NZZ Folio 02/05 - Thema: Normen   Inhaltsverzeichnis

Zerlegt -- Der stille Superstar

© Patrick Rohner
T-Shirt «Sport» , Baumwolle, Isa Bodywear, 19.90 Franken bei Coop. Linktext
Von Jeroen van Rooijen

Am T-Shirt haben sich schon ganze Heerscharen von Designern vergeblich versucht. Das unspektakuläre, unifarbene Leibchen, ursprünglich ein Element aus der Männerunterwäsche und heute der wohl verbreitetste und klassenloseste modische Artikel, kauft man auch im Zeitalter von Gucci und Armani am besten bei denen, die sich schon vor Ausbruch der globalen Label-Mania damit auskannten – bei Wäscheherstellern. Je konservativer, desto besser.

Denn ein T-Shirt muss nicht neu erfunden werden. Es braucht keine «witzigen» Details und schon gar keine Aufdrucke. Es ist seit Jahrzehnten perfekt und unterliegt gottlob nur geringen modischen Veränderungen.

Je einfacher ein T-Shirt aber ist, umso schwieriger wird es, das perfekte Exemplar zu finden. Schliesslich will man als moderner Zeitgenosse nicht in den sackförmigen Dingern der Art erwischt werden, wie sie zum Beispiel Switcher näht. Ein T-Shirt muss nämlich nicht möglichst weit, sondern körpernah getragen werden, alles andere ist eine Pervertierung seines Stammbaums. Einen Bogen machen sollte man auch um alles, was versucht, irgendwie modern und schnittig zu sein, also um jene langweiligen Konfektionäre, die ein flott geripptes V-Neck-Muskelshirt in leicht glänzendem Modal und ähnlichen Humbug anbieten.

Ein verlässliches Indiz für die Güte und den richtigen Schnitt eines T-Shirts ist es dagegen, wenn der Anbieter etwas unmodern rüberkommt. So wie die Firma Isa Sallmann AG aus dem thurgauischen Amriswil. Zwar hat man auch dort der Versuchung nicht widerstehen können, den Firmennamen mit uniformen Zusätzen wie «Bodywear» und «Switzerland» zu verunstalten. Aber sonst ist alles wunderbar altmodisch. Die Verpackung des T-Shirts «Sport» ist sachlich und bringt das Wesentliche auf den Punkt. Die rückseitig aufgedruckten Qualitätsbeteuerungen von Inhaber Andreas Sallmann klingen glaubwürdig und nicht zu anbiedernd.

Das gute Stück findet man dort, wo man es erwartet: bei Coop im Wäscheregal. Es kostet die bescheidene Summe von knapp zwanzig Franken – absolut angemessen für ein Produkt, das dem Idealbild von einem T-Shirt sehr nahe kommt. Es ist aus reiner, nach Öko-Tex-Standard 103 zertifizierter Baumwolle gefertigt. Weil die Wirkware als Schlauch verwendet wurde, hat das T-Shirt keine Seitennähte. Es besteht also aus lediglich drei Schnittteilen: Rumpf und zwei Ärmeln. Der schmale Halsabschluss ist angesetzt, bedarf aber keines speziellen Zuschnitts. Es ist ein gerades Stück Stoff, das mit der patenten, dreifädigen Flatlock-Naht angesetzt wird.

Der Rumpf ist lang genug geschnitten, damit das T-Shirt auch bei grösseren Bewegungen nicht aus der Hose rutscht. Die Ärmel sind körpernah, der Griff des Stoffs vorzüglich weich. Bei Coop lobt man ausserdem den halsfernen Ausschnitt des Shirts. Das Isa-Modell sei jenes, welches am besten unter ein Hemd passe, weil es tief dekolletiert sei und eng am Körper anliege. Dass es nicht nur als Unterhemd, sondern auch solitär absolut einwandfrei aussieht, macht es zum stillen Superstar im Regal des Grossverteilers.




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