NZZ Folio 06/09 - Thema: Am Schwarzen Meer   Inhaltsverzeichnis

Editorial -- Ferne Nachbarn

© Gudrun Sachse
Auf der Hafenpromenade in Constanta, Rumänien. Linktext
Das Schwarze Meer ist 2000 Kilometer von der Schweiz entfernt. Zu weit, als dass wir es kennen würden – aber dank der EU wird sich das ändern.

Von Gudrun Sachse

Schimmert das Schwarze Meer durch die Bäume des Kurparks im bulgarischen Varna, ist es für einen Augenblick nichts weiter als ein einladendes Gewässer. Eine Theorie besagt, dass das Meer vor 8000 Jahren entstand, als das Mittelmeer durch einen Damm am Bosporus brach – das könnte die alttestamentarische Sintflut gewesen sein.

Das Schwarze Meer mit seinen Anrainerstaaten Bulgarien, Rumänien, Ukraine, Russland, Georgien und der Türkei ist reich an alter Kultur und ebenso reich an neuen Herausforderungen: unterschiedliche geostrategische Interessen, abtrünnige Provinzen, Korruption und Misswirtschaft. Historisch war die Region zeitweise europäisch, zeitweise von Europa abgekoppelt, Russland und die Türkei bemühten sich um die Vorherrschaft.

Seit sich Europa 2007 mit der Aufnahme Bulgariens und Rumäniens in die EU strategisch am Schwarzen Meer positionierte, seit der Türkei eine Beitrittsperspektive eröffnet wurde und auch Georgien und die Ukraine in die EU streben, ist diese ferne Region wieder in unsere Nähe gerückt. Bedeutend ist sie für Europa vor allem als Korridor für Erdöl- und Erdgaspipelines; aber auch, weil man sie als Einfallstor für Schmuggler und das organisierte Verbrechen betrachtet.

Für dieses Heft reisten drei Journalisten um das Schwarze Meer. Eine sah sich im Westen um, einer bereiste den Norden und Osten, eine dritte die Türkei im Süden. Sie reisten in Küstenstädte, die Aufschluss geben sollten über den Zustand des Landes. Dabei sind Geschichten entstanden, die letztlich auch geprägt sind vom Zufall der Begegnungen.

Als die Griechen um 750 vor Christus das Meer erstmals befuhren, nannten sie es das unfreundliche Meer. Nachdem sie ihre Kolonien an den Küsten gegründet hatten, machten sie daraus das gastliche Meer. Wir haben beide Seiten kennengelernt – und einige weitere auf unserer Reise in die Vergangenheit und in die Zukunft Europas.

Gudrun Sachse ist NZZ-Folio-Redaktorin.





Leserbriefe:

Zu Editorial -- Ferne Nachbarn - NZZ-Folio Am Schwarzen Meer (06/09)

Noch nie habe ich eine Folio-Ausgabe mit so grossem Interesse und bis zum letzten Beitrag gelesen. Den Verfassern kann ich nur gratulieren; denn nun verstehe ich endlich, wo Europa anfängt, beziehungsweise aufhört. Georgien, Abchasien, die Ukraine, Weissrussland können zwar geografisch Europa zugerechnet werden, aber keines der erwähnten Länder besitzt eine echte kulturelle oder politische Affinität zu Europa; der Einfluss der Sowjetunion war zu gross und dauerte zu lange. Die Türkei andererseits liegt - mit Ausnahme von Istanbul - in Asien und ist auch kulturell nach Osten orientiert. Sie ist aber ohne Zweifel strategisch von Bedeutung, weil sie den Bospurus kontrolliert und deshalb ist auch das Interesse der NATO an der Türkei verständlich. Wenn man aber die Artikel zu Rumänien und Bulgarien liest, dann muss man sich fragen, ob diese beiden Länder wirklich zu Europa gehören.
Hans Uli Ammann, Rheinfelden




Zu Editorial -- Ferne Nachbarn - NZZ-Folio Am Schwarzen Meer (06/09)

Die Artikel im Heft "Am Schwarzen Meer" sind leider zum Einpennen langweilig.
Andreas Künzli, Bern




Zu Editorial -- Ferne Nachbarn - NZZ-Folio Am Schwarzen Meer (06/09)

Ich möchte Ihnen gratulieren zu diesem Themenschwerpunkt! Im Herbst leite ich eine Architektur-und Kunstreise in diese Region: "Feuertanz ans Schwarze Meer".
Dominic Marti, Muri BE




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