er seine Jagdgründe aus, indem er Suchwörter wie Gueblain (falsch gelesen statt Guerlain) oder Hicky (vertippt statt Jicky) eingibt, die unachtsamen und unerfahrenen Verkäufern unterlaufen. Neulich lud er mich zum Tee ein, den er in einem wunderbaren schwarzen Wedgwood-Service servierte, das er im Laufe eines Jahrzehnts zusammengetragen hatte, und erzählte von seinen Errungenschaften, als seien sie auf rätselhafte Weise, gleichsam schlafwandlerisch bei ihm aufgetaucht.
Zuerst zeigte er mir eine riesige Kristallflasche: vier Unzen Emeraude aus den 1950ern, zum Preis von 60 Dollar gekauft. Nach langem Schweigen verriet er mir überraschend, dass er im Besitz von vier ungeöffneten Originalflacons Nombre Noir sei, je eine halbe Unze. Er sagte «vier», als handle es sich dabei um Hamster, über deren ungezügelte Vermehrung man sich ernstlich Sorgen machen muss.
Sein Schatz stammte aus dem Souterrain eines Hauses in den Vereinigten Arabischen Emiraten, das klimatisiert gewesen sein muss, denn der Duft ist perfekt erhalten. Evan schenkte mir eine und tat gnädigerweise so, als wüsste er nicht, wie viel sie mir bedeutet. Es sind die bunten Glasfenster der Sainte-Chapelle in Paris in flüssiger Form.
Luca Turin ist Forschungsleiter bei Flexitral Inc.; er lebt in London.
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"The Emperor of Scent" von Chandler Burr ist eine spannende Darstellung von Leben und Arbeit Luca Turins, der eine faszinierende Theorie entwickelt hat, wie unser Geruchssinn eigentlich funktioniert.
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Interview mit Luca Turin
NZZ-Format, das Fernsehmagazin der NZZ, hat im November 2006 einen Special zum Thema Parfum ausgestrahlt. Die Sendung ist auf DVD erhältlich und enthält als Bonusmaterial unter anderem ein Interview mit Luca Turin (in Englisch).
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