NZZ Folio 12/03 - Thema: Kitsch und Kult   Inhaltsverzeichnis

Spektrum der Wissenschaft -- Schenken vernichtet Milliarden

Von Reto U. Schneider

WENN WEIHNACHTEN vor der Tür steht, stellt sich die Frage, ob man besser Geld oder Waren schenkt. Wer reine Geldgeschenke für unoriginell hält, sollte sich bewusst sein, dass Waren durch das Schenken zehn bis dreissig Prozent ihres Werts verlieren. Das zeigt jedenfalls die Studie «Der Nettowohlfahrtsverlust von Weihnachten» (American Economic Review, Vol. 83, S. 1328–1336).

Der Grund dafür liegt in der Natur des Schenkens: Die Person, die das Geschenk auswählt, ist nicht dieselbe, bei der es im Büchergestell verstaubt. Geschenke bergen das Risiko, dass sie die Vorlieben des Beschenkten nicht treffen, dass er ihnen also einen geringeren Wert beimisst, als was im Laden dafür bezahlt wurde. Joel Waldfogel von der Yale-Universität wollte es genau wissen und befragte 86 Studenten, wie viel Geld sie für jedes Weihnachtsgeschenk, das sie bekommen hatten, zu zahlen bereit wären. Für Geschenke, die pro Person durchschnittlich 438 Dollar gekostet hatten, hätten die Studenten bloss 313 Dollar ausgegeben. 58 andere Studenten wurden gefragt: Wie hoch müsste der Geldbetrag sein, gegen den Sie Ihre Geschenke tauschen würden? Er lag zehn Prozent unter dem ursprünglichen Kaufpreis.

Schenken vernichtete so 1992 in den USA geschätzte acht Milliarden Dollar. Denken Sie beim Einkaufen daran. Die Göttikinder werden es Ihnen danken.




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