Christa Camponovo, Sie sind Leiterin von Vitamin B, Fachstelle für Vorstandsarbeit von Vereinen. Mit welchen Problemen kommen Vereinsvertreter zu Ihnen?
Meistens geht es um vereinsrechtliche Sachen: Was muss bei der Gründung beachtet werden? Wie soll der Verein organisiert werden?
Was war Ihr kuriosester Fall?
Der Präsident eines Freizeitvereins hatte von einem Sponsor Tenues mit Politparolen bedrucken lassen, ohne den Vorstand zu informieren. Ein Mitglied wandte sich an uns und fragte, ob das rechtens sei.
Ihre Antwort?
Das ist sehr problematisch, da sich der Verein als politisch neutral bezeichnet; auch kann ein Präsident nicht eigenmächtig wichtige Entscheide fällen.
Erzählen Sie noch einen Fall.
Neulich meldete sich ein Verein und fragte, ob sie die Vereinsversammlung durch ein Fest ersetzen könnten.
Wohl kaum regelkonform.
Nein, natürlich nicht. Ich musste sie darauf hinweisen, dass Vereinsrecht und Vereinsstatuten eine ordentliche Vereinsversammlung vorsehen. Anschliessend kann ein vergnüglicher Teil folgen.
Was kostet so eine Beratung?
Die Kurzberatungen sind kostenlos; die speziell für ehrenamtliche Vereinsvorstände konzipierten Kurse nicht.
Sind Sie auch Mitglied in einem Verein?
O ja! Ich bin Präsidentin des Vereins «zwei mal zwei». Wir fördern in Zürich soziokulturelle Quartierprojekte. Durch meine Vereinstätigkeit weiss ich, worum es in Vereinen geht.
Wie steht es ums Vereinsleben in der Schweiz?
Man schätzt, dass es 100 000 Vereine gibt. Einige Vereine haben Probleme, Mitglieder zu halten, dafür kommen neue Vereine nach.
Warum gründen wir Vereine?
Wenn Menschen fischen möchten, aber keinen eigenen Bach haben, gründen sie einen Verein. Die Vereine übernehmen sehr wichtige Aufgaben für die Allgemeinheit; sie sind aus unserer Gesellschaft nicht wegzudenken.
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