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NZZ Folio 09/09 - Thema: Der Lehrlingsreport Inhaltsverzeichnis
Editorial -- Das Ausbildungsprinzip
© Markus Bühler-Rasom
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| Die Kunst der Haute Couture lernt man nur von der Meisterin. |
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Wer eine Berufslehre macht, lernt etwas, das er im Arbeitsalltag brauchen kann. In dieser Beziehung kann die Hochschule viel von der Lehre lernen.
Von Lukas Egli
Haben Sie gewusst, dass Universitätsabgänger ihr akademisches Wissen im Berufsleben oft gar nicht brauchen? Zum Beispiel Ursula: Sie ist Biologin, spezialisiert in Zoologie, Fachbereich Verhaltensforschung, stolze Besitzerin eines Abschlusses der Universität Zürich. Sie hat, erklärte sie einmal lachend bei Tisch, das in neun langen Semestern angeeignete Fachwissen nicht ein einziges Mal während ihrer Laufbahn eingesetzt.
Anders sieht das bei der «simplen» Berufslehre aus: Das duale Modell, bei dem die Lehrlinge am Arbeitsplatz und in der Schule ausgebildet werden, ist stark auf die Bedürfnisse des Arbeitsmarkts ausgerichtet. Es bietet ein breites und durchlässiges Berufs- und Leistungsspektrum, ist weitgehend selbsttragend und bildet, dafür sorgen gewinnorientierte Lehrmeister, nur diejenigen aus, bei denen die Chance besteht, dass sie ihr Wissen eines Tages auch einsetzen werden. Fragen Sie einmal in einem Lehrbetrieb nach, was sie von denjenigen halten, die nicht mindestens ein paar Jahre auf ihrem Beruf arbeiten. Oder die Lehre abbrechen.
Bei der Universität ist ein effektiver Nutzen oft nicht vorgesehen – Hauptsache Studium. Praktische Fertigkeiten holt man sich anderswo. Ursula zum Beispiel hat nach der Uni ein Redaktionsvolontariat bei einer Zeitschrift gemacht und ist dank einer Ausbildung «on the job» Journalistin geworden. In der Medienbranche ist ein Universitätsabschluss immer gern gesehen, in manchen Verlagen sogar ein Muss. Nichts gegen Forschung und Lehre und die Anleitung zum selbständigen und vernetzten Denken – aber wofür eigentlich all das Studieren, wenn die Diplome fürs Berufsleben dann doch nicht taugen?
Da kann man diejenigen, die sich nach den neun obligatorischen Schuljahren sagen: «Weiter in die Schule gehen? Ganz sicher nicht!», nur ermutigen. Geht! Lasst euch von einem guten Lehrmeister etwas Anständiges beibringen! Und setzt das Erlernte ein! Wenn es sein muss bei der Konkurrenz. Aber Achtung: Ohne ein Minimum an schulischer Bildung geht heute nichts mehr.
Lukas Egli ist NZZ-Folio-Redaktor.
Leserbriefe:
Zu Editorial -- Das Ausbildungsprinzip - NZZ-Folio Der Lehrlingsreport (09/09)
Schon einige Male ist mir aufgefallen, dass die Berichte und Fotos im Folio recht oft aus einer männlichen Perspektive geschrieben sind - und auch mehrheitlich männliche Lebensentwürfe propagieren.
Das Heft 'Lehrlingsreport' hat nun aber alles überboten: 15 Bilder von männlichen Lehrlingen, 2 davon im Grossformat. Demgegenüber 3 Bildern von weiblichen Lernenden, alle klein. Zählt man den Cartoon dazu, wurden von 15 Beiträgen zum Thema gerade mal 3 von einer Frau verfasst. Dazu kommt, dass die Reports alles andere als repräsentativ oder realitätsnah sind - von den Kaufffrauen und Detailhändlern keine Spur. Wie wäre es mit einem Bericht zu einer Frau, die eine Lehre in einer männlichen Domäne absolviert hat, aber nachher keine feste Stelle fand, gewesen? Oder zu all den 'itschs', die keine Lehrstelle finden? Aber nein, lauter Exklusivitäten - Haute Couture, Geigenbau, Luxussportwagen, Bootsbau, Uhrenmacherei, Confiserie, ein Werbesprospekt der Luxusbranchen der Schweiz. Ich habe zwei Töchter - und dieses Heft ist definitiv nichts für sie... Werde mir überlegen, ob ich das Folio noch weiter abonnieren will, denn unser Haushalt gehört definitiv nicht zu Ihrer Zielgruppe. Sabine Walser, per E-Mail
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