Finden Sie, Ihre Krankenkassenprämie sei zu hoch? Dann sollten Sie sich auf eine böse Überraschung gefasst machen: Wenn Sie demnächst die Versicherungspolice für das Jahr 2006 aus dem Briefkasten holen, wird die Prämie noch spürbar höher sein. Und übernächstes Jahr desgleichen. Fast das Einzige, was in der Schweiz noch zuverlässig wächst, sind die Gesundheitsausgaben.
Was tun? Die bestehende Ordnung sei unhaltbar geworden, die Prämienlast sei für immer mehr Leute untragbar, und die Belastung für die öffentliche Hand werde immer drückender. Es brauche ein neues Gesetz, das die Kosten eindämmt, den Kassen eine innovative Tarifpolitik ermöglicht und den Wettbewerb unter Ärzten, Spitälern und Apothekern fördert. Diese Aussagen könnten von heute sein, stammen aber aus dem Jahr 1994, als Ruth Dreifuss die Werbetrommel für das Krankenversicherungsgesetz rührte, das dann vom Volk angenommen und 1996 eingeführt wurde. Bald zehn Jahre danach behauptet kaum noch jemand, das KVG sei kein Flop. Seit 1996 sind allein die Kosten in der obligatorischen Grundversicherung von 12,5 Milliarden auf 19,1 Milliarden gestiegen; das entspricht einer Zunahme um 53 Prozent.
Was es brauchte, wären Reformen, die ihren Namen verdienen; ob sie sich politisch auch durchsetzen liessen, ist eine andere Frage. Die Datenbank des schweizerischen Parlaments enthält über 130 hängige Vorstösse zum Gesundheitswesen (Initiativen, Motionen, Postulate, Interpellationen und Anfragen), fast die Hälfte davon betreffen die Krankenversicherung. Das Einzige, was wir einstweilen tun können, ist, den Spielraum zu nutzen, den wir bei der Wahl der Kasse, der Jahresfranchise und dem Leistungsumfang haben. Wir sollten Preise vergleichen (zum Beispiel auf www.comparis.ch) und uns ans jährliche Kassenhüpfen gewöhnen. Welche Tücken dabei lauern, erfahren Sie auf Seite 33 («Sind Sie auch falsch versichert?»).
Wir haben die Autorinnen und Autoren dieses Hefts gebeten, ihre Krankenkassendaten offenzulegen (sie finden sich am Schluss jedes Artikels). Im Schnitt zahlen sie eine Prämie von 270.65 Franken, die günstigste Prämie beträgt 129.80, die teuerste 481.10. Ich liege mit 337.90 (bei der Sanitas privat versichert, Jahresfranchise 2500 Franken) deutlich über dem Durchschnitt – wenigstens das lässt sich sehr schnell ändern.