NZZ Folio 10/06 - Thema: TV-Serien   Inhaltsverzeichnis

Teleshopping

Einmal pro Jahr treffen sich die Einkäufer der TV-Sender in Los Angeles und feilschen um die neuen Serien. Was Sie morgen amTV sehen werden.

Von Peter Haffner

Jeder hat seine eigenen Vorstellungen von der Hölle. Eine Woche in einen Kinosaal gesperrt zu werden und sich Fernsehserien ansehen zu müssen, gehört zu den grausamsten. Denkt man – bis man zu den L.-A.-Screenings geladen wird, wo die Filmstudios ihre neuen Serien Fernsehleuten aus aller Welt vorstellen. Jedes Frühjahr strömen diese zu Hunderten nach Los Angeles und werden da verwöhnt wie im Himmel.

Es begann mit der Party, die Disney – im Branchenjargon «the mouse house» – am Vorabend schmiss. Im Roosevelt Hotel in Hollywood herrschte ein Gedränge, dass man die Luft hätte aufs Brot streichen können. Was nicht nötig war bei einem Buffet, das für das Publikum von Disneys in zweihundert Ländern ausgestrahlter Erfolgsserie «Desperate Housewives» ausgereicht hätte. Reden waren gehalten, Videoclips und Trailer gezeigt worden mit Küssen, Kämpfen und Karambolagen, und nun hatte man Gelegenheit, den TV-Stars live zu begegnen. Live!

Alle waren sie auf der Bühne gestanden, hatten sich beklatschen lassen und gesagt, wie grossartig die Arbeit, das Team und die Zuschauer seien. Was man sofort auf sich bezog und sich durch das Gewühl pflügte mit dem Teller in der einen, dem Glas in der anderen und dem Fotoapparat in der dritten Hand. Mit einem Gruppenbild – ich und sechs vollreife Hausfrauen! – würde man die Zuhausegebliebenen neidisch machen. Würde – wären sie nicht plötzlich alle verschwunden, als hätte einer die Delete-Taste gedrückt. Nicht einmal der haarige Hurley aus «Lost», der aussieht wie ein Mensch gewordener Big Mac, oder die ruppige Frau Doktor Bailey aus «Grey’s Anatomy», deren nicht minder unübersehbare schwarze Schale ein so gutes Herz verbirgt, wollen sich zeigen. Das einzige bekannte Gesicht, das man sieht, ist das von Roger Schawinski.

Das Schweizer Staatsfernsehen ist mit einer achtköpfigen Delegation vertreten, darunter Michel Bodmer mit seinem Team, zuständig für Spielfilme und Serien. Er wird vorschlagen, was man einkaufen soll. In seinem Metier schlägt Bodmer jede Suchmaschine; ein Stichwort, und schon googelt einem der kahlrasierte Filmkenner herunter, was immer man wissen möchte über eine TV-Serie der Steinzeit oder die Trends der Zukunft.

Gegen fünfzig neue Serien wurden dieses Jahr von den sechs Grossen – Walt Disney, NBC/Universal, CBS/Paramount, 20th Century Fox, Sony, Warner Bros. – vorgestellt: Thriller, Soap-Operas und Sitcoms. Sich ein Bild zu machen, wenn man stundenlang mit Bildern bombardiert wird, will gelernt sein. Es gilt nicht nur, die oft auf ähnlichem Schema basierenden Plots, sondern auch all die Schauspieler auseinanderzuhalten, die sich gleichen wie ein Oscar dem anderen. Bereits nach einem halben Tag raucht einem der Kopf so, dass man fürchtet, von der Security wegen Feuergefahr aus dem Saal gewiesen zu werden.

Im Unterschied zu den anderen grossen Fernsehmärkten in Cannes oder London kann man in Los Angeles tatsächlich sehen, was man ungefähr bekommen wird für sein Geld. Doch es sind Pilotfilme, was heisst, dass man das Gespür dafür haben muss, ob wirklich genug Potential darin steckt: Wird die Story auch über Dutzende von Folgen tragen, oder ist im auf den Werbeeffekt angelegten Auftakt schon alles Pulver verschossen?

Die Studios sind um Antworten nicht verlegen. Sowenig ihre Produktionen eine individuelle Handschrift tragen, so sehr gleichen sich die Anpreisungen – alles ist ganz einfach «phantastisch», «phänomenal», «unglaublich», «umwerfend» oder schlicht «das Coolste, Beste und Stärkste», was je produziert wurde. Kurz vor Los Angeles hatten die TV-Sendernetze in New York ihre neuen Serien den Werbern präsentiert; diese entscheiden, wo sie ihre Millionenbudgets placieren, und damit oft über das Schicksal einer Serie überhaupt. Was schlecht ankommt, geht nicht in Produktion. Das ist der Grund, weshalb für Pilotfilme ein Aufwand betrieben wird, der für spätere Folgen kaum finanzierbar ist. Rasch kann das fulminante Feuerwerk an Action, Pointen und Cliffhangern wieder verpuffen.

Neun Milliarden Dollar Fernsehwerbung hatten letztes Jahr die «upfronts» eingetragen, doch unter den Serien war keine gewesen, die sich dann zu einem Hit wie «Desperate Housewives», «Grey’s Anatomy» oder «Lost» entwickelt hätte. Weshalb die Werber dieses Jahr ihr Checkbuch geschlossen hielten, obschon die Fernsehanstalten nichts unversucht liessen, sie mit verschwenderischen Parties und einem Staraufgebot zu ködern. Während Coca-Cola im Vorjahr 200 Millionen auf den Tisch legte, wartet die Firma wie andere diesmal ab, wie sich die Serien machen werden. Doch das Feuerwerk hat es in sich. Die Mehrzahl der dreissig neuen Dramen und siebzehn Komödien der sechs Studios sind gut bis sehr gut und zeigen erstaunlich wenig Schwachstellen.

Bild zu «Six Degrees»

Erfolge sind zum Erfolgsrezept geworden. «Six Degrees» nimmt die Idee des Renners «Lost» auf, nur dass es diesmal nicht ein Eiland im Südpazifik ist, auf dem das Schicksal Fremde zusammenwürfelt, sondern die Insel Manhattan. «Kidnapped», die Geschichte der Entführung des Teenager-Sohnes eines reichen New Yorker Paares, ist ein serialisierter Thriller in der Tradition von «24». Beide sind sie Episodenfilme mit einem Cliffhanger am Ende der Saison, der garantieren soll, dass die Fans wiederkommen.

Das Konzept hat selbst in Komödien wie «Betty the Ugly» Einzug gehalten. Betty trägt eine Brille mit Gläsern wie Bullaugen, eine Zahnspange von der Grösse einer Panzersperre und würde lachen wie ein Pferd, wenn sie Grund dazu hätte. Hat sie aber nicht, weil sie eigentlich nicht der Typ ist, der in die Redaktion einer Modezeitschrift gehört, deren Mitglieder aussehen, als wären sie im Reagenzglas aufgewachsen. Betty hat den Job als Assistentin des Chefs – gespielt von Eric Mabius, dem gehörnten Ehemann der Lesbenserie «The L Word» – von dessen Vater bekommen, weil sie die einzige Frau im «Big Apple» ist, die er garantiert nicht anbeissen wird.

Am meisten Lacher setzt es bei «Let’s Rob …», einer schrägen Komödie mit gammeligem Dekor, in der Mick Jagger sich selber spielt. Eugene, ein Abwart, der nicht mit dem Silberlöffel im Mund, sondern mit der Plasticgabel im Arsch geboren wurde, stellt eine Gang von Möchtegernkriminellen zusammen, die das Luxusappartement des Rockstars in Central Park West ausrauben möchten. Das dreckige Halbdutzend gibt sich so umwerfend komisch wie hoffnungslos unamerikanisch, während der Stones-Boss ungerührt mit seiner auf sechzehn Grad gekühlten Hutsammlung protzt, einen asiatischen Boy als Hau-den-Lukas missbraucht und haufenweise Tennisbälle aus der goldenen Seidenhose fischt.

Michel Bodmers Team ist sich einig, dass man das gern haben möchte. Und dass man «Lincoln Heights» nicht möchte – diese Quartierserie, in der nur Schwarze spielen, hat für das Schweizer Publikum zu wenig Identifikationsfiguren. «Studio 60 on the Sunset Strip» aus der Feder von Aaron Sorkin, dem Autor von «The West Wing», verspricht zwar Qualität, ist aber vielleicht mit dem Thema, einem Blick hinter die Kulissen eines Fernsehsenders, etwas zu amerikanisch. Doch mit Untertiteln, meinen die Leutschenbacher, könnte man es sich überlegen. «Kyle XY» fände man allenfalls als Vorabendserie für ein junges Publikum tauglich; die Geschichte vom edlen Wilden, der sich durch die moderne Zivilisation staunt, ist gut für jene Sorte Zuschauer, die Rousseau für eine Disco in Moskau halten.

Die Sujets der Saison sind mehr oder minder aktuell. Grossangelegte Verschwörungen gegen einfache Bürger, wie sie etwa «Day Break» oder «Traveler» behandeln, spiegeln den Verlust des Vertrauens in Behörden und Regierung von Bushs Amerika; ein Thema, das auch bei «Six Degrees» und «The Nine» mitschwingt. Schulkameraden, die nach Jahren wieder zusammenfinden, wie in «The Class» oder in «In Case of Emergency», zeugen von der Vereinsamung der mobilen Gesellschaft. Die Szenarien sind amerikanisch, aber als solche auch universell, weil Amerika ja nur vormacht, wohin die Reise geht. Der leise Schock, den empfindet, wer beim Arzt auf dem Formular nicht anzugeben weiss, wer im Notfall angerufen werden sollte, ist Singles in Grossstädten in aller Welt vertraut.

Typisch amerikanisch ist indes, dass die Schauspielerinnen und Schauspieler Gesichter haben, die so makellos sind wie gespritzte Äpfel; der biologisch-dynamische Charakterkopf gehört nicht zu den Stärken dieses Fernsehkinos. Die Dialoge brillieren, aber die Bilder haben keinen Geruch; selbst Blut, Schweiss und Tränen fliessen, als kämen sie aus dem Photoshop von Adobe.

Fernsehserien werden in den USA paradoxerweise immer aufwendiger produziert, weil das Fernsehen selber an Bedeutung verliert. Man sieht sich eine Folge nicht mehr unbedingt an, wenn sie ausgestrahlt wird, sondern wann und wo man will – auf seinem iPod, Handy, Computer oder auf DVD. Das hebt das Niveau; wer bereit ist, für eine Staffel sechzig Franken hinzublättern, erwartet Spielfilmqualität. Sie ist auch der Grund, weshalb das Schweizer Fernsehen amerikanische Serien jetzt im Hauptabendprogramm bringen kann. Der Verkaufserfolg von «24», «Lost» oder «Prison Break» hat das Genre geadelt. Das Schlagwort heisst «Cinematisierung». Höhere Produktionskosten, komplexere Plots und bessere Besetzungen mit vielschichtigeren Charakteren machen, dass Fernsehserien nicht mehr wie Fernsehserien aussehen. Die Studios sind auch risikofreudiger geworden, dank Überraschungserfolgen von Serien wie «Six Feet Under», die eine sonst tabuisierte Unterwelt, jene der Leichenbestatter, gekonnt ins Rampenlicht rückte.

Während früher geklagt wurde, das Seriendrama bringe kein Geld, weil die Zuschauer nach einer verpassten Folge nicht mehr mitkämen und ausstiegen, freut man sich nun über neue Einnahmequellen. Letztes Jahr ist in den USA der Verkauf von Fernsehserien auf DVD laut Angaben des Instituts Adams Media Research um 19 Prozent gestiegen; von «24» wurden bisher 3 Millionen DVD verkauft. Wer frisch einsteigt, kauft sich die Videos früherer Staffeln. Das Wort «Pantoffelkino», einst Spottbezeichnung für das Fernsehen, hat eine neue Bedeutung gewonnen.

Es ist für Schauspieler auch nicht mehr ein Stigma, in TV-Serien mitzumachen. Manche finden, die Arbeit sei da nicht nur spannender und lukrativer, sondern auch dem Ruhm förderlicher. Kiefer Sutherland hat es als Agent Jack Bauer in «24» vorgemacht; Jeff Goldblum soll nun den Polizisten in «Raines» spielen, der mit Toten Zwiegespräch hält, um ihre Mörder aufzuspüren. Alec Baldwin, John Lithgow, Amanda Peet und Matthew Perry sind weitere bekannte Gesichter, die sich eben für neue Serien engagieren liessen.

Gleiches gilt für Regisseure. Spike Lee dreht mit «Shark» die Geschichte eines Prominentenverteidigers, der zum Staatsanwalt wird und alles daransetzt, diejenigen ins Gefängnis zu bringen, die er früher davor bewahrt hat. Paul Haggis, dessen «Crash» dieses Jahr als bester Film mit einem Oscar prämiert wurde, schildert in «The Black Donnellys» das turbulente Leben von vier irischamerikanischen Brüdern in New York. Und was die Honorare betrifft: J. J. Abrams, der «Lost» macht und neu «Six Degrees», kann 100 Millionen Dollar für einen neuen Fünfjahresvertrag mit Disney fordern. Der Sitcom-Star Jerry Seinfeld bekam nach dem Ende seiner Serie gar 110 Millionen angeboten, damit er nur ein Jahr weitermacht – er lehnte ab.

Die Kehrseite der Medaille ist, dass die auf den neuen Medien übergangene Werbung mehr und mehr durch Product-Placement ersetzt wird. In nur einer Woche im März dieses Frühjahrs, schreibt die Zeitschrift «The New Yorker», sei «Shedd’s Country Crock»-Fertignahrung 140 Mal in amerikanischen Fernsehserien zu sehen gewesen.

Etwa 36 verschiedene Serien zeigen die Schweizer jedes Jahr, zwei Drittel davon sind amerikanische. Welche neuen Serien er einkaufen wird, kann Michel Bodmer nach den L.-A.-Screenings noch nicht sagen. Zuerst bleibt abzuwarten, was wirklich in Produktion geht. Dann, was die Deutschen nehmen – selber zu synchronisieren, kann man sich nicht leisten. Zwar untertitelt man bisweilen Serien wie etwa «The Osbournes» oder «The Naked Chef», doch sind die eher für ein Randpublikum. In der Regel dauert es ein Jahr, bis eine amerikanische Serie in der Schweiz anläuft.

Mit «Desperate Housewives» und «Lost» erreichte SF 2 in der Zielgruppe der 15- bis 49-Jährigen letztes Jahr einen Marktanteil von klar über 10 Prozent, was bei der Geschäftsleitung hohe Erwartungen für nachfolgende Serien weckte. Ist der Marktanteil bei SF 1 gut, gibt das mehr Freiraum für risikoreichere Sachen auf SF 2. «Bei Serien muss man Geduld haben», meint Bodmer, «und die hat heute leider oft niemand mehr.» Während er bei Spielfilmen allein entscheiden kann, reden bei den Prime-Time-Serien andere mit. Beny Kiser, Abteilungsleiter Programmdienste und Geschäftsleitungsmitglied, ist mit nach Los Angeles gekommen, um sich selber ins Bild zu setzen.

Wie auch Philippe van Doornick, Chef des sechsköpfigen Telepool-Teams Zürich, das im Auftrag des Schweizer Fernsehens die Verhandlungen für Käufe von Serien und Spielfilmen tätigt. Die Vertriebsfirma Telepool hat ihren Hauptsitz in München; je 26 Prozent gehören der SRG und dem Bayerischen Rundfunk, je 24 Prozent dem SWR und dem MDR. Der grossgewachsene van Doornick ist Kaufmann und Filmfreak in einem, die ideale Kombination für den Job. Als 19-Jähriger hatte er mit einem Kollegen Furore gemacht bei «Wetten, dass …», als die beiden bewiesen, dass sie anhand eines fünfsekündigen Filmausschnitts 500 Spielfilme erkennen können. Van Doornicks Geschmack ist etwas bodenständiger als der von Bodmer, aber was Serien angeht, sind sie nicht weit auseinander.

Rund zehn Millionen Franken gibt das Schweizer Fernsehen jährlich für Serien aus; mit 150 Franken pro Sendeminute gehören sie zu den günstigeren Programmen des Senders. Es braucht einiges Geschick, will man sich als Schweizer im TV-Geschäft angesichts zweier gleichsprachiger und mächtigerer Nachbarländer behaupten. Die deutschen Privatsender ProSieben, RTL und Sat1 muss man überzeugen, dass sie werbemässig nicht verlieren, wenn ihre Serien auch in der Schweiz und da womöglich noch früher kommen. Die US-Produzenten muss man überzeugen, dass man als kleines Land nicht nur wenig zahlen kann, sondern die Sache auch im Original braucht für die Nutzung im Zweikanalton. Was irrige Befürchtungen weckt, man strahle zum Untertarif über das Sendegebiet hinaus in die halbe Welt. «Typisch Sonderfall Schweiz», meint van Doornick, der diese Art von Geschäften liebt, die nur möglich sind in einem Kreis, in dem man sich kennt, einander vertraut und mit offenen Karten spielt.

Der Kampf um die Free-TV-Premieren hat sich zugespitzt. Auch wenn in Deutschland, Österreich und der Schweiz alle gleichzeitig mit der Ausstrahlung einer Serie beginnen können, ist der Sender, der die Synchronfassung herstellt, in der Position des Stärkeren. Und das ist in der Regel ein deutscher Privatsender. Die Schweizer und Österreicher müssen sich trotz gleicher Lizenzzeit der Planung der Deutschen beugen. Wenn sie die Synchronfassung erst liefern, wenn sie selber zur Ausstrahlung bereit sind, wird es eng. «Desperate Housewives», synchronisiert von ProSieben, traf am Freitag ein, am Montag war Ausstrahlung – wäre es schiefgelaufen, wären mehr als ein paar Hausfrauen verzweifelt gewesen. ProSieben und die Kunden der dort placierten Schweizer Werbefenster hätte es freilich gefreut, wenn SF die Vorausstrahlung eingebüsst hätte.

Wie Bodmer findet auch van Doornick, dieses Jahr sei in L. A. nichts dabei gewesen vom Kaliber von «Prison Break» und «House», die letztes Jahr, oder gar von «Lost» und «Desperate Housewives», die vorletztes Jahr Furore machten – geschweige denn von «24», das 2002 ein neues Kapitel Fernsehgeschichte eröffnete. Was nur heisst, dass die Pflöcke gesetzt sind. Die Formen werden mit neuen Inhalten gefüllt, und wieder kann man nur staunen über das Aufgebot an Helden und Schicksalen. Liebespaare, die sich lieben und paaren wie Plüschkaninchen; Anwälte, die durch Gerichtssäle schreiten wie Sondereinsatzkommandos; Chirurgen, die aus dem OP treten und ihre Gesichtsmasken ablegen wie Cowboys das Pistolenhalfter – und alle sind sie so schlagfertig, dass sie eine höhere Stufe der Evolution repräsentieren müssen als der Homo helveticus.

Zu Hause wird man die Notizen zu entziffern versuchen, die man im Dunkeln gemacht hat mit den ozeanblau strahlenden Leuchtkugelschreibern, die im Kinosaal über das Papier glitten wie Quallen in der Tiefsee. Man wird sich einzelner Szenen erinnern, einzelner Gestalten und sogar an ein paar der schönen Autos, die wieder einmal kaputtgingen. Man verlässt L. A. in jeder Beziehung reicher. Bei Walt Disney gab’s die erste Tasche, einen roten Rucksack, den man so freudig in Empfang nahm wie später die braune Lederumhängetasche von Universal, den silbernen Rucksack von 20th Century Fox und die schwarze Lederumhänge-Rucksacktasche der Warner-Brüder. Wenn alles schiefgeht im Leben, tröstet man sich, kann man immer noch einen Reiseladen auftun. Wäre doch ein Thema für eine Serie.

Peter Haffner ist Korrespondent des «Tages-Anzeiger-Magazins» in Kalifornien.


Leserbriefe:

Zu Teleshopping - NZZ-Folio TV-Serien (10/06)

Ich gehöre zu jenen, für die es eine ziemlich höllische Vorstellung ist, eine Woche lang TV-Serien ansehen zu müssen. Mein Serienkonsum war immer schon sehr spärlich. Peter Haffners Artikel über die Messe in L.A. habe ich jedoch mit grösstem Vergnügen gelesen. Bei aller feinen Ironie ist er auch für einen mässig am Thema interessierten Leser wie mich sehr informativ.
Werner Moser, Zürich



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