Abhängigkeitspotential
Man unterscheidet zwischen körperlicher und psychischer Abhängigkeit. In der Regel stellt sich eine körperliche Abhängigkeit rascher ein als eine seelische. Die psychische Abgewöhnung benötigt dann sehr viel mehr Zeit als die körperliche Entwöhnung.
Opiate (Opium, Heroin, Methadon, Morphin): Sehr hohe Gefahr schneller körperlicher wie psychischer Abhängigkeit.
Kokain (auch Crack und Free Base): Sehr hohe Gefahr einer rasch auftretenden psychischen Abhängigkeit; keine körperliche Abhängigkeit.
Cannabis (Haschisch, Marihuana, Haschischöl): Die Gefahr der psychischen Abhängigkeit ist deutlich vorhanden und hängt stark vom Wirkstoffgehalt ab. Eine körperliche Abhängigkeit wird selten beobachtet.
Halluzinogene (z. B. LSD): Eine gewisse psychische Abhängigkeit ist möglich; körperliche Abhängigkeit nicht bekannt.
Amphetamine (Aufputschmittel): Es besteht eine ausgeprägte psychische Abhängigkeitsgefahr.
Barbiturate: (Schlafmittel): Beim chronischen Gebrauch deutlich psychische und körperliche Abhängigkeitsgefahr.
Alkohol: Bei chronischem Gebrauch deutliche psychische und körperliche Abhängigkeitsgefahr.
Nikotin: Hohe Gefahr psychischer Abhängigkeitsbildung; körperliche Abhängigkeit von Nikotin bei einem Teil der Raucher.
Tranquilizer: Im Vordergrund Gefahr der psychischen Abhängigkeit. Körperliche Abhängigkeit bis zu einem gewissen Grad.
Effekt der Drogeneinnahme
Art und Konzentration der Droge beeinflussen die Wirkung. Die Hauptgefahr betrifft die nicht situationsgerechte Handlungsweise, die mit Gefährdung anderer Personen (Alkoholrausch) oder mit Selbstgefährdung einhergehen kann (Halluzinogene).
Opiate: Plötzlich einschiessendes Wohlgefühl (Euphorie). Bei Abhängigen wird häufig nur noch ein Abklingen der Entzugserscheinungen erreicht. Bei höherer Dosierung rasch Schläfrigkeit und Benommenheit.
Kokain: Bei mässiger Dosierung tritt nach der Einnahme ein angenehm angeregter Zustand ein. Bei höheren Dosen sind Erregung, Verwirrtheitszustände sowie Sinnestäuschungen möglich.
Cannabis: Wohlig entspannende Wirkung. Bei höherer Dosierung oder bei entsprechender Disposition kann es zu Wahrnehmungsverzerrung, Fehlleistungen, auch ängstlichen Erregungszuständen kommen. Vorübergehender Verfolgungswahn möglich.
Halluzinogene: Die Folgen sind Veränderungen der Wahrnehmung, des Raum-Zeit-Erlebens. Panikzustände und völlige Fehleinschätzung der Situation, etwa Verfolgungswahn oder Grössenwahn, kommen vor.
Amphetamine: Folgen sind Antriebssteigerung und Anregung, vorübergehende Leistungssteigerung und verminderte Ermüdbarkeit. Unrast, Erregung, Zustände der Verwirrung und Sinnestäuschung können auftreten.
Barbiturate: Müdigkeit bis Schlaf, bei Gewöhnung oder bei Wirkungsumkehr Überwachheit und Enthemmung; Rauschzustände mit erhöhter Fremd- und Selbstgefährdung; Verminderung der Konzentration, Einschränkung der Wahrnehmung und der Reaktionsfähigkeit.
Alkohol: Im Rausch Kritik- und Urteilsschwäche, Selbstüberschätzung, Wahrnehmungsstörungen, Einschränkung des Blickfeldes. Häufig Wegfall der Hemmungen, Auftreten von Gewalttätigkeit oder Depression.
Nikotin: Leicht stimulierende Wirkung, erst bei höheren Dosen dämpfend, mit Verminderung der Aufmerksamkeit und Konzentration.
Tranquilizer: Bei therapeutischer Dosierung Lösung von Verkrampfung und Verstimmung; Schlafanstoss; bei höheren Dosen Störungen von Konzentration und Reaktionsfähigkeit.
Physische Folgen bei Dauergebrauch
Bei der Beurteilung der körperlichen Gefahren muss berücksichtigt werden, bis zu welchem Grad der Drogenkonsum mit einer allgemeinen Vernachlässigung des Körpers verbunden ist, die oft mit verminderten Abwehrkräften einhergeht.
Opiate: Allgemeine Verminderung der körperlichen Abwehrkräfte, vor allem gegen Infektionskrankheiten. Hingegen keine systematischen Zerstörungen bestimmter Organsysteme. Vor allem wenn Opiate intravenös gespritzt werden, kommt es durch unsteriles Vorgehen und durch unkontrollierte Beimischungen oft zu Verstopfung von Blutgefässen, Schock durch körperliche Abwehrreaktion sowie zu schweren Leberentzündungen (Hepatitis) und zu HIV-Infektion.
Kokain: Abnahme der körperlichen Abwehrkräfte und Leistungsfähigkeit. Schädigung von Nasenschleimhaut und Nasenscheidewand (durch Schnupfen des Stoffes).
Cannabis: Die bekannten Raucherschäden, vor allem Störungen der Lungenfunktion, chronische Bronchitis und Lungenkrebs. Über sonstige schädliche Auswirkungen ist noch nichts Sicheres bekannt.
Halluzinogene: Spezifische körperliche Schäden sind nicht bekannt. Amphetamine: Schlafstörungen und verminderte körperliche Abwehrfähigkeit.
Barbiturate: Nicht selten Gleichgewichts- und Sprechstörungen. Auch möglich sind Leberfunktionsstörungen und Knochenmarkschädigungen mit Blutveränderungen.
Alkohol: Wirkt als Gewebegift auf das gesamte Nervensystem (Auftreten von Lähmungen und Beeinträchtigung der Hirnleistung) sowie auf die Leber (Leberverhärtung), auf den Magen (Magengeschwür) und auf das Herz (Herzmuskelschäden).
Nikotin: Chronische Schleimhautreizungen im Rachen- und Lungenbereich, damit erhöhte Anfälligkeit für Infektionen (Bronchitis) und Lungenkrebs. Schädigung der Blutgefässwände und Durchblutungsstörungen können zur Zerstörung von Gewebe und ganzen Organen führen (Raucherbein, Herzinfarkt).
Tranquilizer: Störungen im Bereich der vegetativen Regulation möglich (Schwindel, Verstopfung u. a.).
Psychische Folgen bei Dauergebrauch
Im Vordergrund der langfristigen psychischen Folgen steht bei fast allen Drogen die sogenannte suchtbedingte Wesensveränderung, die sich in der Veränderung von psychischen Funktionen wie Aufmerksamkeits- und Konzentrationsfähigkeit, Durchhaltevermögen, intellektuelle und andere Leistungsfähigkeit äussert. Sie sind zum Teil durch die Giftwirkung bedingt, zum Teil aber auch durch die psychischen und sozialen Folgeerscheinungen der Sucht.
Opiate: Relativ rasch eintretende suchtbedingte Wesensveränderung. Ausgeprägte Beeinträchtigung durch körperliche und psychische Entzugserscheinungen, die auftreten, sobald die gewohnte Morphinwirkung ausbleibt.
Kokain: Suchtbedingte Veränderungen der Persönlichkeit sind häufig und treten relativ rasch auf. Chronische Vergiftungspsychosen kommen vor.
Cannabis: Suchtbedingte Veränderungen der Persönlichkeit sind möglich, um so eher, je häufiger und in je konzentrierterer Form Cannabis konsumiert wird. Halluzinogene: Die Ausbildung einer suchtbedingten Wesensveränderung ist bei der derzeitigen Verwendungsart selten.
Amphetamine: Starke suchtbedingte Wesensveränderungen sind nicht selten. Risiko langdauernder Zustände von Verfolgungswahn, die unter Abstinenz zurückgehen können.
Barbiturate: Das hohe Abhängigkeitspotential führt verhältnismässig häufig und rasch zu suchtbedingter Wesensänderung: Gleichgültigkeit, Interesselosigkeit, Leistungseinbusse. Im Entzug kommt es oft zu Verwirrungszuständen.
Alkohol: Im Vordergrund steht die suchtbedingte Wesensänderung, wobei der intellektuelle Abbau bis zu Zuständen eigentlicher Verblödung gehen kann. Die Wahrscheinlichkeit dieser Folgen ist individuell verschieden, aber grundsätzlich um so grösser, je mehr und je häufiger konsumiert wird. Als Folge chronischen Alkoholismus können auftreten: Delirium tremens (sogenannter Säuferwahnsinn), dauernde Sinnestäuschungen, Eifersuchtswahn u. a. Sie sind zum Teil unter Abstinenz wieder heilbar.
Nikotin: Allenfalls verminderte Leistungsfähigkeit und erhöhte Ermüdbarkeit bei chronischem Missbrauch.
Tranquilizer: Durch Sucht bedingte Wesensveränderungen kommen vor.
Soziale Auswirkungen
Die sozialen Auswirkungen sind nur bedingt eine Folge der pharmakologischen Eigenschaften von Drogen. Eine nicht zu unterschätzende Rolle spielt die gesellschaftliche und kulturelle Einbettung sowie die Reaktion der Gesellschaft. Ebenfalls wesentlich sind Wirkungsdauer der Droge, Grad der Abhängigkeit, die toxische Wirkung auf das Zentralnervensystem (z. B. mit Verminderung der Aufnahme- und Leistungsfähigkeit) und Persönlichkeitsfaktoren des Konsumenten.
Opiate: Verhältnismässig häufig sind - mitunter in schwerstem Ausmass - soziale Verwahrlosungserscheinungen. Die Beschaffungs- und Begleitkriminalität, die den Nachschub des Stoffes sichern soll, hängt in erster Linie mit den hohen Preisen und der Illegalität der Droge zusammen.
Kokain: Soziale Folgeerscheinungen sind vor allem die Auswirkungen der verminderten Konzentrations- und Leistungsfähigkeit, aber auch des verminderten Verantwortungs- und Pflichtgefühls. Gelegentlich kommen auch Verwahrlosungserscheinungen und Erwerbsunfähigkeit vor.
Cannabis: Unerwünschte soziale Folgen sind eher die Ausnahme. Inwieweit es sich dabei um eine direkte Folge des Cannabiskonsums handelt und wieweit um eine Folge der gesellschaftlichen Reaktion auf diesen Konsum, ist umstritten.
Halluzinogene: Unerwünschte soziale Folgeerscheinungen werden sehr selten beobachtet.
Amphetamine: Bei einem ausgeprägten Suchtverhalten besteht das hohe Risiko von sozialer Verwahrlosung infolge verminderter Leistungsfähigkeit, Reizbarkeit und/oder Gleichgültigkeit.
Barbiturate: Bei einer suchtbedingten Wesensänderung kommt es zu entsprechenden sozialen Folgen mit Verlust der Erwerbsfähigkeit und allenfalls Delinquenz.
Alkohol: Bei einer suchtbedingten Wesensänderung kommt es häufig zu schwerwiegenden sozialen Auswirkungen mit beruflichem Abstieg bis zur langfristigen Hospitalisierungsbedürftigkeit. Ausserdem führt der chronische Alkoholismus vermehrt zu Unfällen, Krankheitsanfälligkeit, Beziehungsstörungen usw.
Nikotin: Soziale Folgen wegen körperlicher Minderleistung und eventueller Invalidität.
Tranquilizer: Alle sozialen Folgeerscheinungen suchtbedingter Wesensänderung einschliesslich Verwahrlosungszuständen sind möglich.
Symptome der Überdosierung
Ein Vergleich der körperlichen Gefahren der akuten Vergiftung wird dadurch erschwert, dass das Risiko meistens dosisabhängig ist. Bei intravenöser Einspritzung von Opiaten tritt eine tödliche Überdosierung häufiger auf als bei anderen Formen des Drogenkonsums. Die geringsten Risiken in dieser Hinsicht bieten Cannabis und Halluzinogene sowie Tabak. Bei der Mehrzahl der beschriebenen Drogen spielt die Atemlähmung bei Überdosis eine Rolle.
Opiate: Hauptgefahren sind lähmende Wirkungen auf das Atemzentrum, die ? je nach Dosis ? tödlich sein können. Auch Lungenschädigungen werden beschrieben.
Kokain: Im Fall akuter Vergiftung ist bei Überdosierung Tod durch Atemlähmung möglich. Bei geringer Dosierung können Störungen des Blutdrucks und der Atmung und allenfalls Krampfanfälle auftreten.
Cannabis: Abhängig von Dosierung und Konzentration des Wirkstoffes mehr oder weniger geringfügige Störung im Bereich der Herztätigkeit oder im Magen-Darm-Bereich, Reizung der Bronchialschleimhaut. Keine Lebensgefährdung belegt.
Halluzinogene: Keine sicheren körperlichen Folgen der akuten LSD-Vergiftung bekannt. Amphetamine: Veränderungen von körperlichen Funktionen (u. a. Blutdruckerhöhung, vermehrte Atemtätigkeit, Temperaturerhöhung), bei höherer Dosierung (starke individuelle Unterschiede) auch Krampfanfälle oder Tod.
Barbiturate: Dämpfung des zentralen Nervensystems, bei höherer Dosis stark einschläfernde Wirkung. Überdosierungen führen zu Atemlähmung und Tod, allenfalls zu langdauernden Lähmungen.
Alkohol: Störungen im Bereich der Kreislaufregulation, der Herztätigkeit, auch Störungen des Gleichgewichtssinnes und des Sprechvermögens. Bei höherer Dosierung Tod durch Atemlähmung.
Nikotin: Wirkungen auf das vegetative Nervensystem (Herz/Kreislauf, Magen/Darm). Beeinträchtigt Sauerstoffversorgung vor allem im Gehirn und am Herz. Bei Überdosierung Krämpfe, denen Atemlähmung folgen kann (durch normale Inhalation nicht möglich).
Tranquilizer: Vor allem in höheren Dosen erfolgt eine dämpfende Wirkung auf das Zentralnervensystem; bei Überdosierung tritt Tod durch Atemlähmung ein.
Diese Aufstellung der Wirkungen einzelner Drogen basiert auf den entsprechenden Ergebnissen im Bericht über die «Aspekte der Drogensituation und der Drogenpolitik in der Schweiz», der 1989 vom Bundesamt für Gesundheitswesen veröffentlicht worden ist. Die Ergebnisse sind bezüglich Forschungsstand und Konsens die aktuellsten. Dabei ist anzumerken, dass es klare Unterscheidungskriterien nicht gibt, denn die körperlichen, psychischen und sozialen Gefahren variieren nach Art und Konzentration der konsumierten Drogen, nach individuellen und gesellschaftlichen Gegebenheiten und auch nach Dauer und Intensität des Konsums. Damit auch Vergleiche zu den Auswirkungen des Konsums legaler Drogen möglich sind, werden die wichtigsten psychoaktiven Substanzen aus diesem Bereich mitberücksichtigt.