SCHON IMMER haben sich die Menschen darüber gestritten, wer den grössten habe: den grössten Hecht, den grössten Diamanten, den grössten Palast. Übertrumpfen war von jeher Trumpf, hat jedoch in unserer Zeit noch an Beliebtheit zugelegt. Nämlich seit der irischste Bierbrauer nicht mehr nur das dunkelste Bier braut, sondern Rekorde und Superlative aller Art sammelt und in Buchform herausgibt.
Das Aufstellen von neuen Rekorden hat zwar etwas Kindisches, ist aber zugleich Herz und Seele des Sportes schlechthin. Dies gilt vor allem für klar messbare Leistungen, doch sogar in Sportarten, in welchen eigentlich gar keine zu holen wären, werden Rekorde aufgestellt: im Tennis kann zum Beispiel die pubertärste Weltranglistenerste gefeiert werden, im Boxen der kleinste Weltmeister aller Zeiten und im Motorsport der kürzeste Boxenstopp, um nur die wichtigsten zu nennen.
Wohl deshalb ist das Streben nach den dicksten Lorbeeren in den abwegigsten Disziplinen gerade bei provinziellen Sportclubs besonders beliebt. Wenn der Weltruhm im Weitsprung schon nicht zu holen ist, so wenigstens jener im Hamburgerbraten, Zündholzabbrennen oder Nikolaussackfüllen, werden sich rührige Vereinspräsidenten wohl sagen.
Kann jemand 22 leere Bierkisten auf seinem Kinn balancieren, so hat er immerhin geübt, und es macht ihm dies keiner so schnell nach. Doch die gängigen Turnvereinrekorde vom Typus längste Bratwurst oder grösster Streuselkuchen sind jederzeit und aus dem Stand heraus beliebig zu überbieten. Man braucht nur noch einen Meter anzuhängen oder fünf Eier mehr reinzuwerfen und wird neuer Rekordhalter. Völlig unverständlich deshalb, dass die freiwillige Feuerwehr aus dem bayerischen Sonnen klein beigab, als ihr Presssack aus 263 Schweinsköpfen erst 64,27 m lang war. Jetzt kann irgendein Kegelclub kommen, ihre Bestleistung um läppische 73 cm überbieten und mit 65 m Presssack die Sonnener Feuerwehr für immer aus dem Olymp der Rekorde verdrängen.