Lebewesen wollen Ewigkeit. Wenn das so ist und Darwin Recht hatte mit der Annahme, dass alles, was lebt, sich möglichst effizient fortpflanzen und so den eigenen Tod besiegen soll, dann sind Blattläuse, Wasserflöhe, Sackmotten sehr erfolgreich: Souverän, ohne männliche Hilfe, klonen sie sich selbst aus ihren Eizellen und bleiben ewig jung.
Warum gibt es dann überhaupt Männchen? Zur Erneuerung des Erbguts, antworten Evolutionsbiologen nüchtern. Denn erst durch Paarung entstehen Kinder, die von ihren Eltern verschieden sind. Sex und zwei Geschlechter seien das Gleitmittel der Evolution.
Welche Vielfalt die Evolution diesbezüglich hervorgebracht hat, erzählt etwa Michael Mierschs Lexikon zum Sexualleben der Tiere:
Bei den Mormonenheuschrecken ist es so, dass die Männchen die Weibchen hochheben und ihr Gewicht, das Auskunft über die Anzahl der Eier gibt, schätzen. Befindet das Männchen das Weibchen als zu leicht, gibt es seinen Samen nicht her.
Nordamerikanische Strumpfbandnattern machen Gruppensex. Bis zu 100 Männchen umschlängeln das Weibchen, das sich nur mit einem paaren wird. 15 Prozent der Männchen werden so zu listigen Transvestiten: Um ihre Konkurrenten zu verwirren, geben sie weibliche Duftstoffe ab.
Bei den Hummern ist das Weibchen initiativ, es besucht den Auserwählten in seiner Höhle. Beide beschnuppern sich wochenlang. Irgendwann stösst das Weibchen seinen Panzer, der die Geschlechtsöffnung versperrt, ab. Es ist jetzt ganz weich und verletzlich. Die Paarung dauert nur Sekunden.
Unter Fischen ist Transsexualität häufig. Wenn etwa bei den Anemonenfischen das Weibchen verschwindet, wechselt das Männchen sein Geschlecht und vermählt sich mit einem Nachbarn.
Kamelhengste bekämpfen sich zur Paarungszeit so heftig, dass es Tote geben kann.
Schimpansenmännchen kämpfen sehr aggressiv um den Alpha-Rang und verbreiten dabei Angst und Schrecken. Oft entspannen sie sich erst, wenn ein Weibchen sich dem Angreifer sexuell anbietet.
So viel zu den Tieren. Wer wissen will, was der grosse kleine Unterschied bei den Menschen alles hervorgebracht hat, wie er Geschichte, Medizin, Religion, Psychologie, Philosophie, Gefühle und Alltag bestimmt, der lese dieses Heft.