NZZ Folio 12/98 - Thema: Nachts   Inhaltsverzeichnis

Deutsch und deutlich -- Pizsuppe zum Hoteler Frühstücken gefällig?

Von Peter Haffner

SPRACHEN LERNT, wer Sprachen lernen muss. Sei es, dass er aus einem kleinen Land kommt und also mit seiner Muttersprache in der Welt nicht weit, sei es, dass er aus einem armen Land kommt und sonst ungehört bleibt. Nur Amerikaner haben es gut, die reden im Ausland einfach ein bisschen lauter.

Entlang der deutsch-polnischen Grenze kann man es sehen: kein Deutscher, der Polnisch lernen würde, aber viele Polen, die eifrig Deutsch lernen. Weshalb Reisende deutscher Muttersprache mit polnischen Speisekarten und etwas Vorstellungskraft ganz gut über die Runden kommen, wenn sie zu wählen haben zwischen «Weib-bete-suppe», «Pizsuppe» oder «Rotebeete mit Kroketen»; «Hachenleber», «Rumpfsteak» oder «Schweineschnitzel panier». Und selbst in einer Stadt mit einem so unaussprechlichen Namen wie Szczecin werden Deutsche willkommen geheissen fast wie im alten Stettin: «Hoteler Frühstücken gibt man in der <Militärische Kantine> von 7 bis 10 Uhr aus. Hoteler Gäste (mit hotelen Karte) haben 10% Rabatt zu anderen Gerichte.»

Was wir uns natürlich nicht zweimal sagen liessen und zur «Fleccsuppe» glatt ein «Schnitzelrizol» bestellten. Smacznego!


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