DAS GAB ES ALSO doch noch: Luftveränderung. Der nicht sehr bekannte Schriftsteller Hans-Werner Possmann stand am Bahnhof Stühlingen im südlichen Schwarzwald und atmete auf. Possmann war aus Frankfurt angereist, um sich einer Bronchialtherapie im Kurort Bad Steina zu unterziehen, das, so hatte man ihm gesagt, von Stühlingen aus mit dem Bus zu erreichen war. Nach einem Bus jedoch hielt er vergeblich Ausschau; der Ort wirkte wie ausgestorben.
Possmann beschloss, zu Fuss zu gehen; seinen Berechnungen nach lag Bad Steina nur etwa drei Kilometer von Stühlingen entfernt und war auf direktem Weg durch den Wald zu erreichen. Wenn da nur nicht seine beiden Koffer gewesen wären! Possmann schwitzte. Mücken umkreisten ihn. Er stellte die Koffer ab, fuchtelte mit den Armen. Der Ernst des Lebens, dachte er, jetzt ist er wieder ausgeschwärmt! Er tappte weiter. Der Weg führte in einer Kehre sanft, aber stetig bergauf. Von oben herab kam ihm ein grünberockter Mann entgegen, der es eilig zu haben schien.
«Guten Tag, Herr Oberforstrat!» rief Possmann. Der Mann blieb stehen. «Wenn Sie zum Bahnhof wollen: da sind Sie falsch», sagte er und deutete auf Possmanns Koffer. «Vom Bahnhof komme ich», erwiderte Possmann, «ich möchte nach Bad Steina. Das ist ja wohl nicht mehr weit, oder?» «Wie man's nimmt», meinte der Mann, «zehn, zwölf Kilometer, mehr nicht. Ich würde Ihnen aber empfehlen, zurück nach Stühlingen zu laufen. Das sind nur achthundert Meter. Vom Bahnhof aus können Sie dann mit dem Bus nach Bad Steina fahren. Auf Wiedersehen!»
Possmann ächzte und hockte sich auf einen seiner beiden Koffer. «Leben Sie wohl, Herr Oberforstrat», knurrte er. «Ich möchte zurück in die Stadt, wo die Luft noch angenehm schlecht ist - und das Leben so schön und heiter.»