Kopfhaare In der Jugend dicht, im Alter meist gelichtet. Die männliche Glatze entsteht durch hormonelle Hemmung des Haarwachstums. Die Neigung zur Glatze wird vererbt, und das verantwortliche Hormon heisst Dihydrotestosteron, ein chemischer Abkömmling des Testosterons.
Auge Etwa bei jedem zehnten Mann findet sich eine Rot-Grün-Blindheit oder Rot-Grün-Schwäche. Dies ist nur bei jeder 200. Frau der Fall. Der Grund für die Differenz: Das für die angeborene Farbsehschwäche verantwortliche Gen liegt auf dem X-Chromosom. Da Männer nur eins davon besitzen, können sie eine defekte Variante nicht kompensieren.
Nase Männer können schlechter riechen als Frauen. Der Grund dafür ist weniger die Nase als das bessere sprachliche Benennungsvermögen der Frauen, das sich auch auf die Geruchserkennung auswirkt.
Gaumensegel Schnarchen entsteht, wenn im Schlaf die Muskeln in Mund und Rachen erschlaffen, der Mund sich öffnet und Turbulenzen im Atemstrom Gaumensegel und Zäpfchen in Schwingung versetzen. Weibliche Geschlechtshormone beugen möglicherweise der nächtlichen Muskelerschlaffung vor, daher schnarchen Frauen seltener als Männer. Auch der grössere Alkoholkonsum der Männer trägt zum Absinken der Muskelspannung und damit zur höheren Schnarchrate bei.
Muskeln Männer wie Frauen haben rund 400 Muskeln. Die Gesamtkörpermuskelkraft des Mannes ist gleichwohl um rund 50 Prozent grösser als die der Frau. Auch die Verteilung der Gesamtkörperkraft auf die einzelnen Muskelgruppen unterscheidet sich: Während Frauen ihre Kraft vor allem in den Beinen haben, besitzen Männer auch starke Arme.
Leber Das Enzym Alkoholdehydrogenase, das Alkohol abbaut, ist bei Männern leistungsfähiger als bei Frauen.
Magen Bei neugeborenen Jungen ist der Magenausgang mitunter verengt (Pylorusstenose) es kommt zwei bis vier Wochen nach der Geburt zu schwallartigem Erbrechen. Mädchen sind von dieser Fehlbildung, die meistens eine Operation nötig macht, deutlich seltener betroffen.
Gehirn Das männliche Hirn wiegt durchschnittlich 130 Gramm mehr als das weibliche. Jedoch ist bei Männern das relative Hirngewicht kleiner: Männer haben pro Kilo Körpergewicht 20, Frauen dagegen 22 Gramm Gehirn. Männer haben ein besseres räumliches Vorstellungsvermögen, als Jungen haben sie häufiger eine Lese- und Rechtschreibschwäche (Legasthenie) und sind häufiger autistisch.
Ohren Das Gehör der Frauen gilt als empfindlicher, lediglich das Richtungshören ist bei Männern stärker ausgeprägt eine Differenz, deren Ursache möglicherweise in der unterschiedlichen neuronalen Verarbeitung akustischer Signale begründet ist. Weiteres Männermerkmal: Im Alter wachsen Haare aus ihren Ohren.
Kehlkopf Durch den Einfluss des Testosterons wächst in der Pubertät der Kehlkopf, die Stimmlippen verlängern sich um vier bis zehn Millimeter und schwingen jetzt langsamer. Die Stimme sinkt um eine Oktave. Zudem senkt sich der Kehlkopf im Zuge des allgemeinen Wachstums ab, kommt näher an den Brustkorb. Die Stimme erhält ihre männliche Brustresonanz. Diese Prozesse dauern etwa ein Jahr, in dem die Stimmlippen teilweise ungleichmässig schwingen, die Stimme «brüchig» ist. Auch bei Mädchen wachsen die Stimmlippen in der Pubertät, allerdings deutlich weniger. Die Stimme sinkt nur um eine Terz oder Quart.
Herz Der männliche Herzinfarkt ist anders als der weibliche. Er macht sich durch heftige Brustschmerzen bemerkbar, die in den linken Arm ausstrahlen. Die Symptome bei Frauen sind oft Atemnot, Müdigkeit, Schwindel oder Magenbeschwerden. Unterschiede in der elektrischen Herzerregung sorgen ausserdem dafür, dass Männer und Frauen nicht gleich auf gewisse Medikamente reagieren: Antibiotika oder Psychopharmaka lösen bei Männern seltener Herzrhythmusstörungen aus als bei Frauen; Aspirin schützt Männer vor Herzinfarkten, Frauen dagegen vor Schlaganfällen.
Arm Männer haben längere Arme als Frauen. Dafür sind Frauen beweglicher; sie können den Ellbogen um durchschnittlich 6 Grad weiter überstrecken als Männer.
Hand Der Ringfinger ist länger als der Zeigefinger. Bei Frauen ist es gerade umgekehrt.
Bauch Männer setzen Fett zuerst am Bauch an (androide Fettverteilung), Frauen an den Hüften (gynoide Fettverteilung). Das Bauchfett erhöht das Risiko von Herzerkrankungen, das Hüftfett schlägt eher auf die Gelenke.
Bauchnabel Hier findet sich oft ein Fussel. Die männlichen Bauchhaare wachsen grossenteils Richtung Nabel und transportieren Textilfasern zum Bauchmittelpunkt.
Leiste Während der Embryonalentwicklung wandert der Hoden aus der Bauchhöhle in den Hodensack hinab. Dadurch bleibt eine Schwachstelle in der Bauchwand. Sie begünstigt den bei Männern häufigen Leistenbruch, bei dem sich eine Darmschlinge durch die Bauchwand hervorwölbt und eingeklemmt wird.
Stoffwechsel Das Risiko einer Cholesterinstoffwechselstörung ist bei Männern höher. Bei Frauen dagegen üben die weiblichen Geschlechtshormone bis zur Menopause einen positiven Effekt auf den Cholesterinstoffwechsel aus das «gute» HDL-Cholesterin ist bei ihnen vermehrt vorhanden.
Blut Es gibt fast nur männliche Bluter. Das Gen für die Bluterkrankheit liegt auf dem X-Chromosom. Da Männer nur eines besitzen, können sie eine defekte Variante nicht kompensieren (vgl. Auge: Rot-Grün-Blindheit).
Haut Männerhaut ist dicker und enthält mehr Kollagen, weshalb sie später altert. Sie hat ausserdem mehr Talgdrüsen, ist deshalb in jüngeren Jahren fettiger. Männer schwitzen mehr.
Unterhautgewebe Es enthält weniger Fett als jenes der Frauen. Das Gesamtkörperfett macht bei Männern rund 15, bei Frauen etwa 25 Prozent des Gewichts aus.
Chromosomen Das Y-Chromosom beherbergt rund 80 Gene, das X-Chromosom dagegen gut 1000. Die meisten seiner Erbanlagen hat das Y-Chromosom im Lauf der Evolution verloren. In fünf bis zehn Millionen Jahren könnte das Y-Chromosom völlig verschwunden sein. Das wichtigste Gen auf dem Y-Chromosom, abgekürzt SRY, bringt beim männlichen Embryo die Hodenentwicklung in Gang. Erst unter dem Einfluss verschiedener Hodenhormone bilden sich ab der siebten Schwangerschaftswoche die männlichen Geschlechtsorgane. Ein Teil der für die Produktion der Samenzellen notwendigen Gene liegt auf dem X-Chromosom.
Schönheit Als attraktiv gelten Männer mit symmetrischem Gesicht, feinen Händen, knackigem Po und langen Beinen. Brust- und Bauchhaar ist derzeit eher out. Der «Macho-Typ» mit markantem Unterkiefer und Kinn, starken Oberarmen, breiten Schultern und schmalen Hüften wird nach manchen Studien von Frauen während des Eisprungs als besonders attraktiv empfunden.
Penis Ein durchschnittlicher Penis ist im erschlafften Zustand zwischen 7 und 10 cm lang, im erigierten 11 bis 17 cm. Zu beachten ist, dass je nach Untersuchung die Ergebnisse variieren: Wird tatsächlich gemessen und nicht nur nach der Grösse gefragt, sind die Werte ein bis zwei Zentimeter kleiner.
Hoden Der Mann produziert pro Tag rund 100 Millionen Spermien. Pro Ejakulation werden zwischen 40 und 240 Millionen ausgestossen; wenn keine Ejakulation erfolgt, zerfallen die Samenzellen und werden vom Organismus rezykliert. Die Frau dagegen wird mit ihrem gesamten Vorrat an (unreifen) Eizellen geboren, kurz nach der Geburt hat sie etwa 400 000 bis 500 000. Pro Ovulationszyklus wird meist nur ein Ei-Follikel sprungreif, manchmal sind es zwei (weshalb es zweieiige Zwillinge geben kann). Über das Leben verteilt, springen nur einige hundert Eizellen, die meisten zerfallen. Obwohl der Mann im Gegensatz zur Frau bis ins hohe Alter zeugungsfähig bleibt, nimmt wahrscheinlich die Beweglichkeit und Menge der Samenzellen im Laufe des Lebens ab. Insgesamt hat sich die Samenqualität in den letzten Jahrzehnten verschlechtert. Eine Ursache könnte in der zunehmenden Verbreitung von Umweltchemikalien liegen, die im Körper wie Hormone wirken.
Prostata Wegen einer Vergrösserung des Organs haben Männer im Alter oft Schwierigkeiten beim Urinieren. Frauen haben keine Prostata.
Hüften und Beine Männer haben fast nie Zellulitis, denn die Fasern des Bindegewebes sind stärker vernetzt, fester und weniger dehnbar als bei Frauen. Auch Krampfadern sind wegen des stärkeren Bindegewebes seltener. Im Schnitt sind Männerbeine kürzer und dünner als Frauenbeine.
Füsse Männer haben, auch bei gleicher Körpergrösse, längere und breitere Füsse als Frauen.
Lebenserwartung Ein heute in der Schweiz geborener Junge hat eine Lebenserwartung von 77,9 Jahren, ein Mädchen von 83 Jahren. Ein Grund für die Differenz könnte darin liegen, dass auch bei gesunden Männern das Herz zwischen dem 18. und dem 70. Lebensjahr bis zu einem Viertel seiner Leistungsfähigkeit verliert. Das Herz einer gesunden Frau bleibt dagegen bis ins hohe Alter fast gleichbleibend leistungsfähig. Eine andere Hypothese besagt, dass der im Schnitt grössere männliche Körper schneller seine genetischen Ressourcen erschöpft. Hinzu kommt ein riskanterer Lebensstil der Männer mit mehr Autounfällen sowie grösserem Alkohol- und Zigarettenkonsum.
Grösse und Gewicht In der Schweiz ist der Mann im Durchschnitt 176 cm gross und 76,7 Kilo schwer. Die Frau: 164 cm und 62,7 Kilo.
Martin Lindner ist Arzt und freier Wissenschaftsjournalist in Berlin.
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