Auf der Website Potenz24 («24 Stunden potent am Tag») werden die Probleme beim Namen genannt: «Sie finden einfach nicht Ihre Traumfrau? Die Erfolge beim ‹Baggern› könnten besser sein? Sie möchten endlich eine Wahnsinnsfrau?» – Ja! Ja! Ja! – «Mit Pheromonen Frauen verführen. Mit den richtigen Lockduften an Ihnen kann das Unterbewusstsein der Frauen nicht mehr Nein sagen!» 44 Euro kosten 50 Milliliter Hot-Pheromon «Man Erotic». Ein Klacks, wenn man bedenkt, dass sich Carsten aus Dortmund deswegen mit zwei Frauen trifft, «die besser aussehen als alle vor ihnen». Ganz zu schweigen von dem, was Horst aus Stuttgart und Thorsten aus Bonn auf der Website zu erzählen haben. Was mich beunruhigt, ist einzig die Potenzpumpe «Thunder», die einen Klick weit weg lauert. Was, wenn die Lieferung verwechselt wird?
Weitersuchen. «Amor Magic» verspricht «Sex mit der Ex», beim Sexparfum «Willenlos» ist der Name Programm, und mit «Contact 18» hat Heinz «gestern mal in kürzester Zeit 5 Weiber flachgelegt». Auch Bussibär ist von «Contact 18» begeistert: «In der Kneipe bin ich an einer Frau vorbeigegangen zur Toilette. Auf dem Rückweg stand sie im Weg, und ich schob sie sanft zur Seite. Sie war völlig elektrisiert und stöhnte nur leicht. Klasse, das Zeuch.» Schon will ich es Bussibär gleichtun und einen Fingerhut voll «Contact 18» für 26.10 Euro bestellen, da lese ich, dass es Androstenon enthält, das in Möbelhäusern auch schon auf alte Polstergruppen gesprüht worden sei, um sie loszuwerden.
Schliesslich lande ich bei «Athena 10x», «Amors Pfeil aus 100 Prozent Wissenschaft». Auf der Website schiebt sich Amors Hand gerade unter einen BH-Träger. Wissenschaft hat mich schon immer interessiert. Ich bestelle.
Meine Kollegen stürzen sich auf das Paket, wie es im Büro eintrifft (ich denke mit Schrecken an die Potenzpumpe «Thunder»). Bald blicken acht Männeraugen ehrfürchtig auf die Ampulle mit dem nassen Traum aller Männer. In einer Studie sollen «Athena 10x»-Anwender 47 Prozent mehr Geschlechtsverkehr gehabt und 23,5 Prozent mehr Selbststimulation betrieben haben (wenigstens das sollte zu schaffen sein).
Doch beim Mischen gibt es Probleme. Nach Anleitung muss ich die Pheromone zu meinem Aftershave tun. Doch ich benütze keins. Anruf bei Athena: Die Pheromone mit Alkohohl mischen und dann grossflächig auf Hals, Wange und Nacken verteilen. «Wenn dann eine Frau den Mona-Lisa-Blick aufsetzt, wissen Sie, dass es geklappt hat.»
Der erste Test ist ein Geburtstagsfest. Der Abend verläuft enttäuschend. Obwohl ich mich immer wieder zur Toilette begebe, will auf dem Rückweg partout keine Frau sanft zur Seite geschoben werden. Zu einer Situation, in der ein Unterbewusstsein nicht Nein sagen könnte, kommt es erst gar nicht. Kann es sein, dass mein Abdampfverhalten nicht optimal ist? Oder wirkt meine Freundin als Störfaktor?
Am nächsten Tag versuche ich es bei der Arbeit. Schaut nicht die Volontärin während der Sitzung ständig zu mir herüber? Ich studiere im Internet den Blick von Mona Lisa, komme aber zu keinem eindeutigen Schluss. Aber dann in der Kantine: Eine Kollegin aus einer anderen Abteilung setzt sich neben mich und verwickelt mich in ein Gespräch. Nach einiger Zeit eröffne ich ihr, Amors Pfeil aus 100 Prozent Wissenschaft habe sie getroffen. Sie behauptet jedoch steif und fest, es sei einfach der einzige freie Platz gewesen. Ich versuche ihr zu erklären, ihr Unterbewusstsein habe sie hierher geführt, sie müsse sich deswegen nicht schämen, selbst alte Polstergruppen… aber da ist sie schon weg. Dass sie mir dankbar sein müsste, weil ich als emanzipierter Mann vom Einsatz des Sexparfums «Willenlos» abgesehen habe, hat sie nicht mehr mitbekommen.
Das Erlebnis in der Kantine lässt erste Zweifel aufkommen, doch die Beweislast auf den Websites der Pheromonverkäufer ist erdrückend.
Der Borkenkäfer folge dem Pheromon in die Falle, Kaninchenkinder reagierten auf das Zitzensuchpheromon. Die Sau grabe nach Trüffeln, weil sie röchen wie der Eber. Bei genug Eberduft verfalle die Sau sogar augenblicklich in die Duldungsstarre und lasse den Eber gewähren. Und auch bei Menschen wirkten Pheromone, das hätten allerhand unappetitliche Experimente mit ungewaschenen T-Shirts und unanständigen Chemikalien auf Theatersitzen bewiesen.
Ich versuche es ein letztes Mal in einer stadtbekannten Singlebar. Sitze da wie eine schwitzende Trüffel und konzentriere mich aufs Abdampfen. Doch die einzige Duldungsstarre weit und breit ist jene der Serviertochter beim Ignorieren meiner Bestellung.
Zu Hause setze ich mich an den Computer.
Von Reto aus Zürich:
«Bei einem Fest wirkte es so unheimlich unterbewusst, dass selbst ich nichts davon gemerkt habe, und in der Kantine konnten die Weiber echt nicht neben mir sitzen bleiben. Klasse, das Zeuch.»