Es steht in jedem zweiten Partnerschaftsinserat: Er oder sie hat Humor, er oder sie sucht jemanden mit Humor. Humor ist ein begehrtes Gut. Privat wenigstens. In der Öffentlichkeit jedoch fallen einem nicht viele Karrieren ein, die auf Humor basieren. Humor steht in keinem Stelleninserat. Politiker, Manager, Wissenschafter, sie alle haben keinen, professionelle Komiker auch nicht immer.
Vielleicht liegt es am politischen System. In Diktaturen hat man nichts, vor allem nichts zu lachen, deshalb lacht man, in Diktaturen hat man entfesselnden Humor. In Demokratien hat man die entfesselte Humorindustrie. Pointen werden da am Fliessband gefertigt von meist jungen, meist männlichen Schreibern, sie bauen Pointen, wie die Maschinenindustrie Präzisionswerkzeuge baut. Was ihren Pointen die lebensrettende Überraschung bringt, ist das Tempo: Jemand denkt drei Stunden an ihnen herum, vorgetragen werden sie in drei Sekunden. Auch der Ruhm und Ruf des Vortragenden hilft, heisse er nun Harald Schmidt, Harry Hasler oder Ali G.
Doch es gibt Leute, die nicht Harald Schmidt, Harry Hasler oder Ali G. heissen und trotzdem sein wollen wie die. Also werden sie zur menschlichen Sketch-Jukebox. Auf Knopfdruck sind sie wie Emil, aus ihnen spricht Gerhard Polt, Peach Weber, Otto. Politiker werden Viktor Giacobbos Spätprogramm nachtrauern, da versuchten sie schwer, als Gast lustiger zu sein als der Gastgeber. Auch Intellektuelle wie Peter Sloterdijk, Marcel Reich-Ranicki treten im TV als Entertainer auf.
Wer also ein Herz hat für Humor, aber selber keinen, soll Karriere machen. Sei es in Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Kultur. So kann er oder sie dem Humor am besten dienen: als Zielscheibe.