NZZ Folio 02/03 - Thema: Haushalt   Inhaltsverzeichnis

Heim und Hobby -- Heisse Öfen

Von Joni Müller
BIS WEIT IN die zweite Hälfte des vergangenen Jahrhunderts hinein war bei uns die Holz- beziehungsweise Kohleheizung noch durchaus verbreitet. Selbst in der Stadt gab es viele Wohnungen, die statt mit einer Zentralheizung mit einem Ofen in jedem einzelnen Zimmer erwärmt wurden.

Das galt damals noch keineswegs als romantisch und gemütlich, sondern nur als altmodisch und unpraktisch. Denn Holz, Kohle und Briketts in den fünften Stock zu schleppen, betrachtete man nicht als Fitnesstraining, sondern als lästige Mühsal.

Ob die Erdöllobby schuld war oder nur der Zeitgeist, verbunden mit dem Wunsch nach mehr Komfort, bleibt unklar. Jedenfalls verschwanden die Holzöfen in den sechziger Jahren fast vollständig. Bald schon begannen jedoch manche dem trauten Knistern und Knacken des lebendigen Feuers nachzutrauern und sehnten sich nach einem offenen Kamin, an dem sich mit oder ohne Bärenfell stilgerecht unaussprechliche Single-Malt-Whiskies geniessen und in dunkles Leder gebundene Klassiker lesen liessen.

Ein seltsames Bedürfnis, das die Immobilienbranche aber nur allzu gern befriedigte und darum Eigenheime sowie teure Wohnungen gnadenlos und landesweit mit Cheminées versah. Weit schlimmer als der offene Kamin, der im besseren Fall wenigstens nur ein schwarzes Loch ist, präsentieren sich jeweils die obligaten Accessoires aus Schmiedeeisen sowie die unsäglichen Funkenfänger, die ängstliche Parkettbesitzer vor das Feuer stellen.

Irgendwann setzte sich schliesslich die Erkenntnis durch, dass Cheminées reinste Energieverschwendung sind und höchstens das Gemüt erwärmen, aber nicht die Stube. Weshalb sie schlecht zur trendigen Solaranlage oder zur angesagten Erdwärmesonde passen.

Weil sich das künstliche Cheminéefeuer bei uns nie richtig durchsetzen konnte, wählt man heute meist den sogenannten Schwedenofen, der Gemütlichkeit und Energieeffizienz ideal verbindet. «Der Schwedenofen hat sich zum Feuermöbel der Superklasse gemausert, und den Ideen des Bauherrn sind keine Grenzen mehr gesetzt», verkündet die Werbung und hat leider recht.

Manche Modelle sehen aus wie Kleintierkrematorien und wecken Wehmut nach dem guten alten Ofen, der einfach nur warm gab.

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