PRAKTISCH soll das Ding sein, dachte Mr. Christopher Latham Sholes. Eine Maschine mit Hebeln und ein paar Lettern vorne drauf, in die man Papier einspannen kann. Mit so einem Gerät, dachte Mr. Sholes, wird es möglich sein, Seiten elegant zu numerieren.
Die renommierte Waffenfirma Remington, seinerzeit Amerikas Marktführer bei Repetiergewehren, lieferte 1873 indes keine Seitennumerierer, sondern die ersten Schreibmaschinen aus. Dem Rat eines Freundes folgend, hatte Mr. Sholes seine Schreibwaffe doch noch geringfügig verbessert und mit dem gesamten Alphabet munitioniert. Das war der selling point. Heute ist das Modell Sholes & Glidden ein begehrtes Sammlerstück, aber der Rest nicht nur Geschichte.
Wenn wir den Saurier näher betrachten, was im Internet unter der Adresse http://198.68.16/free/dcrehr /./webdocs/./ möglich ist, sehen wir sofort, was Mr. Sholes unsterblich macht: Es ist die Tastatur. Sie beginnt links oben mit der einprägsamen Buchstabenfolge QWERTY oder auf deutschen Maschinen QWERTZ. Und das schon seit 123 Jahren.
Das ist insofern erstaunlich, als QWERTY und QWERTZ hochgradig unpraktisch sind, wie die Kritik seit 123 Jahren nicht müde wird zu betonen. Die Radikalen in der Tastatur-Szene werfen Mr. Sholes gar vor, mit QWERTY eine Anordnung getroffen zu haben, die den Schreibfluss vorsätzlich verlangsamt.
In der Tat hat der Erfinder aus dem fernen Milwaukee Buchstaben, die in Wörtern gerne gemeinsam auftreten, möglichst weit auseinandergesetzt. Doch dies geschah, so die Sholes-Apologeten, weil sich die Typen der frühen Schreibmaschinen leicht ineinander verhakten. Eine geringfügig gesenkte Schreibgeschwindigkeit bedeutete demnach Zeitgewinn, nicht Zeitverlust!
Sei es, wie es sei: Einem genialen Geist wie Mr. Sholes wäre nicht entgangen, dass heutige Computer-Tastaturen keine Typenhebel mehr haben. Vermutlich hätte er dem Vorschlag Professor Dvoraks einiges abgewinnen können, der im Jahre 1932 das AOEUIDHTNS-Keyboard postulierte. Darauf findet man angeblich sogar mit dem weit verbreiteten, aber langsamen Zweifinger-Schreibsystem «Adler» ziemlich schnell ein Ziel. Auf so einem Keyboard liegt zusammen, was zusammengehört.
Die QWERTZ-Tastatur hat sich dennoch als unantastbar erwiesen. Sie hat sich, wie Coca-Cola und Jeans, zu einem profanen Heiligtum gemausert. So, wie wir die braune Limonade ohne Vitaminzusatz erwarten und die blauen Hosen nicht aus Schafwolle sein dürfen, so selbstverständlich möchten wir QWERTZ auf der grauen Tastatur sehen. Wäre Mr. Sholes nicht nur unsterblich, sondern auch noch lebendig, er stünde den Geistern, die er rief, machtlos gegenüber.