NZZ Folio 10/05 - Thema: Reich und Schön   Inhaltsverzeichnis

Vereinsleben -- Eintagsfliegen

Von Mikael Krogerus

Patrick Vollenweider, Sie sind Präsident des MIP-Clubs. MIP steht für Most Important Person. Ein narzisstischer Verein?

Nein, nein, das ist eine Ableitung von VIP (Very Important Person). Ich las in den bunten Wochenmagazinen jeweils über die VIP-Anlässe, zu denen immer nur die Promis eingeladen werden. Ich fragte mich: Kann man so etwas nicht erleben, ohne vermögend zu sein?

Nein.

Doch! Jeder kennt doch jemanden, der jemanden kennt, der einen günstig oder gratis irgendwo reinbringt. Die Kontakte der MIP-Club-Mitglieder bilden eine Plattform, von der aus wir Events arrangieren. Unser Ziel ist es, jeden Monat einen Event anzubieten, den man sonst nicht besuchen könnte.

Was sind das für Events?

Zum Beispiel die Premiere der Marco-Rima-Show oder eine viertägige Reise nach St-Tropez mit Bootsrundfahrt, Golfplatzbesichtigung und Weindegustation. Toll war auch «Weltklasse in Zürich», wir hatten die besten Plätze. Oder der Formel -1 -Grand-Prix in Ungarn, wir durften durch die Boxengasse schlendern. Für die vier Tage im Hotel und für die Tickets bezahlten wir nur die Hälfte des Normalpreises.

Wie schaffen Sie das?

Wir kannten Hotel und Ticketbüro, die sind vor Ort 50 Prozent billiger. Der Kontakt entstand über einen meiner Kunden, ich bin in der Versicherungsbranche tätig.

Welche Berufsgattungen sind ansonsten in Ihrem Verein vertreten?

Im Moment sind wir fünf Mitglieder. Zwei sind in der Versicherungsbranche tätig, einer selbständig im Stahlhandel, dann haben wir einen Lokomotivführer und eine Krankenschwester. Aber uns liegen rund 300 Bewerbungen auf Mitgliedschaft vor. Jetzt muss das Gründungsgremium entscheiden, wen wir aufnehmen wollen.

Nach welchen Kriterien wählen Sie aus?

Wir wollen die Kandidaten persönlich kennenlernen. Für uns zählt nicht die Dicke des Portemonnaies oder die Breite des Bekanntenkreises, sondern reine Sympathie.

www.mipclub.org


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