WENN COMPUTER Übersetzer spielen, wirken sie immer ein wenig arrogant. Eine tief im Dunkel völliger Sprachlosigkeit tappende Ansammlung von Algorithmen versucht, den Sinn der Worte zu klauben, ohne ihn zu verstehen. Das liest sich, nach einmal Englisch und retour, wie zur Strafe dann so: «Tief klauben eine Aufspeicherung von Algorithmen, tastend suchend in der Schwärzung komplettes Sprachlosigkeit, versucht die Richtung der Wörter.»
Das Lachen wird uns schon noch vergehen. Wenn Thema und Gebiet eng genug umrissen, die Sätze kurz und die Vokabeln von der robusten, eindeutigen Sorte sind, dann können Computer durchaus ihren Übersetzer stellen. Wie es aber ist, wenn der Input aus der grossen, weiten Welt kommt, zeigt im Internet Alta Vistas Online-Service «Babelfish», wo nicht nur beliebiger Text, sondern jede Web-Seite auf Knopfdruck kostenlos in Orakelsprüche transponiert wird: «Monopolzerschläger Wahrscheinlich Zum Gehen Nach INTEL»; «Hackers Erklären -ber Sicherheit Elende»; «Geheimer Service Gekämpfte Prüfspitze Früh». So sieht der «Babelfish» die Titelseite der «Los Angeles Times». Und wir sehen es gerne, ein paar Fähigkeiten übrig zu haben, die sich nicht in Maschinen einbauen lassen. Für automatische Übersetzer ist die Sprache in erster Linie ein Schloss, das geknackt sein will. Was aber bedeutet ein Wort wie «Schloss»? Ist es etwas zum Sperren, oder kann man darin wohnen? Bringt hier gar eine dritte Person die Vergangenheit ins Spiel?
Die Maschine hat den passenden Schlüssel niemals parat, immer muss sie ihn erst mühevoll suchen. Bis aufs kleinste Lexem wird alles, was linguistisch der Fall ist, hundert- und tausendmal geprüft. Sämtliche Stücke aus dreissig Jahren Forschung werden gespielt, trotzdem kommt immer wieder einmal eine Lachnummer heraus. Im digitalen Zirkus spielen Übersetzungsprogramme die Rolle der Clowns.
«Translation Fun» heisst folglich der neueste Internet-Partyservice, den der «Alta Vista Language Transmorgrafier» in Form einer Juxseite zur Verfügung stellt. Dort kann man Texte durch eine ganze Serie von «Babelfish»-Übersetzungen jagen: So wird zum Beispiel aus «Wilhelm» «Guillermo», aus «Tell» «Sagen», aus «Sagen» «Märchen», aus «Märchen» «Legenden». «Ihr Wilhelm Tell» verwandelt sich am Ende in «Die relative Legende von Guillermo», was man absolut geniessen kann, wenn der Sternhagel voll ist.