AUF DER SUCHE nach Manifesten und Manifestationen der sexuellen Revolution im Amerika der sechziger Jahre, die es in der Sicht ihrer Kritiker gar nie gab (die Spuren der «freien Liebe» seien schon im Schlamm von Woodstock versunken, sagen sie), habe ich in Büchern von damals geblättert. In ihnen wurde die neue Permissivität und Toleranz, wie es sich für eine nachviktorianische Gesellschaft gehört, mit äusserstem Ernst gefordert, mit einem Hang zu extremen Formulierungen und Behauptungen auch. Da gab es, als extremste Form des umgekehrten Puritanismus sozusagen, das Forscherteam Masters und Johnson, das in seinem Labor in St. Louis über Jahre hinweg Paare (verheiratete notabene) kopulieren und masturbieren liess und deren physiologische Reaktionen sekundenbruchteil- und millimetergenau festhielt.
Es gab Alex Comforts Lehrbuch «Joy of Sex», das für die in Erotik nicht sonderlich versierte junge Generation zur Sexbibel wurde und bei Tausenden auf dem Nachttisch oder zumindest neben der Matratze lag. Und da waren, neben den bald zur Pflichtlektüre avancierten feministischen Studien von Betty Friedan, Germaine Greer, Kate Millett, Shulamith Firestone, T-Grace Atkinson und anderen, die Verkünder und Kommentatoren des Zeitgeistes wie Marshall McLuhan, Tuli Kupferberg, Norman Mailer, Parker Tyler, die in Essays mit Titeln wie «The Future of Sex» oder «What Sex Really Is» die Hindernisse, Rückzugsgefechte und «bürgerlichen Mythen» des Establishments notierten. Ihre Texte wurden zu Manifesten der Hoffnung, sprachen sie doch von einer Revolution, die «eigentlich eine Revolution der Liebe» ist, die nicht aufgehalten werden kann und deren «Ergebnisse uns alle überraschen werden» (McLuhan), denn «wenn der Sex sein schönes Haupt erhebt» (Kupferberg) . . .
Parker Tyler mokierte sich über die «heilige Dreifaltigkeit Heterosexualität-Homosexualität-Bisexualität», welche die konservative Gesellschaft «bis zum letzten Atemzug wie einen Schatz hüten» werde, auch wenn zuletzt «über deren Zusammenbruch sich niemand wundern» sollte. Doch was die «bürgerlichen Mythen» anging, schrieb Tyler: «Sehen wir genau hin: sie stehen noch.»
Zuletzt stiess ich auf ein mit vielen wütenden Ausrufezeichen versehenes abgegriffenes Taschenbuch: Vance Packards Bestseller «The Sexual Wilderness», eine, wie der Verleger auf der Rückseite annoncierte, «tiefschürfende, provozierende Studie über die sexuelle Revolution in den USA». Dafür hatte der Autor Dutzende von Ländern (zum Vergleich) besucht, Dutzende von Universitätsgeländen abgegrast und Hunderte von Collegeschülern und Studenten befragt. Sogar in Haight Ashbury war der rasende Forscher gewesen und hatte «in einer Kommunen-Loge» mit Hippies gequatscht. Nur um erleichtert festzustellen, dass keineswegs die «moralische Anarchie» auf dem Campus herrscht, dort auch kein vorehelicher Geschlechtsverkehr «grassiert» und die tatsächliche Lage der jungen Generation «im Widerspruch zu den von den Medien insinuierten Extremsituationen promiskuitiven Verhaltens» steht.
Packard, ein begnadeter Langweiler von der methodisch-wissenschaftlichen Sorte, demonstrierte in seiner Obsession mit dem «vorehelichen Geschlechtsverkehr» - den er Jugendlichen nicht empfehlen mochte, da er «keine akzeptable Form des Spiels zwischen attraktiven neuen Bekannten oder gar guten Freunden» sei -, wie puritanisch-verklemmt das «allgemeine» Amerika noch war, wie sehr noch in der Ideologie des «Petting» (alles ausser dem einen) verhaftet, welche mit ihren starren Vorschriften eine junge Generation über Jahrzehnte in Atem hielt. Kein Wunder, dass dann mit öffentlichen Love-ins und Kiss-ins, zumindest symbolisch, dieser Jungfräulichkeitshysterie ein Ende gesetzt wurde. Packard, der auf nichts weniger als eine sexuelle Bestandesaufnahme zielte, erwähnte denn auch mit keinem Wort die der Revolution oder besser: der Rebellion zugrundeliegenden prüden Prämissen wie die Sodomie- oder Ehebruchgesetze, welche noch bis heute in vielen Bundesstaaten sexuelle Experimente und Seitensprünge kriminalisieren.
Niemand, weder die Traditionalisten noch die Avantgardisten, konnte damals freilich ahnen, wie schnell dem promiskuitiven Verhalten, sprich der freien Liebe, ein Ende gesetzt sein würde. Der Aids-Schock der achtziger Jahre, der auf so entsetzliche Weise den «casual sex», dieses harmlose Freizeitvergnügen, in ein Todesurteil umwandeln konnte, liess vergessen, dass schon in den frühen siebziger Jahren mit dem (Wieder-)Aufkommen der Geschlechtskrankheiten und der Herpesinfektion der Sex seine Unbeschwertheit jäh verloren hatte. Noch bevor der konservative Rückschlag einsetzte und die religiöse Rechte mit ethisch-patriotischen Argumenten jedes von der Norm abweichende Verhalten und jede von der Norm abweichende Neigung zu geisseln begann, war sexuelle Freizügigkeit in Misskredit geraten.
So war denn die «Revolution der Liebe» an ihren Komplikationen gescheitert.
«Die Freiheit des Andersseins ist nicht auf Dinge beschränkt, die eher unwesentlich sind. Dies wäre nur der Schatten von Freiheit. Ihre Substanz zeigt sich daran, dass das Recht auf Abweichung auch dort besteht, wo es ins Herz der bestehenden Ordnung zielt.» Dies schrieb 1986 einer der neun höchsten Bundesrichter der USA in seiner abweichenden Stellungnahme zum Urteil des Obersten Bundesgerichts im Fall Bovers vs. Hardwick, in welchem ein gewisser Michael Hardwick aus Atlanta, Georgia, im Bett mit einem anderen Mann erwischt und wegen Verstosses gegen das Sodomiegesetz verurteilt worden war. (Sodomie umfasst in den USA anale und orale Praktiken und wird strafrechtlich verfolgt.) Nachdem Berufung eingelegt worden war, befand das Oberste Bundesgericht, das eigentliche Verfassungsgericht, dass jeder Bundesstaat Gesetze und Verordnungen zum sexuellen Verhalten erlassen könne, im öffentlichen wie im privaten Bereich; mit der Implikation, dass bestimmte Personen, etwa Homosexuelle, kein verfassungsmässig garantiertes Recht auf Privatsphäre haben.
Das Sodomiegesetz, wenngleich nicht allzuhäufig angewandt, ist der Stolperstein für unliebsame Andersartige, es funktioniert als «Homosexuellenparagraph». Auf Lesbierinnen, die kaum eine Gefahr bedeuten für eine Gesellschaft, die gleichgeschlechtliche weibliche Erotik primär als Reizhandlung für Männer wahrnimmt, werden sie denn auch nie angewandt. Wenn Schwule heute explizit einen Bürgerrechtskampf führen, ist dies nur logisch in einem Staat, in dem der einzelne von der Mehrheit, die von Sexualität ebenso fasziniert wie abgestossen ist, durch sein sexuelles Verhalten definiert und ausgegrenzt wird. In einer Nation auch, in der in den sechziger Jahren die sexuelle Revolution lautstark ausgerufen wurde und ihre Verfechter und Verfechterinnen sich zu Massenbewegungen formierten.
Die rechtlichen Errungenschaften der sexuellen Toleranz werden nun Stück für Stück wieder abgebaut. Etwa indem das Oberste Bundesgericht Entscheide und Zuständigkeiten im sexuellen Bereich - Schutz vor Diskriminierung für gleichgeschlechtlich Orientierte, weibliches Recht auf Entscheidung über den eigenen Körper - zurück an die Einzelstaaten delegiert. Dort werden, oft per Bürgerinitiativen und Interventionen fundamentalistischer religiöser Gruppierungen, fortschrittliche (Schutz-)Massnahmen und Verordnungen rückgängig gemacht oder aufgehoben.
So sehen denn die Homosexuellen angesichts dieses Rückschlags ihr Heil und ihre Rettung nur noch in der Aufnahme in die «Civil Rights Act», den Verfassungszusatz, der 1964 - nach langem Bürgerrechtskampf der Schwarzen - die Diskriminierung auf Grund «unveränderlicher Charakteristiken» wie Rasse, Ethnie und Geschlecht für verfassungswidrig erklärte. Die regionalen Massnahmen, die darauf abzielen, die Toleranz gegenüber Homosexuellen zu unterbinden, sind vielfältig: Sie umfassen etwa die Streichung öffentlicher Gelder für Schulen, Universitäten, Bibliotheken, Radiostationen und Filmfestivals, die sich mit dem Thema Homosexualität befassen oder «positive Referenzen» dazu enthalten.
Dadurch wird diese Minderheit, die sich ja oft nur in den gesellschaftlichen Mainstream eingliedern und unauffällig ihr Leben leben will, auf ihre sexuelle Neigung als einziges und unverrückbares Charakteristikum zurückgeworfen. Sie wird gezwungen, sich als stammesähnliche Minorität zu betrachten, sich als auffällige Gruppe mit Sonderrechten, sogenannten «gay rights» anstatt ganz normalen Menschenrechten, in der Gesellschaft zu placieren. In einer Gesellschaft, die die Wandelbarkeit der diffusen Kategorien von Hetero-, Bi- und Homosexualität partout nicht wahrnehmen will.
In dieser zutiefst viktorianischen und gewalttätigen Gesellschaft, welche Sexualität stets mit Gewalt assoziiert und ihr lustvoll-angeekelt eine immense Bedeutung beimisst, geht die liberale Toleranz eng mit Bigotterie einher. Die Homophoben sind mehrheitlich im rechtsextremen Spektrum zu finden, wo sowohl biblisch wie patriotisch-traditionalistisch mit dem Bewahren von «family values» argumentiert wird; bereits wurde ein «nationaler Schlachtplan» zur Bekämpfung von «gay rights» entworfen. Während dieses Lager sich im Grunde nur ehrlich und konsequent verhält mit der Behauptung, Schwule könnten keinen legalen Schutz beanspruchen, solange ihr Verhalten in einer Mehrheit der Staaten als kriminell eingestuft wird, reagieren die Liberalen ausgesprochen hypokritisch. So soll nun in Sachen Schwule und Militär - wo analog zum Zivilrecht Sodomie als strafbares Vergehen und die per Anmeldeformular eruierte Homosexualität als «nicht kompatibel mit dem Militärdienst» gewertet wird - ein höchst fauler Kompromiss ausgearbeitet werden. Nachdem die von Präsident Clinton geplante Aufhebung des Homosexuellenverbots auf massiven Widerstand des Generalstabs und auch des Senats stiess, soll nun einfach nicht mehr danach gefragt werden, nach dem Motto «Don't ask, don't tell». Öffentlich sich zu ihrer Neigung bekennende und sich ungebührlich benehmende Soldaten und Soldatinnen können weiterhin entlassen werden, bleibt doch Homosexualität ein strafbares Vergehen.
Der konservative, von der damaligen puritanischen moralischen Mehrheit getragene Rückschlag in den späteren siebziger und achtziger Jahren bedeutete auch für die Frauen einen Rückschritt. Noch immer kämpfen sie um das «Equal Rights Amendment», um den in die Verfassung aufgenommenen Gleichberechtigungsartikel. Was für die Homosexuellen der Hardwick-Entscheid, war für die Frauen 1989 der Webster-Entscheid, in welchem das zunehmend mit konservativen Richtern bestückte Oberste Bundesgericht das 1973 verfassungsmässig zugestandene Recht auf Abtreibung zur Farce werden liess. Dieser Grundsatzentscheid kann nun jederzeit umgestürzt werden: im Fall Webster vs. Reproductive Health Services wurde dem Staat Missouri das Recht zuerkannt, in öffentlichen und staatlich unterstützten Einrichtungen «nichttherapeutische» Abtreibungen generell zu verbieten.
Die liberalen «Pro-Choicers» und eine neue Generation von Feministinnen sehen sich nunmehr gezwungen, einen defensiven «Abtreibungskampf» gegen die aggressiven und militanten «Pro-Lifers» zu führen. Statt sich auf soziale Forderungen und neue Fragen zu konzentrieren - bezahlter Mutterschaftsurlaub und Tageshorte, pränatale Diagnostik, Sexualaufklärung in den Schulen, Safe-Sex-Praktiken, Adoptionsrecht für Lesbierinnen usw. -, müssen sie sich auf absurde Debatten einlassen - wann beginnt das Leben?-, nur um von einer in der Abtreibungsfrage zutiefst gespaltenen Bevölkerung der Militanz und des Fanatismus bezichtigt zu werden.
Auch Probleme wie sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz, Vergewaltigung und sexuelle Handlungen an Kindern werden in diesem von Prüderie und Hypokrisie beherrschten Land stets in der Konfrontation extremer Gegenpositionen abgehandelt. So soll die 1980 ins Leben gerufene staatliche Kommission «Equal Employment Opportunity Commission» (EEOC) Frauen vor sexueller Anmache schützen, indem gegen das Bürgerrechtsgesetz verstösst, wer «sexuelle Aktivität zur Bedingung für Einstellung oder Beförderung» macht. Doch erst sechs Jahre später kam es zu einem aufsehenerregenden Gerichtsurteil; die meisten Frauen hüten sich, in einem kleiner oder härter werdenden Arbeitsmarkt offiziell Klage zu erheben. Wie wenig Gewicht weibliche Vorwürfe haben, bewies vor zwei Jahren der Skandal um Clarence Thomas und Anita Hill, als die schwarze Juristin Hill ihren früheren Vorgesetzten, den stockkonservativen, seiner Bestätigung als Oberster Bundesrichter durch den Senat harrenden Thomas massiver sexueller Belästigung bezichtigte. Als der Kandidat mit dem Vorwurf konterte, man begehe «high-tech-lynching» mit ihm, war der allmännliche Senat so erschrocken, dass er Thomas zu glauben bereit war. Rassismus ist in den USA alleweil eine schlimmere Sünde als Sexismus.
In einem Land, in dem es Sodomieparagraphen, ein Prostitutionsverbot, Obszönitätsgesetze und eine verlogene Kinozensur durch den mächtigen Filmverband Motion Picture Association of America gibt, der bei jeder erotischen Frivolität ausländischer Filme rote Warnlichter aufblinken lässt, in einem Land, wo es keine Oben-ohne-Strände und keine Büstenhalterreklame am Fernsehen gibt, darf es nicht verwundern, wenn die Extreme sich touchieren. So mussten (und wollten) die feministisch inspirierten Pornogegnerinnen in den siebziger Jahren bei ihrem Feldzug eine unheilige Allianz mit den neuen Sittenwächtern eingehen, um einen Gesetzesparagraphen in einzelnen Staaten einzubringen, der Pornographie zur «strafbaren diskriminatorischen Praxis gegenüber Frauen» deklariert hätte. Den Sittenwächtern lag nicht so sehr der Schutz der Frau vor beleidigender, erniedrigender und die Gewalttätigkeit schürender Pornographie am Herzen, sondern sie ergriffen die Gelegenheit zu Säuberungsaktionen wie der Schliessung von Oben-ohne-Bars, zur Flurbereinigung von Rotlichtdistrikten und zum Verbot obszöner Schriften. Die Linke witterte denn auch schnell eine Bedrohung des «Fifth Amendment», des Rechts auf freie Meinungsäusserung, und distanzierte sich von diesem Feldzug.
Minderheiten und Oppositionsbewegungen werden zu zunehmender Radikalität gezwungen. Ist doch jeder Fortschritt, jede demokratische Errungenschaft von einer Gegenreaktion der gut organisierten, disziplinierten «Christian Right» (mit rund 175 000 zahlenden Mitgliedern) begleitet. Diese sorgt dafür, dass als «Feminazis» verschriene Frauenrechtlerinnen zurückbuchstabieren müssen, und hat am letztjährigen Parteitag der Republikaner gezeigt, wie weit sie mit ihrem offensiven Traditionalismus und ihrem «religious revival» zu gehen gewillt ist. Die militante «Operation Rescue»-Gruppe etwa scheut sich nicht, Kliniken zu bombardieren und in Brand zu setzen sowie Klinikpersonal und abtreibungswillige Frauen physisch zu bedrohen. Für Frauen lebensbedrohliche Formen angenommen haben auch Phänomene wie die ausufernde Pornographie; die Mode, die weibliche Erniedrigung und Masochismus glorifiziert; die neuerdings grassierende Schändlichkeit des «date rape», der Vergewaltigung bei harmlosen Rendez-vous und Parties, auch oder sogar vor allem auf dem Universitätsgelände.
Wie sehr eine prüde Gesellschaft zu Extremen neigt, zeigte sich auch an den hysterischen Hexenprozessen der achtziger Jahre, als nach Jahrzehnten des Schweigens über Inzest und Kinderschändung eine Welle satanischen Treibens über das Land hereinbrach. Hunderte von Kindern in Hunderten von Städten berichteten alle etwa zur selben Zeit von rituellem Missbrauch, Teufelsanbetung, Kannibalismus, Nekrophilie und sexuell perversen Handlungen seitens ihrer Lehrer, Kindergärtner und Babysitter - bis die auffallende Ähnlichkeit der Zeugenaussagen mit den im Bestseller «Michelle Remembers» geschilderten Erlebnissen an deren Wahrheitsgehalt zweifeln liessen. Es gab denn auch keine einzige Verurteilung in diesen Prozessen. Dafür wurde dank einer sensationsgierigen Presse vom sehr realen Tatbestand der Kindsmisshandlung abgelenkt.
Mit einem gewissen Neid betrachten wir aus der Ferne die amerikanische Opposition, die Basisbewegungen, die «direct-action groups», welche Tausende, ja Hunderttausende für Protestaktionen, Paraden, Märsche aufbieten können. Die Frauen, die Schwulen, die ethnischen Minderheiten, die Friedensbewegten, die Umweltschützer: sie alle sind radikaler und entschlossener, dünkt es uns, besser organisiert, militanter, politischer auch. Sie haben eine Lobby in Washington, sie veranstalten Geldsammlungen, sie fallen auf. Die momentan aktivste Gruppe, die Schwulen, geht betont in die Offensive; und mit ihr auch die der radikalen Frauen (nicht zufällig steht an der Spitze der grössten Frauenbewegung, der «National Organisation for Women» eine deklarierte Lesbierin). Sie erklären sich - wie die Schwarzen der frustrierten Assimilationsbestrebungen müde - zur «Queer Nation». Nonkonformismus und Separatismus sind angesagt.
Auch werden junge Menschen, so argumentiert die Feministin Naomi Wolf («The Beauty Myth»), mit einer «massenproduzierten, unmenschlichen und entmenschlichten Sexualität imprägniert». So wird eine Generation herangebildet, «die Sexualität mit Gewalt verwechselt und bei der -date rape- verbreiteter sein wird als Linkshändigkeit, Alkoholismus oder Herzinfarkte».
Vom Love-in zum Rape-in: Das Woodstock in den Herzen und Köpfen ist nur noch eine ferne Erinnerung, eine, so scheint es heute, lächerliche Utopie.
Corinne Schelbert ist Redaktorin der «WochenZeitung» und lebt in Zürich.