NZZ Folio 08/08 - Thema: Was wäre wenn . . .   Inhaltsverzeichnis

Gewinnertext des Leserwettbewerbs: "Was wäre, wenn Tell seinen Sohn getroffen hätte?"

© Sibylle Heusser und Marcus Mos...
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Der Gewinner unseres "Was wäre, wenn..."-Leserwettbewerbs ist Stefan Schwager aus Gümligen mit seiner alternativen Schweizergeschichte. Darüberhinaus finden Sie hier 14 weitere Texte, die wir zur Publikation im Internet ausgewählt haben.


Die Augustausgabe des Folios ging der Frage nach, wie die Welt heute aussähe, wenn in der Vergangenheit etwas anders gelaufen wäre. Unser Aufruf, eigene «Was wäre, wenn…?»-Geschichten einzusenden, hatte grosse Resonanz: Über 200 Texte sind eingegangen.

Angesichts der freien Themenwahl waren wir überrascht, wie viele Autoren ähnliche Motive behandelten, allen voran die Schöpfung. Mehrmals biss anstelle von Eva Adam in den Apfel, und einmal liess Gott Gnade vor Recht walten, und die beiden durften im Paradies bleiben.

Als ähnlich populär erwies sich die Abschaffung von Erfindungen. Da wurde eine Welt ohne Fernsehen entworfen, ohne Handys, ohne Buchdruck – mit der unvermeidlichen Folge, dass es kein Folio und auch keinen Wettbewerb gegeben hätte. Mehrere Einsender benutzten die Gelegenheit auch, um auf beeindruckende Weise über ihr persönliches Schicksal nachzudenken. Was wäre, wenn ich keinen Tumor hätte? Wenn sich meine Eltern nicht hätten scheiden lassen?

Zu den existentiellen Fragen des menschlichen Daseins drangen die Fussballfans vor: Was wäre, wenn Belize die WM 2006 gewonnen hätte? Wenn Marco Streller den Penalty gegen die Ukraine an der WM 2006 verwandelt hätte?

Einige Texte kamen offensichtlich auch unter sanftem Druck eines Lehrers zustande. Anders kann man sich Themen wie: Was wäre, wenn es keine Schulen gäbe? Wenn mir kein Thema in den Sinn kommen würde? kaum erklären.

Aus diesem Füllhorn an Originalität einen Sieger zu küren, war nicht einfach. Viele Texte wären in Frage gekommen. Wir haben uns schliesslich für die Schweizer Geschichte von Stefan Schwager aus Gümligen entschieden. Sie finden Sie im Anschluss an diesen Text, wie auch 14 weitere Texte, die uns besonders gefallen haben.


Wenn Wilhelm Tell seinen Sohn getroffen hätte

Von Stefan Schwager

Bloss ein paar Zentimeter. Hätte dem Tell die Hand gezittert, das Auge getränt, oder wäre der Waltherli nicht ganz ruhig gestanden -  die Schweizer Geschichte hätte aufgehört, bevor sie begonnen hatte.

Wie ein Lauffeuer verbreitete sich die Geschichte vom schrecklichen Ereignis, das sich im Urnerland zugetragen hatte. Seinen eigenen Sohn hat der Tell erschossen. Die Gefolgsleute des Vogtes schafften es, die Berichte über die Schreckenstat so zu drehen, dass der Tell als alleiniger Schuldiger erschien. Er hatte in gottloser Selbstüberschätzung Unheil über sich, seine Familie und seine Talschaft gebracht.

Von den Kanzeln wurde Besonnenheit, Gottesfurcht und Respekt vor der herrschenden Ordnung gepredigt, und das schockierte Volk fiel in einen Zustand zermürbender Ohnmacht, so wie wenn im Winter die Lauinen Haus und Hof zerstörten oder der Feuerteufel die Scheunen und Ställe anzeuselte. Jegliche Aufmüpfigkeit war weggefegt; Stille, Frömmigkeit und Genügsamkeit machten sich breit.

Waffentragen und Schiessen waren fortan verpönt im Alpenland. Friedfertigkeit galt als die höchste Tugend. Auch als später in anderen Gegenden Schiessvereine entstanden und das Militärische im Schwange war, blieben die Urschweizer bei ihren Vorlieben - dem Singen des Alpsegens und dem Zwiegespräch mit ihrem Vieh und mit der Natur.

Durchreisende Fremde verbreiteten Geschichten über die friedlichen Bergbewohner und die mystische Ruhe, die sie ausströmten. Immer mehr Herrscher wollten auch etwas davon und heuerten aus den Innerschweizer Talschaften Gottesmänner, Sänger und Dichter an.

Während andere Volksgruppen sich auf den Schlachtfeldern hervortaten, prägten die "Fremdarbeiter" aus der Innerschweiz Glauben und Kultur in ganz Europa. Bald hatte jede Familie Verwandte, die in der Fremde gutes Geld verdienten und, ebenso wichtig, das gottesfürchtige und friedliche Bild der Innerschweiz verstärkten. Gleichwohl war es überraschend, als 1484 nach dem Tod von Papst Sixtus IV. das Kardinalskollegium den aus Gurtnellen stammenden Heinrich Furger, einen entfernten Verwandten Wilhelm Tells, zum Nachfolger erkor. Indem sich dieser den Namen Gualtierus I. zulegte, trug er entscheidend dazu bei, dass nach fast 200 Jahren Unterbruch in der Gegend wieder Knaben auf den Namen Walther getauft wurden.

Zum Dank, dass er die sich anbahnende Krise im Keim erstickt hatte, durfte Gessler wieder heim ins Stammland, endlich weg aus dem engen Bergtal mit dem stetigen Kopfwehföhn. Am Hof wurde er als verschlagener Manipulator mehr gefürchtet als wertgeschätzt. Im heute nicht mehr sehr gebräuchlichen Wort "gesslern" (jemandem zum eigenen Vorteil eine unlösbare und unmoralische Aufgabe geben) lebt der Vogt fort.

Und die Innerschweizer? Sie sind noch immer omnipräsent in der (katholischen) Welt. Mit untrüglichem Gespür für das Urtümliche pflegen sie die zeitlosen Traditionen. Urner Meditation und Obwaldner Friedensfasten werden heute ebenso wie das weltlichere Schwyzer Alpsingen von Millionen von Menschen auf der ganzen Welt praktiziert - Waltherli sei's gedankt.


Wenn Adam in den Apfel gebissen hätte

Von Roland Aegerter

Bekanntlich war es die listige Schlange, die das Weib zum Verzehr der verbotenen Frucht aufforderte: "Esst nur, dann gehen euch die Augen auf und ihr werdet wie Gott sein und wissen, was gut und böse ist!" So verlockend die Sache auch war, sosehr das Weib innerlich auch hin- und hergerissen war, es blieb standhaft.

Mitgenommen von der seelischen Tortur berichtete das arme Geschöpf dem Manne von der durchlittenen Versuchung. Dieser hörte mit offenem Munde zu, stand dann auf, ging zum Baum in der Mitte des Gartens und biss kurzerhand in die verbotene Frucht. Darauf packte er das Weib fest am Rumpf und hielt ihm den angebissenen Apfel so lange vor die Nase, bis es dem Duft erlag und seine Zähne ins Fruchtfleisch haute. Da gingen den beiden die Augen auf, und sie wurden gewahr, dass sie nackt waren.

Als der Herr die Missetat erkannte, sprach er zum Weib: "Was hast du getan?" Es antwortete: "Der Mann, aus dessen Rippe ich stamme, hat mich verführt." Da sprach der Herr zum Manne: "Mit Schmerzen sollst du deine Kinder zeugen! Nach dem Weibe wirst du verlangen, sie aber soll deine Frau sein!" Und der Herr verwies den Menschen aus seinem Garten.

Fortan war der Mann ein gepeitschtes Wesen: Zwar trieb es ihn mit elementarer Kraft zum Weibe hin, doch konnte er sich nur unter unmenschlichen Qualen Befriedigung verschaffen. Der Frau hingegen bereitete das Gebären grosses Entzücken. Weibliche Empfängnispenetranz und männliche Kopulationsambivalenz bildeten über Jahrtausende die Reibungsfläche, die das Zusammenleben der Geschlechter prägte.

Erst die moderne Fortpflanzungsmedizin linderte des Mannes Geissel: Mittels Kaiserpunktion kann heute die gefürchtete Ejakulation umgangen und die Zeugung ins Reagenzglas verlegt werden. Lifestyle-Medikamente bekämpfen zuverlässig sowohl unerwünschte Gefässerweiterungen wie auch anstössige Phantasien. Allerdings gewinnt mit dem technischen Fortschritt eine ethische Frage zunehmend an Brisanz: Dürfen wir verhindern, was wir wollen sollen, aber nicht wollen wollen?

Spätestens seit Oswald Kolles epochalem Werk "Zeugungsschmerz und Liebe" ist auch im Okzident ein offener Diskurs über maskuline Sexualnöte möglich. Parallel zu dieser gesellschaftlichen Enttabuisierung entstand eine gigantische Enterotisierungsindustrie: Permanente Sportübertragungen lenken die männliche Triebbefriedigung auf schmerzfreie Bereiche. Palliative Hardcore-Produktionen, in denen sich vermummte Autos Verfolgungsjagden liefern, verschaffen dem starken Geschlecht hemmungslose Enthaltung. Und die Markteinführung der jüngsten Handygeneration, deren Geräte standardmässig mit Desensibilisierungsklingeltönen ausgerüstet sind, hat selbst die laszivsten Kulturpessimisten verstummen lassen.

Aber allen Errungenschaften der Moderne zum Trotz bleibt das männliche Dasein im heideggerschen Sinn ein umschmerztes. Nicht auszudenken, wie die Welt von heute aussehen würde, wäre die Eva im Paradies der Versuchung der Schlange erlegen!


Wenn Roosevelt drei Jahre länger Präsident gewesen wäre

Von Helmut Knolle

Franklin D. Roosevelt ist der einzige Präsident der USA, der für eine vierte Amtszeit gewählt worden war. Aber er starb am 12. April 1945, nur 63 Jahre alt, und Harry S. Truman wurde sein Nachfolger.

Der Zweite Weltkrieg ging seinem Ende zu. Schon war Deutschland bis auf Berlin von alliierten Truppen besetzt, und Japan war so geschwächt, dass der Einsatz der Atombombe nicht nötig gewesen wäre, um den Krieg im Fernen Osten zu beenden.

Welchen Weg wäre die amerikanische Aussenpolitik in der Nachkriegszeit gegangen, wenn Roosevelt bis Ende 1948 regiert hätte? Wäre es auch dann zum Kalten Krieg und zum atomaren Wettrüsten gekommen?

Roosevelt hatte sein Land aus der anhaltenden Wirtschaftskrise nach dem Börsenkrach von 1929 herausgeführt. Sein innenpolitisches Programm des New Deal ging einher mit der Herstellung normaler Beziehungen zu dem Staat, den seine Vorgänger erbittert bekämpft hatten. Die schreckliche Erfahrung der Weltwirtschaftskrise empfahl ihm Handelsbeziehungen mit der planwirtschaftlichen Sowjetunion als Mittel, um die Krisen der Marktwirtschaft zu dämpfen. Die Anti-Hitler-Koalition war deshalb nicht nur eine temporäre Antwort auf die Bedrohung durch den deutschen und japanischen Imperialismus, sondern sollte im Frieden zu einer wirtschaftlichen Partnerschaft umgeformt werden.

Der Präsident der amerikanischen Handelskammer verbrachte im Sommer 1944 acht Wochen in der Sowjetunion und konnte dort die Industrieanlagen ohne jede Einschränkung besichtigen. Stalin erklärte ihm in einem langen Gespräch sein Interesse an Rohstoffexporten und Importen aus der Schwerindustrie, und amerikanische Banken bereiteten die Bildung eines Konsortiums zur Finanzierung des Handels mit der Sowjetunion vor. Diese hatte sich in Jalta verpflichtet, drei Monate nach der Kapitulation Deutschlands in den Krieg gegen Japan einzutreten. Das hätte demnach am 8. August geschehen sollen, und es geschah auch. Aber Truman befahl, ohne die ersten Operationen der Roten Armee gegen Japan abzuwarten, den Abwurf der Bomben auf Hiroshima und Nagasaki (6. und 9. August).
Das war für die sowjetische Führung der handgreifliche Beweis dafür, dass sich der Wind in Washington gedreht hatte. In den folgenden Monaten tat Stalin alles Erdenkliche, um das Bündnis mit den USA doch noch zu retten. Auf amerikanischen Wunsch liess er die Rote Armee, die bereits die Japaner aus Nordkorea vertrieben hatte, am 38. Breitengrad anhalten, obwohl die US-Truppen noch nicht in Korea gelandet waren. Deshalb schrieb damals die "New York Times" (27. 9. 1945), dass "die Sowjetunion nicht den Charakter eines im wesentlichen dynamisch-expansionistischen Staates hat". Erst als Truman und sein Aussenminister Byrnes die Konfrontation suchten, wurde die sowjetische Führung nervös und schlug ihrerseits auch aggressive Töne an.

Mit Roosevelt als Präsident wäre vielleicht die Atombombe nie eingesetzt worden, die USA und alle anderen Industriestaaten hätten ihre Atomforschung der Kontrolle der Uno unterstellt, und es hätte weder ein atomares noch ein konventionelles Wettrüsten gegeben. Aus den vier Besatzungszonen in Deutschland wäre bald ein einziger demokratischer, aber neutraler und entmilitarisierter Staat hervorgegangen. Die sowjetische Führung hätte in den folgenden Jahrzehnten ebenso kooperativ agiert wie in der Weltkriegskoalition. Die USA hätten den sozialen Fortschritt, den eine sowjetfreundliche Regierung nach Afghanistan brachte, anerkannt und den islamischen Fundamentalisten, die die Knechtschaft der Frau wieder einführen wollten, keine Waffen gegeben. Osama bin Laden hätte in Afghanistan keine Zuflucht gefunden, und es hätte nie einen Angriff auf das World Trade Center gegeben. Ob der Sozialismus in Osteuropa und Russland sich anders entwickelt hätte und heute noch existieren würde? Darüber zu spekulieren, überlasse ich den Lesern und Leserinnen.

Anmerkung:

Der obige Beitrag stützt sich auf die folgenden Werke von amerikanischen und westdeutschen Historikern:
Alperovitz, Gar. Hiroshima. Die Entscheidung für den Abwurf der Bombe (aus d. Engl.), Hamburg 1995
Williams, William A. Die Tragödie der amerikanischen Diplomatie (aus d. Engl.). Frankfurt a. M. 1973
Cumings, Bruce. The Origins of the Korean War. Vol. 1. Princeton 1981
Loth, Wilfried. Die Teilung der Welt. Geschichte des Kalten Krieges 1941-1955. München 2000
Klessmann, Ch. Die doppelte Staatsgründung. Deutsche Geschichte 1945-1955. Bonn 1986
Wilfried Loth macht für die dramatische Verschlechterung der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen in den Jahren 1945 bis 1947 eine "reaktive Mechanik" verantwortlich, d. h. eine Kette von Missverständnissen auf beiden Seiten, die das gegenseitige Misstrauen immer mehr anwachsen liessen. Er kommt jedoch zu dem Schluss:
"Den entscheidenden Anstoss zur Eskalation des Konflikts gaben die USA, ... , und sie waren es auch, die, strukturell und in ihren Machtmitteln ihrem Gegenspieler ständig weit überlegen, den Konfliktverlauf stärker bestimmten als jede andere Macht."


Wenn Lenin Hitler getroffen hätte

Von Christoph Zehntner

Schon auf der Flucht vor der russischen Geheimpolizei hinter die Grenze, nach Finnland, trug Lenin die Idee mit sich, einen Künstler der Revolution aufzubauen. Wenige Monate später in Genf hörte er von einem jungen Maler in Wien. Dieser sei zwar nicht an die dortige Kunstakademie aufgenommen worden, wurde Lenin vertraulich zugetragen, doch gerade darum könnte er sich hervorragend zum Künstler der Revolution eignen.

Lenin besuchte Hitler in seinem Atelier, das gleichzeitig auch Küche, Schlafzimmer und Wohnstube des jungen Malers war, ein Zimmer, fünf auf fünf Meter, spärlich möbliert, in Wien. Hitler überzeugte Lenin allein durch seine Person, so dass er kaum einen Blick auf eine seiner Zeichnungen und Bilder werfen musste, um zu wissen: Das ist mein Mann. Er schlug ihm vor, ihn zum Künstler der Revolution aufzubauen. Hitler zeigte sich nach kurzem, kaum wahrnehmbarem Überlegen mit Lenins Vorschlag einverstanden.

Lenin stand zu seinem Versprechen, und Hitler illustrierte von Beginn weg die von ihm herausgegebene "Prawda" mit kleinen, revolutionären Federzeichnungen. Im Frühjahr 1916 zog er zu seinem Förderer nach Zürich, und in der Schweiz entdeckte er Albert Anker für sich. Er würde sich zukünftig an Ankers Motiven orientieren.

Lenins Familienvermögen war zu dieser Zeit längst verbraucht, und er wurde in seinen revolutionären Bestrebungen mit finanziellen Mitteln aus Deutschland unterstützt. Mit ihm, beziehungsweise durch ihn, auch Hitler. Kaiser Wilhelm II., oder - um ganz genau zu sein - die deutsche Oberste Heeresleitung, ermöglichte Lenin und Hitler, unter den russischen Kriegsgefangenen Propaganda zu machen, und liess nach der Februarrevolution 1917 beide zusammen in einem versiegelten Eisenbahnwagen aus der Schweiz durch Deutschland nach Schweden reisen. Von dort ging es weiter nach Russland. Hitler hatte unter den Kriegsgefangenen vor allem Postkarten mit züchtigen Frauenakten verteilt, jetzt, in Russland, malt er wie besessen. Vor allem für den deutschen Markt.

Seine Bilder sind in Deutschland sehr gefragt. Er zeichnet sie mit dem Pseudonym Adolf Anker, denn dass es sich bei ihm um Lenins Künstler der Revolution handelt, soll in Deutschland möglichst lang geheimgehalten werden.

Zur Zeit der Hyperinflation malt Hitler Geldscheine. Er weigert sich, Leo Trotzki zu porträtieren. Er malt jetzt vor allem Brot und Wein und Berge von Fleisch. Lenin erleidet derweil diverse Schlaganfälle.

Die Höhe seines Erfolgs erlebt Hitler in der Sowjetunion nach Lenins Tod unter Stalin. Doch nur für ganz kurze Zeit wird er als grösster Künstler der Revolution aller Zeiten gefeiert. Ein von Stalin bei ihm bestelltes Portrait gefällt nicht.

Er habe in einem Lager in Sibirien an einem Buch mit dem Titel "Mein Kampf" geschrieben. Doch das ist lediglich ein Gerücht. Er war plötzlich verschwunden, als hätte es ihn nie gegeben. Und er sollte nie mehr auftauchen.


Wenn die Pille nie erfunden worden wäre

Von Ursula Christen

Das Bundesamt für Statistik meldet: Die durchschnittliche Geburtenrate liegt bei 4,7 Kindern pro Frau.
Die Lebenserwartung ist weiter gestiegen: auf 80 Jahre für Frauen und 75 für Männer.
Die Säuglings- und Kindersterblichkeit beträgt 7 Prozent, wobei es sich in den meisten Fällen um versteckte Kindestötungen handelt.
Das Bevölkerungswachstum in der Schweiz beträgt wie im vergangenen Jahr 25 Prozent. Es wäre noch höher, hätte man nicht mit der vom Volk angenommenen SVP-Initiative 700 000 Ausländer ausgewiesen und hätte nicht die Zahl der Auslandschweizer um 10 Prozent zugenommen.
Die Schweizer Familien sind sehr stabil, nur jede 70ste Ehe wird geschieden, meist aufgrund eines Fehlverhaltens der Frau. 92 Prozent aller Frauen und 94 Prozent aller Männer heiraten, Frauen durchschnittlich mit 16,1 Jahren, Männer mit 18,5.
98 Prozent aller Kinder sind legitim, nur 2 Prozent sind Bastarde, oft von skandinavischen Einwanderern.

Das BAP schreibt in seinem Jahresbericht: Trotz verstärkten Kontrollen und rigiden Strafen wurden im vergangenen Jahr 77 Säuglinge und 41 Kleinkinder ausgesetzt. 307 Kinder starben als Folge von elterlicher Erziehungsgewalt, Hunger und Vernachlässigung.
Gewalt gegen Ausländer und Homosexuelle hat weiterhin zugenommen. Im vergangenen Jahr kam es zu 125 rassistisch motivierten Tötungsdelikten und 86 Morden an Homosexuellen.

Sektiererische Untergrundorganisationen rekrutieren junge, arbeitslose Männer für paramilitärische Zwecke. Die Polizei konnte im letzten Jahr drei dieser Organisationen mit mehr als 7000 Mitgliedern zerschlagen.

Die Gefängnisse sind massiv überbelegt. Obwohl die minimale Zellengrösse an die internationalen Standards von einem Quadratmeter pro Häftling angepasst und die vorzeitige Freilassung therapiewilliger Sexualstraftäter eingeführt wurde, besteht eine lange Warteliste für den Strafantritt.

Das Staatssekretariat für Wirtschaft, Seco, berichtet: Die Arbeitslosenrate liegt bei 30 Prozent. Besonders Jugendliche nach der Ausbildung finden kaum eine reguläre Anstellung und müssen sich damit zufriedengeben, als Hilfskräfte einer Beschäftigung nachzugehen. Die Lohnschere zwischen Alten und Jungen sowie zwischen Ausgebildeten und Nichtausgebildeten geht weiter auseinander. Dies ist verheerend, weil sich kaum eine Familie die Ausbildung von mehr als zwei Söhnen leisten kann. Veränderungen werden sich einstellen, wenn nächstes Jahr das Gesetz über die Verwandtenunterstützungspflicht für Neffen und Cousins zum Tragen kommt.

Sexualforscher haben herausgefunden: Die meisten Ehepaare verhüten mit Coitus interruptus und mit der Temperaturmethode. Frauen stillen Kleinkinder oft bis zum Schuleintritt, um damit eine weitere Schwangerschaft zu verhindern. Da alle diese Methoden nicht sicher sind und Männer sich nach wie vor nur ungern unterbinden lassen, nehmen Sexualprobleme zu. Durchschnittlich zwischen dem dritten und dem siebten Kind beginnen Frauen ihren Männern die eheliche Pflicht zu verweigern. Männer sind dann gezwungen, auf aussereheliche Affären und Prostituierte zurückzugreifen.

Die Schlagzeilen von heute: Das überbevölkerte Frankreich plant, ehemalige Kolonien zurückzugewinnen, um seine Menschen umzusiedeln.
Die FDP fordert eine Senkung des Heiratsalters von heute 15 auf 13 Jahre.
Die Grüne Partei warnt vor unmittelbar bevorstehendem Energiekollaps.
Der Papst hält weiterhin am Abtreibungsverbot fest. Die CVP zieht eine Gegenposition in Erwägung.

Geheimpläne enthüllen ein Kriegsvorhaben des italienischen Ducissimo.
Kinderlose Ehepaare und Einkindfamilien sollen steuerlich noch mehr begünstigt werden.

Das Wahlrecht für Frauen wird im Kanton Appenzell Innerrhoden erneut abgelehnt.


Wenn Schokolade schlank machen würde

Von Angela Schmid Maiullari

Es geschah vor ein paar hunderttausend Jahren. Da hat sich die Evolution, diese launische Närrin, einen kleinen Scherz erlaubt und eine vollkommen unwichtige Drüse derart mutiert, dass sie ein neues Hormon produziert. Dieses Hormon - wir können es hier Folioron nennen - wird beim Konsum von Zucker und Fett ausgeschüttet. Diese winzige Mutation stellte das ganze Körpersystem auf den Kopf. Genau ins medizinische Detail möchte ich hier nicht gehen, und zwar, weil ich das gar nicht könnte. Dafür kann ich Ihnen aber umso schöner erzählen, wie Ihr Leben mit Folioron aussieht.

Zuerst einmal dürfen Sie so viel Schokolade essen, wie Sie wollen. No limits! Sie können auch Chips, Schwarzwälder Kirschtorte oder fette Bratwürste essen, bis Sie platzen, es ist sehr gesund. Sie dürften Pain au chocolat schlemmen und die noch warme Butter aus den Mundwinkeln triefen lassen. Älplermakkaroni, Mascarpone, Kuchen, Salamibrote, Eiscreme, Frittiertes, alles dürfen Sie sich gönnen, solange Sie nur auf Vollkornprodukte verzichten und natürlich den Salat weglassen.

Falls Sie nach dieser Ernährung Verdauungsschwierigkeiten bekommen und zum Arzt müssen, wird der Besuch folgendermassen ablaufen: Nach gründlicher Untersuchung sitzen Sie dem sehr dicken Arzt argwöhnisch gegenüber. Er hat sein feistes Gesichtchen sorgenvoll verzogen und wird Sie ernst anblicken, und dann stelle er die Frage, auf die Sie ängstlich gewartet haben: "Essen Sie Obst und Gemüse?" Sie nicken. "Sport?" Sein Ton wird jetzt streng. "Na ja, ab und zu gehe ich zu Fuss." Sie nagen voller Scham an Ihrer Unterlippe und trotzig geben Sie es endlich zu: "Manchmal gehe ich joggen!" Der Arzt starrt Sie böse an. "Jetzt fehlt nur noch, dass Sie nicht rauchen! Sie ruinieren Ihre Gesundheit!"

So ergeht es Ihnen. Denn natürlich ist es nicht leicht, dick zu werden, wenn dick sein gesund ist. Sie strampeln vor dem Fernseher auf ihrem heissgeliebten Hometrainer und betrachten neidisch die superdicken Filmstars an der Oscarverleihung. Julia Roberts ist so dick, dass sie nur langsam und stark schnaubend die Bühne erreicht. Der Schweiss tropft ihr über ihre entzückend hohe Stirn. In ihrem schwarzweiss gestreiften Kleid sieht sie phantastisch aus. Ihre Rundungen kommen voll zur Geltung. Jede Speckfalte präsentiert sie dem staunenden Publikum selbstsicher und eitel, und Sie befühlen Ihren eigenen ekelhaft muskulösen Waschbrettbauch.

Sie sehen, es macht keinen Unterschied, dieses Folioron. Sie haben auch damit keine Figur wie ein Filmstar, aber - und das ist nicht zu leugnen - Sie können Schokolade essend vor dem Fernseher etwas für Ihre Gesundheit tun. Also mir zumindest ist es dann wirklich ganz egal, wenn ich davon auch noch schlank werde.


Wenn die Sprache kein Wenn besässe

Von Fabian Schwitter

Herr M. erwachte pünktlich. Und zum ersten Mal in seinem Leben blieb er frei von nagenden Fragen, ohne dass er es sofort bemerkte. Gemächlich setzte er die Kaffeekanne auf den Herd und wartete geduldig auf das Zischen und Brodeln des fertigen Kaffees. Von da an nahm ein weiterer Tag im Leben von Herrn M. seinen Lauf, ohne Wenn und Aber. Erst als er sich am Abend zu Bett begab, dämmerte in ihm eine Ahnung, die sich allmählich zu einem festen Bild zu verdichten begann. Und das Bild, das schon seit dem Morgen in ihm geschlummert hatte, liess ihn nicht einschlafen.

Sein Tag war wie eine Linie verlaufen, trotz Kurven und Abzweigungen. Jetzt, wo er darauf zurückblickte, leuchtete diese Feststellung glasklar vor seinem inneren Auge auf. Es war weder ein Umweg noch eine Abzweigung gewesen, als er in eine Seitenstrasse eingebogen war. Das Warenhaus, Schauplatz seines täglichen Einkaufs, wartete am Ende der Hauptstrasse, das hatte er gewusst. Aber die Seitenstrasse war ihm, wenigstens für einen Moment, wichtiger erschienen, so dass er einfach seine Richtung geändert hatte. Zwar hatte er nicht genau feststellen können, was ihn von der Hauptstrasse fortgelockt hatte, aber der kleine Spaziergang war doch ganz wohltuend, und die spielenden Kinder im Park waren herzerfrischend gewesen.

Das Warenhaus hatte auf ihn gewartet, wie es Herr M. vorhergeahnt, wie er es gewusst hatte. Und hinterher hatte er sich auch nicht gefragt, ob es besser gewesen wäre, nicht von der Hauptstrasse abzubiegen. Diese Möglichkeit gab es einfach nicht. Es konnte zwar gut oder schlecht sein, diese halbe Stunde darauf verwendet zu haben, auch wenn der Einkauf kürzer ausgefallen war, aber schliesslich fehlten jegliche Alternativen. Es war eben so gewesen, wie es gewesen war, zumindest rückblickend. Und es schien ihm nun, als sei die Seitenstrasse zur Hauptstrasse geworden.

Im Dämmerschlaf lächelte Herr M. über diese Feststellung. Nach jeder Kreuzung, die ihm auf seinem Weg begegnet war, hatte er vorwärts geschaut. Die andere Strasse war einfach neben seiner verschwunden. Abzweigungen und Kreuzungen hatte es nur vor ihm gegeben, und jedes Mal, wenn er sich entschieden hatte, war die Kreuzung hinter ihm verschwunden. So machte es den Anschein, als wäre sein Leben schnurgerade verlaufen, auch wenn dies vielleicht nicht ganz stimmte. Schliesslich erinnerte sich Herr M. ganz deutlich daran, bisweilen im Kreis gegangen oder Schlangenlinien gefolgt zu sein. Aber sosehr er sich nun anstrengte, beim Zurückschauen verschwanden alle Kurven, alle Abzweigungen, alle Kreuzungen, und was übrigblieb, war sein Weg - eine Linie.

Mit der Gewissheit, dass sein Blick fest in die Zukunft gerichtet war und er sich keine Gedanken mehr über Kreuzungen, die ohnehin in der Vergangenheit nicht existierten, machen musste, schlief Herr M. endlich zufrieden ein - ohne nagende Fragen: Was wäre, wenn ...?


Wenn Leonardo und Michelangelo Freunde gewesen wären

Von Luise Baumgartner

(Meine Professoren der Kunstgeschichte möchten bitte nicht weiterlesen.)

Leonardo da Vinci und Michelangelo Buonarroti, die wohl populärsten Universalkünstler der italienischen Renaissance, waren miteinander bekannt und haben auch mehrmals am selben Ort gearbeitet. Man ist heute aber der Überzeugung, dass zwischen den beiden Künstlern ein recht kühles und indifferentes Verhältnis bestand.

Was wäre anders verlaufen, wenn die beiden Exzentriker Freunde geworden wären?

Leonardo und sein Malerkollege Michelangelo arbeiten Seite an Seite an der Ausmalung im Palazzo Vecchio in Florenz. Bei dieser Gelegenheit entdecken die beiden sehr verschiedenen Künstler ihre gegenseitige Sympathie und freunden sich an. Langsam entstehen erste Pläne für gemeinsame Projekte, Leonardo will Michelangelo sogar in seine Forschungen über die Luftfahrt einweihen.

Die zwei Maler beziehen ein gemeinsames Atelier in Florenz und arbeiten während mehrerer Wochen harmonisch neben- und miteinander. Beobachter und Bewunderer wie etwa Giorgio Vasari, der spätere Biograph der beiden Künstler, schwärmen bereits von einer wahren Symbiose, die bestimmt zum Höhepunkt in der Kunstgeschichte überhaupt führen werde. Ganz Florenz wartet ungeduldig auf erste Entwürfe des genialischen Duos.

Doch hier beginnt nun das Verhängnis: Leonardos empfindliche Nase stösst sich immer mehr an Michelangelo, der nicht viel von Körperpflege hält und seine Stiefel Tag und Nacht und schon seit Monaten anbehält (man erzählt sich, er habe sie irgendwann gar nicht mehr ausziehen können!). Leonardo weist Michelangelo höflich, aber bestimmt darauf hin, dass er stinke wie eine ausgewachsene Sau und solch Verhalten dem grössten Kunststar der herrschenden Zeit nicht angemessen sei. Michelangelo der Choleriker ist um eine Antwort nicht verlegen und nennt Leonardo einen senilen Alten, der noch nicht einmal begreife, dass sich mittlerweile ganz Florenz über seine lächerlichen Erfindungen lustig mache; ein Wort gibt das andere ("Du kannst ja nicht einmal einen richtigen Christus malen!" - "Dein Johannes da sieht aus wie ein Weib!").

Der junge Raffael, der in seiner Bewunderung nie zwischen seinen grossen Vorbildern unterschieden hat, schreitet als Friedensstifter ein. Ob all der gescheiterten Vermittlungsversuche erleidet der empfindsame Jüngling aber leider einen schlimmen Nervenzusammenbruch, hängt seinerseits die Kunst an den Nagel und macht eine Metzgerlehre. Ohne Raffael als Streitschlichter eskaliert das Ganze: Michelangelo leert heimlich Pinselreiniger in Leonardos Farbtöpfe, worauf Leonardo, ausser sich, Michelangelos "David" mit seiner neusten (funktionierenden!) Kriegsgerätskreation attackiert. In Rage erschlagen sich die Universalgenies gegenseitig mit ihren Palettmessern.

Ohne das Dreigestirn Leonardo, Michelangelo und Raffael hätte die Kunstgeschichte ganz anders ausgesehen. Ein Glück, dass Leonardo und Michelangelo einander nicht mochten!


Wenn die Zypresse nicht durch die Thuja ersetzt worden wäre

Von Heinz Keller

Die Schweizer zog es immer schon nach Süden. Als Divico um 58 v. Ch. dorthin auswandern wollte, mitsamt seinen Helvetiern, alle Häuser hinter sich abbrennend, tat er dies aus meteorologischen Gründen. Es war einfach zu kalt in Helvetien. Weder das Gemüse noch das Getreide wollte so richtig gedeihen.
Cäsar verlangte das Ticket für die Durchreise durch das Römische Reich. Da die Helvetier keins besassen, sandte er sie wieder in die abgefackelte Heimat zurück. Die mitgenommenen Zypressen sollten die südlichen Wünsche wenigstens im Ansatz befriedigen. Nur, denen war es zwischen Jura und Alpen entschieden zu kalt. Sie ertrugen Frost nur eingeschränkt und gingen ein.

Die Entdeckung Amerikas führte gewiefte Pflanzenhändler zu den grossen Seen, wo sie ein kälteverträgliches Substitut fanden: die zypressenförmige Thuja. Jawohl, Sie haben richtig gelesen: zypressenförmige! Vorerst wurde die Thuja als zum Himmel weisender Friedhofsbaum eingesetzt, denn ihre immergrünen Zweige garantierten hervorragenden Spritzkomfort für das Weihwasser, erinnerten an den Süden und lenkten von den kalten Gräbern ab.

In den Jahren des wirtschaftlichen Aufschwungs nach dem Zweiten Weltkrieg brach sich diese Pflanze Bahn in den Wohnzonen neureicher Helvetier und wurde zum Symbol der Lebensart derselbigen. Somit mutierte die Südkulturersatzpflanze zum Blickfang im wörtlichsten Sinne. Man kann sich die Thujahecke aus den Fallerhausquartieren der Städte und suburbanen Hügelzonen nur schwerlich wegdenken. Ein Versuch lohnt sich dennoch.

Die Hausbesitzer könnten wieder über den Gartenzaun mit der Nachbarin reden und bräuchten nicht den Flirtchat im Internet. Die Pro-Juventute-Marken-Verkäuferinnen sähen schon von weitem, ob sie überhaupt an der Türe klingen sollen. In Nachbars Garten stünde unkommentiert der Tischtennistisch aus dem Aldiangebot der Woche 25. Wer als Haus-und-Herd-Hausbesitzer nichts zu verbergen hat, ist auch nicht erpicht, das Arrondissement des Furterfertighaus-Besitzers zu kritisieren. Die Helvetier wären die südlicheren Holländer.

Zudem würde der Rasen wieder eher mit dem Handmäher gekürzt, weil die Nachbarn als physisch vorhandene Masse mit einem Hörsinn wahrgenommen würden. Vorbei die Haltung, wen ich nicht sehe, der kann auch meinen Kreiselmäher nicht hören. Die Kinder würden merken, dass Fritz und Fränzi auch aus einer Standardbehausung zum Schulbus kommen und nicht wie angenommen aus einem Manoir, das durch einen blickdichten, monokulturellen Lebhag geschützt ist.
Plötzlich wird ein Fallerhausquartier wieder als soziokulturelles Gebiet wahrgenommen. Die Friedensrichter hätten vielleicht nach dem Fall der Thujalerien etwas mehr zu tun. Aber nur so lange, bis Einsicht zu Toleranz führt. Zum bescheidenen Schutz des Intimen hätte es eine Alternative gegeben. Die Hage- oder Hainbuche! Ihre Blätter fallen nach der blickschutzrelevanten Sommerzeit zu Boden. Aber dann käme der Laubbläser zum Zug, der besser auch nicht erfunden worden wäre.


Wenn ich nie an einem Tumor erkrankt wäre

Von Eli Dürrenmatt

Ja, diese Frage "Was wäre, wenn ...?" bringt einen im Leben nicht weit. Mir wäre so vieles erspart geblieben, wie zum Beispiel die aufwendige Operation. Nach dem Tumor stellte ich mir jeden Tag vor, wie es war, als ich noch gut sah, und wie es wäre, wenn ich die Sehbehinderung nicht hätte. Ich könnte in die normale Schule gehen und es wäre alles wie früher.

Ja, am Anfang sah ich nur das Negative, doch jetzt sehe ich ein, dass mein Leben gut ist, wie es ist, und dass es ganz anders verlaufen wäre. Durch den Tumor gab mir das Leben einen Schlag mitten ins Gesicht. Um diesen Schmerz zu betäuben, griff ich nach Suchtmitteln. Ich denke, ich hätte auch Suchtmittel konsumiert, wenn ich den Tumor nicht gehabt hätte. Sicher ist, dass, wenn ich in die normale Oberstufe gekommen wäre, ich wie die anderen Jugendlichen aus diesem Schulhaus auf die schiefe Bahn geraten wäre. Ich hatte schon immer ein wenig ein Suchtverhalten, und ohne den Tumor hätte ich nie gemerkt, dass Drogen nichts vereinfachen im Leben.

Vielleicht wäre mir das Leben zu Hause verleidet und ich würde auf der Strasse wohnen. Aus Langeweile würde ich mir Sachen reinziehen, um alles Schlechte zu vergessen und Spass zu haben. Ich habe im Spital gelernt, welche Freunde zu mir halten. Ich hasste die Schule und die Zukunft war mir scheissegal. Heute weiss ich, dass ich die Schule für meine Zukunft mache, und ich werde arbeiten, bis ich das erreicht habe, wovon ich träume.

Ich würde heute nicht für behinderte Menschen einstehen. Ich hätte nie das Ziel, meinen Traum zu erreichen, im Sozialbereich zu arbeiten. Früher fielen mir blinde Menschen gar nie auf, heute achte ich viel mehr darauf. Ich habe so tolle Menschen kennengelernt, die ich nie getroffen hätte, wenn mein Leben anders verlaufen wäre. Mich beeindruckten diese Menschen von Anfang an, wie sie sich im Leben zurechtfinden mit so einem Handicap.

Ich kann den Menschen helfen, indem ich mit ihnen spreche und ihnen Mut mache, auch wenn das Leben nicht immer einfach ist. Ich glaube daran, dass alles Schlechte im Leben auch etwas Gutes hat. Ich weiss nur zu gut, wie es ist, auf der Strasse zu wohnen, ohne Zuhause, Liebe und damit beschäftigt, Geld für die nächsten Drogen aufzutreiben. Ich war mit solchen Menschen zusammen, darum möchte ich ihnen helfen. Ich verstehe sie zum Teil, und sie hören mir auch zu. Ich versuche ihnen zu zeigen, dass das, was sie machen, im Leben nicht richtig ist.

Du alleine entscheidest, was du aus deinem Leben machen willst. Das Schlechte in dieser Welt hätte ich nie erkannt, und ich hätte auch nicht geschnallt, dass das Leben für Drogen zu kurz ist. Ich wäre weiterhin so naiv und würde denken, dass mir nie etwas passieren könnte und dass mein Leben perfekt verlaufen würde.

Meiner Familie wäre viel Trauer und Angst erspart geblieben. Ich habe durch dieses Erlebnis gemerkt, wie fest meine Eltern mich lieben und beschützen wollen. Als ich klein war, habe ich davon geträumt, Polizistin zu werden, vielleicht wäre dieser Traum in Erfüllung gegangen. Mir wären viele Tränen und Wutausbrüche über mich selbst erspart geblieben.

Ich würde jetzt nicht in Bern in die Schule gehen, ich liebe diese Stadt. Es ist eine neue Chance für mich, auf mich gestellt zu sein. Ich bin selbständig geworden und liebe es, alleine durch die Schweiz zu fahren. Ich hätte nie den Mut gehabt, meinen richtigen Vater kennenzulernen. Ich will nicht sagen, dass die Zeit leicht war. Im Gegenteil, ich hatte keine Kraft und keinen Mut, um mein Leben weiterzuführen. Mir blieb nichts anderes, ausser mich und mein Leben zu akzeptieren. Wie ich es vorher sah, an das kann ich mich nicht mehr erinnern.

Es ist nicht immer leicht, aber vielleicht ist die Wissenschaft in ein paar Jahren so weit, dass meine Augen operiert werden können. Ich habe gemerkt, dass das Leben zu kurz ist, um zu hoffen und im Selbstmitleid zu versinken. Ich habe gelernt, um mein Glück zu kämpfen.

Viele Leute fragen mich, ob ich mir nicht wünschte, dass das nie passiert wäre. Ja, früher wünschte ich mir das jede Sekunde. Jetzt sage ich den Leuten, es kommt alles im Leben so, wie es kommen muss. Auch wenn wir es oft nicht verstehen, müssen wir versuchen, es zu akzeptieren. Mein ganzes Leben mit Höhen und Tiefen hat mich zu diesem Menschen gemacht, der ich heute bin.

Ich weiss, dass ich alleine die Welten nicht verbessern kann, doch ich versuche einen Teil beizutragen, um die Welt ein Stück zu verbessern. Egal was in meinem Leben noch auf mich zukommt, ich weiss, was ich will, und für das werde ich nie aufhören zu kämpfen. Es bringt mich nicht weiter, wenn ich mich frage, was wäre, wenn ...? Ich nehme das Leben, wie es gerade kommt, und ich geniesse jeden Augenblick, in dem ich glücklich bin.


Wenn ich nie geboren wäre

Von Bernd Eckhoff

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Wenn der Mensch nicht kontrafaktisch denken könnte

Von Rolf Reber

Wer die Frage "Was wäre, wenn ...?" stellt, muss kontrafaktisch denken können; das heisst, sich in Gedanken das Gegenteil des wirklich Geschehenen ausmalen können. So haben sich im NZZ-Folio des Monats August eine Reihe Personen aus Wissenschaft, Kunst, Wirtschaft und Politik vorgestellt, wie die Folgen aussähen, wenn ein bestimmtes Ereignis anders verlaufen wäre.

So recht wohl scheint es einigen Autoren nicht gewesen zu sein: Rudolph Chimelli merkt an, dass Wissenschafter nicht über Ereignisse spekulieren dürfen, die es nicht gab, bevor er sich ausmalt, was gewesen wäre, wenn Deutschland den Ersten Weltkrieg gewonnen hätte; auch Moritz Leuenberger will beim Spekulieren über seine alternativen Karrierewege nicht richtig mitmachen. Schliesslich wird das Heft abgeschlossen mit einem Artikel über die Sinnlosigkeit des Sinnierens nach dem "Was wäre, wenn ...?". Als ob dem Leser suggeriert werden sollte: Kontrafaktisches Denken macht vielleicht Spass, ist aber nicht mehr als eine Illusion des Denkens, die es zum Leben eigentlich so wenig braucht wie die Zauberkunst im Zirkus.

Doch was wäre, wenn Menschen nicht kontrafaktisch denken könnten? Edith Piaf hätte wohl nie "je ne regrette rien" gesungen, weil es ohne kontrafaktisches Denken keine Reue gäbe. Wie soll ich ein Ereignis bereuen, wenn ich mir nicht vorstellen kann, wie es anders hätte ausgehen können? Ich könnte höchstens spüren, wie erfreulich oder unerfreulich die Folgen eines Ereignisses für mich sind. Zweitens hilft uns kontrafaktisches Denken, Ereignisse zu bewerten.

Forschung hat gezeigt, dass der Zweite bei Olympischen Spielen weniger glücklich ist als der Dritte, weil der Zweite sich vorstellt, wie er Erster hätte werden können, während der Dritte sich ausmalt, wie ihn das kleinste Malheur den Platz auf dem Podest gekostet hätte. Wir können aber nicht nur bereuen, was wir in der Vergangenheit getan oder unterlassen haben: Eine Studentin steht morgens um 7 Uhr auf, obwohl sie die Vorlesung über Statistik langweilt und sie eigentlich noch zwei Stunden Schlaf gebrauchen könnte; sie tut dies, weil sie sich vorstellt, was wäre, wenn sie die Vorlesung verpassen würde. Sie kann sich ausmalen, wie sie durch die Prüfung rasselt und dann bereuen würde, ausgeschlafen zu haben.

Kontrafaktisches Denken erlaubt uns also, Szenarien zu entwerfen und uns Handlungsalternativen vorzustellen. Denn hecke ich einen Plan aus, dann denke ich nicht nur vorwärts, sondern stelle mir immer wieder vor, was wäre, wenn; zumindest wenn mir die Sache wichtig ist. Kontrafaktisches Denken gehört nicht ins Kuriositätenkabinett des menschlichen Geistes, sondern erlaubt dem Menschen, vergangene Ereignisse zu bewerten und für die Zukunft zu planen.


Was wäre, wenn die Erde eine Scheibe wäre

Von Kirk H. Kirchhofer

Es ist noch früh, kühle Morgenluft strömt durch die halb geöffneten Fenster. "Du hast das Warnschild gesehen?" Die Frau nervt.

"Ja."

Sie hakt nach: "Noch zwei Kilometer!"

Er bissig: "Jaaa!!!" Wie hat er nur all die Ehejahre mit dieser Frau überlebt?

"Martin! Zum letzten Mal! Wir nähern uns dem Rand!"

"Ja, Emma."

Er fährt langsamer und wird von Fahrzeugen überholt, von vielen Fahrzeugen. Sportwagen, Harleys, Limousinen, Cabrios brausen vorbei. Die ersten Ferien in eineinhalb Jahren. Sorgfältig haben sie diese Reise geplant, sich eingehend informiert. Zuerst war Emma dagegen: "Was sollen wir da? An den Rand der Welt! Was glaubst du, was es da zu sehen gibt?"

Seine Eltern haben es nicht geschafft, obwohl es der innigste Wunsch seines Vaters war. Am Stammtisch auftrumpfen zu können: "Ich habe am Rand der Erde gestanden, ich habe hinaus gesehen ins Weltall, habe hinab gesehen, ins Nichts."

Es war nicht leicht, aber schliesslich konnte er Emma von der Einmaligkeit dieses Urlaubs, dieses Unternehmens, überzeugen. Nicht langweilige Bergwanderungen, kein Bräunen am Meeresstrand. Nein! Abenteuer pur, das Unglaubliche selbst erleben, mit einem Prickeln im Bauch. Das schwarze Loch. Hinausschauen in die Unendlichkeit. Noch immer ist die Unterseite der Scheibe unerforscht. Kein Bohrloch ist tief genug. Eine Theorie besagt, dass Lebewesen existieren könnten, da diese Antipoden ja auch von der Sonne profitieren. Aber ob es auch Wasser gibt? Sauerstoff? Pflanzen und Tiere?

Die Strasse steigt leicht an. Als er die Kuppe erreicht, liegt ein breiter Landstreifen vor ihm, ähnlich einem Meeresstrand. Einige Autos stehen vereinzelt herum. Ihm fällt auf, dass keiner der Überholer dabei ist. Ein paar Fussgänger schlendern verloren durch die öde Landschaft.

Emma betrachtet ihn kritisch von der Seite, wartet wohl darauf, dass auch er sein Fahrzeug parkiert. Martin denkt nicht daran. Er will so schnell wie möglich zur Peripherie; an der Kante zu stehen, das ist sein einziges Ziel.

Rechts steht eine gigantische Anzeigetafel. Mit roter Leuchtschrift steht da: "End of the World. Heute bereits: 94 Fahrzeuge."
Wohin?

Martin fährt weiter, kann seinen Blick nicht von der Tafel wenden. Wie hypnotisiert liest er immer wieder: "94 Fahrzeuge."

Er nähert sich dem Rand, blickt stur auf die Anzeigetafel. Martins Auto durchschlägt die Sperre. Noch drei Meter. Martins Augen starren ins Nichts, Emmas Augen sind geschlossen.

Die Leuchtschrift an der Anzeigetafel zeigt: "95 Fahrzeuge."


Wenn Jugoslawien Weltmeister geworden wäre

Von Claudius Ettlinger

Faruk Hadzibegic läuft an und schiesst. Der Torhüter ahnt die Ecke und wehrt den Ball ab. Faruk Hadzibegic begräbt sein Gesicht in den Händen. Sein Fehlschuss hat soeben das Schicksal der jugoslawischen Auswahl an der Fussball-Weltmeisterschaft 1990 besiegelt. Sie verliert das Elfmeterschiessen gegen Argentinien und scheidet aus. Gäbe es einen Fussballgott, und wäre er auch noch gerecht, hätte Europa heute ein anderes Gesicht - und wäre dem Balkan viel Leid erspart geblieben.

Stellen wir uns vor, dieser Fussballgott verstösst die von ihm sonst so gehätschelte "Albiceleste" und lässt die jugoslawischen Ballkünstler den verdienten Sieg nach Hause spielen. In ganz Jugoslawien wird der unerwartete Aufstieg ins Halbfinale ausgelassen mit nicht zu wenig Slivovits gefeiert. Im anschliessenden Halbfinale gegen die gastgebende italienische Elf zeigt sich das jugoslawische Team beflügelt von seinen Erfolgen. Es schlägt mit einer beherzten Leistung die verkrampften Italiener. Jugoslawien steht im Endspiel.

In der Heimat bricht ein kollektiver Freudentaumel aus. Die Menschen daheim - seien es Serben oder Kroaten, Slowener oder Bosnier, Albaner oder Ungarn - tun es ihren Spielern gleich: Sie liegen sich in den Armen. Im Endspiel trifft Jugoslawien auf den grossen Turnierfavoriten Deutschland, gegen dessen Tempofussball es in der Vorrunde chancenlos geblieben ist. Doch die Stimmungsspieler vom Balkan sind nun nicht mehr zu stoppen. Sie tanzen die Deutschen nach allen Regeln der Fussballkunst aus und siegen überlegen mit 3 : 0. Und das Land steht kopf. Als Captain Dragan Stojkovic den Weltmeisterpokal in die Höhe stemmt, gleichen sich die Bilder von Belgrad bis Zadar: Die Strassen und Plätze quellen über mit jubelnden, tanzenden und sich herzenden Menschen.

In den folgenden Monaten schaffen die jugoslawischen Teilrepubliken eine nach der anderen das Monopol der kommunistischen Partei ab und setzen freien Wahlen an. In Slowenien und Kroatien setzen sich reformwillige Politiker durch. Bei den Wahlen fürs serbische Staatspräsidium setzt es für die Kommunisten eine herbe Niederlage ab. Anstelle des Amtsinhabers Slobodan Milosevic wird Zoran Djindjic vom Reformbündnis Zajedno gewählt.

Im Herbst 1990 einigen sich die Präsidenten Serbiens, Kroatiens, Sloweniens und Bosniens auf eine weitgehende Autonomie ihrer Teilrepubliken in einer Föderation und betonen gleichzeitig "die Unverbrüchlichkeit der jugoslawischen Nation". Staatspräsident Stipe Mesic, ein Kroate, und Ministerpräsident Ante Markovic, ein Serbe, begründen am 1. Januar 1991 feierlich die Demokratische Föderative Republik Jugoslawien. Am 1. Mai 2004 tritt Jugoslawien im Zuge der Osterweiterung der Europäischen Union bei.

Doch es gibt keinen Fussballgott, oder jedenfalls ist er nicht gerecht. Jugoslawiens Fussballer werden 1990 nicht Weltmeister, und im Juni 1991 bricht der Jugoslawien-Krieg aus.


Wenn die Schweiz am Meer liegen würde

Von David Aragai

Samuel Schmid lächelt bemüht in die Fernsehkamera der Tagesschau. Nicht nur der Abgang seines Armeechefs Roland Nef und sein Parteiwechsel zur BDP lassen ihn müde wirken, sondern auch der neue Rüstungskredit über 6,7 Milliarden Schweizer Franken, den er rechtfertigen muss. Neben Kampfjets sollen vor allem neue Schiffe für die Marine angeschafft werden.

"Wenn wir zu diesem Zeitpunkt das Material der Schweizerischen Marine nicht ersetzen, wird die Armee in einigen Jahren grosse Probleme haben, ihren Auftrag auszuführen. Wir müssen unsere Küsten schützen. Dies gilt vor allem für unseren Überseekanton. Dort ist die Überwachung der Gewässer nach wie vor ein vitaler Beitrag zur Sicherheit unseres Landes."

Als sich die Po-Ebene am Ende des Jurazeitalters dazu entschloss, nicht aus dem Meer aufzusteigen, hat sie die Adria so verlängert, dass die Schweiz heute am Meer liegt. Die Südalpen gelten übrigens als eine der schönsten Küstenregionen der Welt.

Aber der Meeranschluss hat der Schweiz nicht immer nur Gutes gebracht. Als im 19. Jahrhundert die Aufteilung der Welt in Kolonien schnell voranschritt, wollte sich auch die Seemacht Schweiz ein Scheibchen davon abschneiden. Die Bundesversammlung entsandte am 23. Mai 1864 eine Expedition an die Westküste Afrikas mit dem Auftrag, für die Schweiz "ein fruchtbares und in Grösse überschauliches Territhorium" zu finden und in Besitz zu nehmen. Als der Konvoi unter der Leitung von Kapitän Johann Tanner eineinhalb Monate später sein Ziel erreichte und an der Küste Afrikas die Schweizer Fahne hisste, schrieb er in sein Tagebuch: "Heute ist ein stolzer Tag für mein Land."

Damit hatte er aber leider nur zum Teil recht. In den nächsten Jahrzehnten kam es immer wieder zu Scharmützeln zwischen Kolonialisten und Eingeborenen. Es wurden sogar mehrere Strafexpeditionen der Schweizer Armee durchgeführt. Als im 20. Jahrhundert die Grossmächte begannen, ihre Kolonien in die Unabhängigkeit zu entlassen, musste auch die Schweiz eine Lösung für Neu-Helvetien finden. Obwohl die meisten Einheimischen bis 1960 in den Städten und nicht mehr in der freien Natur wohnten, erscholl der Ruf nach Entlassung von Neu-Helvetien, oder Gabun, wie es die Einheimischen nennen, immer mehr. Das Stimmvolk entschied sich im Frühjahr 1968 aber dagegen, und bald wurde die Schweiz international als "letzte Kolonialmacht" belächelt.

Schliesslich wahrte unser Land mit einem Kompromiss das Gesicht: Gabun wurde am 1. Januar 1970 als 26. Kanton der Schweiz mit vollen Rechten und Pflichten in die Eidgenossenschaft aufgenommen (die Jurassier erhielten nach erheblichen Protesten ein Jahr später ebenfalls einen eigenen Kanton). Seither hat es keine nennenswerten Probleme mit den neuen Miteidgenossen gegeben. Sie stellen übrigens mittlerweile etwa 45 Prozent der Landesbevölkerung.

Samuel Schmid beteuert noch einmal die Dringlichkeit seines Rüstungskredits. Kwame M'Dogo, Präsident der SP, hat bereits den Widerstand seiner Partei angekündigt.


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