NZZ Folio 05/00 - Thema: Fit   Inhaltsverzeichnis

Abenteuer Freizeit -- Flieg, Messer, flieg!

Von Peter Haffner

MESSERWERFEN IST EINE KUNST, die nicht gelernt sein will, sondern muss. Wer mit zirkusreifen Leistungen brillieren möchte, sollte nicht damit beginnen, das Haupt seiner Liebsten am Brett mit einem Messerkranz zu krönen. Das Ergebnis wäre unvorteilhaft sowohl für die Teure wie auch für die einem nicht minder teuren Wurfkörper. Die grösste Schwierigkeit beim Messerwerfen besteht nämlich nicht darin, einen bestimmten Punkt zu treffen; viel schwieriger ist es, das Messer so in Drehung zu versetzen, dass es mit der Spitze auf das Ziel trifft. Dazu muss sich die Messerspitze, die sich in einem Kreis um den Schwerpunkt des Messers dreht, im Moment ihres Auftreffens in einem relativ kleinen Winkelausschnitt dieses Kreises befinden.

Dipl.-Ing. Manfred Ertl hat im «Spezialheft 2000» des «Internationalen Waffen-Magazins» die Technik des Messerwerfens eingehend erläutert. Ein Wurfmesser unterliegt wie jedes Projektil der Schwerkraft und wird durch den Luftwiderstand abgebremst, weshalb seine Flugbahn eine gekrümmte Kurve - eine Parabel - darstellen soll, bei welcher der Scheitelpunkt über der geraden Verbindung von Wurfhand und Zielpunkt abhängig ist von der Distanz und dem Gewicht des Messers. Das Gewicht hat auch einen Einfluss auf das Drehverhalten - je schwerer das Messer, desto grösser das Rotationsträgheitsmoment und desto geringer die Drehgeschwindigkeit. Man kann Messer natürlich auch gerade werfen, doch der Nachteil dieser Variante besteht in der fehlenden Drallstabilisierung, was nur kurze Wurfweiten ermöglicht.

Bei den vier anderen Grundarten der Abwurfhaltung ist dies nicht der Fall. Um es in Rotation zu versetzen, hält man das Messer entweder zwischen den Fingern an der Klinge oder am Griff oder auch in der ganzen Hand an der Klinge oder am Griff und wirft es - sei es über Kopf, sei es von unten - in Richtung Ziel. Der so erzielte Drall wirkt sich positiv auf die Flugbahn aus, wobei deren Stabilisierung um so besser ausfällt, je höher die Drehzahl des Messers ist und je näher der Mitte sich dessen Schwerpunkt befindet.

Einfach ist das nicht. «Das geworfene Messer», bemerkt Dipl.-Ing. Manfred Ertl vollkommen zu Recht, «wird als Distanzwaffe immer ein Notbehelf bleiben.» Wer auf Nummer Sicher gehen will, vertraut lieber auf bewährte Mittel wie Dragunows, Kalaschnikows oder die gute alte Beretta, für die im selben Heft geworben wird.

Der Umwelt zuliebe sollte man bei solchen Waffen aber darauf achten, dass die Munition mit schadstoffarmem Pulver gefertigt ist. Bei guten Produkten ist das auf der Packung deklariert.


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