NZZ Folio 08/97 - Thema: Der Dollar   Inhaltsverzeichnis

Cotter ermittelt

Von Fälschern und Blütenträumen.

Von Harald Willenbrock

DIE JÄGER. Die Kontaktaufnahme mit William Cotter verläuft enttäuschend. Kein Warten in konspirativen Cafés, keine toten Briefkästen für die Verabredung von Treffen, keine Kennworte oder Codes. Um den Geheimagenten zu treffen, ruft man einfach bei der US-Botschaft in Bonn an und verlangt den Sektionschef des U.S. Secret Service. Immerhin sind ein paar Sicherheitsschleusen zu überwinden, bevor man im ersten Stock der Botschaft einem jovialen, leicht übergewichtigen und durchaus auskunftsfreudigen Agenten gegenüber Platz nimmt, dem locker der Dienstausweis um den Hals baumelt. Offensichtlich ist William J. Cotter jr. sogar sein wirklicher Name. Hinter Cotters massigem Schädel erblickt man gerahmte Dankschreiben (zum Beispiel von der American Society for Industrial Security) neben Interpol-Wimpeln und einem Satz Kinderhandschellen aus Plastik an der Wand. Das Kunstledersofa des Büros besetzen zwei Dutzend zerfledderte Kriminalromane. «So», sagt Cotter dann, «was wollen Sie wissen über die bad guys?»

Die bad guys, das sind jene Kriminellen und Künstler, die Cotter Arbeit geben und ihn manchmal zur Verzweiflung treiben, die jedes Jahr weltweit Schäden in Milliardenhöhe anrichten und Regierungen auf Trab halten, besonders aber jene der USA, denn ihre Währung ist Weltmeister im Gefälschtwerden. 205 Millionen falsche Dollar haben Cotter & Kollegen im letzten Jahr rund um den Globus beschlagnahmt, bei unbekannter Dunkelziffer und steigender Tendenz. «Fälschungen gibt es, seit es Geld gibt», erklärt der Geheimagent lakonisch, «und genauso lange versuchen wir, die bad guys zu kriegen.»

In Cotters Heimat wurde das Katz-und-Maus-Spiel zu Zeiten des amerikanischen Bürgerkriegs eingeläutet. Weil die amerikanische Regierung damals die Banken zum Druck eigener Noten autorisiert und damit heillose monetäre Verwirrung gestiftet hatte, konnten auch Kriminelle ohne staatliche Lizenz zum Drucken ihre Kopien in Umlauf bringen. Irgendwann vermochten selbst Fachleute die 4000 gefälschten Varietäten kaum mehr von den 7000 echten zu unterscheiden. Als auch nach der Einführung einer nationalen Währung das unkontrollierte Kopieren weiterging, schickte Washington 1865 die Spürhunde des neu gegründeten U.S. Secret Service auf die Jagd. Ihre Hauptaufgaben: Schutz des Dollars und Schutz des Präsidenten.

Diese Kombination ist kein Zufall. Am gleichen Tag, an dem Finanzminister Hugh McCulloch von Abraham Lincoln die Erlaubnis zur Bildung der Truppe erhielt, erschoss der Schauspieler John Wilkes Booth den Präsidenten. Währung und Staatsoberhaupt waren in Gefahr, zwei der kostbarsten und zugleich verwundbarsten Insignien jeder kapitalistischen Nation. Geld bedeutet Macht, Sicherheit, Stabilität. Falschgeld bedeutet kriminelle Macht, Entwertung der Währung und damit Gefährdung des gesellschaftlichen Konsenses, der da lautet: Strebe und arbeite, und Du wirst belohnt werden.

Deswegen ist es auch kein Wunder, dass die amerikanischen Gründerväter Fälschern die Wangen brennen, die Ohren abschneiden oder sie gleich hängen liessen; dass der amerikanische Kongress den Secret Service heute im Kampf gegen Kopisten mit einer prallen Kriegskasse von jährlich 532 Millionen Dollar ausstattet; dass Banken genauso gern über Falschgeld sprechen wie die Tabakindustrie über Lungenkrebs, nämlich möglichst überhaupt nicht; und dass jene namhaften US-Politiker, die vor fünf Jahren Iran öffentlich der staatsmässig betriebenen Dollarfälschung beschuldigten, von einer Operation «gleichbedeutend einer kriegerischen Handlung» sprachen.

Agent Cotters Aufgabe ist es, diesen Krieg unter Kontrolle zu halten. Früher beschützte er die Präsidenten Carter und Reagan (am Tag, als auf Reagan geschossen wurde, hatte er dienstfrei), heute obliegt ihm als Verbindungsmann des Secret Service für Deutschland, Österreich und Polen die Jagd nach Dollarblüten. Eine undankbare Aufgabe. Denn der Dollar ist nicht nur die internationalste der internationalen Währungen, sondern auch relativ leicht zu reproduzieren. Alle sieben Dollarwerte sind 155 mal 65 Millimeter gross, aus der gleichen Baumwolle-Leinen-Mischung gefertigt, mit eingelegten roten und blauen Fasern versehen, auf ihrer Vorderseite schwarz und auf der Rückseite grün bedruckt. Ein Glücksfall für Cotters Gegner. Sie können für alle Notenwerte das gleiche Material verwenden, oder - noch einfacher - gleich aus echten kleinen Dollars falsche grosse basteln. Das geht durch plumpes Ausreissen, Überschreiben oder Überkleben der Wertzahlen. Das geht durch simples Handzeichnen. Das geht aber auch, indem man 1-$-Noten bleicht und mit einer 100-$-Aufschrift überdruckt. Diese Methode ist zwar etwas aufwendiger (man benötigt eine spezielle Lauge), hat aber den Vorteil, dass die unsichtbare Magnetisierung, die mit der Druckfarbe auf jede Note gelangt, erhalten bleibt und das Papier jeder Prüfung standhält. Denn es ist ja echt.

Meist ist soviel Aufwand jedoch gar nicht erforderlich. Plagiate müssen nicht wirklich gut sein - sie müssen nur gut genug sein, um auf den ersten Blick, vielleicht nur einen Augenblick lang, echt zu wirken. Die Jäger sprechen deshalb von «Eindrucksfälschungen».

Sobald irgendwo auf der Welt ein solches Exemplar erkannt wird (ein für den Besitzer in jedem Fall unglückliches Ereignis, denn Halter gefälschter Sorten werden grundsätzlich nicht entschädigt), analysieren es zunächst die Falschgelddezernate des Finderlandes. Handelt es sich um eine bislang unbekannte Version, geben die Währungshüter des Secret Service dem «Baby» einen Namen und legen es in ihrem digitalen «Counterfeit Index» ab. Innerhalb weniger Tage erreicht über die Datenströme von Interpol die Kunde Kriminalbeamte aller Länder, und sie wissen: Die Welt der Blütenträume ist wieder um ein Exemplar reicher.

DIE FÄLSCHER. Wie im legalen Leben tummeln sich auch unter den Blütenzüchtern Stümper und Meister, Künstler und Handwerker, Kleinunternehmer und Grosskonzerne. Führend im Geschäft sind die Industriellen, professionelle Macher, die Falsifikate gleich in Serie fertigen und absetzen. In Ontario, Kanada, stellten Falschgeldfabrikanten vor zwei Jahren in nur wenigen Wochen die Rekordsumme von 115 Millionen falschen Dollars her und bescherten damit dem Secret Service den grössten Fang seiner Geschichte. Fast ausgestorben sind dagegen meisterliche Einzeltäter wie Marion John Williams, ein manischer Fälscher, der den Secret Service fünfzig Jahre lang in Atem hielt und in den Annalen des Dienstes immer noch mit Respekt erwähnt wird. Bis 1972 feilte Williams - obwohl bereits mehrmals zu Gefängnisstrafen verurteilt und auf einem Auge schon fast blind - immer noch an Verbesserungen seiner Reproduktionen. Damals war er bereits 71 Jahre alt.

Eine neue Klasse der Fälscher entstand ab Mitte der achtziger Jahre, als Farbkopierer und Computerscanner auf den Markt kamen und immer weiter verbessert wurden. «Ein Grossteil der Dollars, die wir heute in den USA beschlagnahmen, ist auf handelsüblichen 3000- Dollar-Farbkopierern hergestellt», seufzt Cotter. «Da steckt gewöhnlich irgendein einsamer Büroangestellter dahinter, der entdeckt hat, dass man auf diese Art nach Feierabend Geld verdienen kann. Solche Einzeltäter treiben uns zum Wahnsinn, weil sie überall kleine Mengen ihrer Dollars verteilen und schwer zu fassen sind.» Der Nachteil dieser Methode: Mit Farbkopierern lassen sich keine grossen Mengen herstellen.

Massentauglicher, wenn auch viel teurer, sind Intaglio-Druckmaschinen, mit denen in Washington D. C. und Fort Worth, Texas, auch die echten Dollars gedruckt werden. Intaglio-Druck bewirkt, dass Geldnoten sich reliefartig und rauh anfühlen und neue Exemplare einen grünen Fleck zurücklassen, wenn man sie auf weissem Papier reibt. «Viele Leute denken, eine Note sei unecht, wenn sie Farbe verliert», erklärt Cotter, «tatsächlich ist aber das Gegenteil richtig.»

Traditionell gängigste Falschgeldtechnik ist der Offsetdruck - ein Produktionsprozess, der sich nicht wesentlich vom Herstellungsverfahren für Visitenkarten oder Einladungsschreiben unterscheidet. Häufig sind es daher konventionelle Meister der Schwarzen Kunst, die in der Falschgeldherstellung eine lukrative Nebentätigkeit wittern. Im Kanton Zürich zum Beispiel wollte 1993 ein in Not geratener Druckereibesitzer sein Unternehmen dadurch retten, dass er nach Feierabend Blüten presste. Aus England wurden Numerator, Spezialpapier und ein Geldprüfungsgerät angeschafft, dann über 10 Millionen Dollar gefertigt. Die Noten waren zwar von ganz passabler Qualität, doch beim Versuch, sie unters Volk zu bringen, flog der Schwindel auf.

Professioneller funktionieren Herstellung und Vertrieb von Offsetblüten in Kolumbien und Italien. Dort ist Falschgelddruck ein traditioneller Geschäftszweig der Mafiosi, mit erprobten Herstellungsmethoden und gesicherten Absatzwegen. «Zwischen uns und dem BKA gibt's einen Scherz», grinst Cotter: «Die Italiener sind die einzigen, die sich auf den Euro freuen - endlich gibt's mal was Neues zum Fälschen!»

Natürlich haben die Finanzminister der Welt ihre Banknoten mit immer ausgefeilteren Merkmalen versehen, die Kopisten zumindest eine Zeitlang die Arbeit erschweren sollen. Wie die Schweizer Nationalbank die neuen Frankennoten liess auch die deutsche Bundesbank ihre D-Mark, Lieblingskind Nr. 2 der Plagiatoren, zu einem echten Sicherheitspapier aufrüsten: Seit August 1997 blinkt auf allen neu ausgegebenen DM-Scheinen ein Hologramm, jeder Wert ist mehrfarbig auf einem andersfarbigen Papier gedruckt und unterscheidet sich in seinen Abmessungen von den anderen. Jede D-Mark-Note trägt zudem einen nur unter UV-Licht sichtbaren Aufdruck sowie geheime Merkmale, die ausschliesslich der Bundesbank bekannt sind. Anhand dieser Geheimzeichen können die Bundesbanker bei den drei Malen pro Jahr, die statistisch gesehen jeder Schein ihre Kontrollen durchläuft, Falsifikate maschinell herauspicken.

Der Dollar verzichtet auf alle diese Merkmale. «Ich habe Entwürfe für neue Dollars gesehen: in Multicolor, mit UV-Bildern und so weiter», sagt Cotter und wedelt mit einem Exemplar seiner Landeswährung. «Sahen wirklich cool aus. Hätten uns die Arbeit wesentlich erleichtert. Leider haben sie's nicht genehmigt.» Sie, das sind der amerikanische Kongress und das Bureau of Engraving and Printing, jene Behörde, die Dollars gestaltet und druckt. Jede drastische Veränderung des guten, alten Greenback werde die Öffentlichkeit ablehnen, so befürchteten die Herren der Dollars und genehmigten 1990 lediglich ein paar halbherzige Modifikationen. Neue US-Banknoten trugen fortan einen eingelegten, bedruckten Polyesterfaden sowie um das Präsidentenportrait eine winzige Mikroschrift - so klein, dass kein Kopierer sie sauber nachzuahmen vermochte. Diese angeblich fälschungssichere Dollargeneration wurde jedoch in den folgenden sechs Jahren so oft reproduziert, dass sie bereits 1996 durch ein neues Dollardesign mit grösserem Portrait und einem Wasserzeichen auf seiner rechten Seite abgelöst wurde.

Natürlich ist es nur eine Frage der Zeit, bis auch von dieser Serie gute Reproduktionen kursieren. Natürlich arbeitet das Bureau of Engraving and Printing bereits an der nächsten Dollargeneration. Und natürlich wird es nie einen wirklich fälschungssicheren Dollar geben - schliesslich wurde auch von der angeblich so knackfesten D-Mark bisher noch jedes neu eingeführte Sicherheitsmerkmal erfolgreich nachgeahmt. «Das ist wie im Internet», meint Agent Cotter, «je mehr Sicherheitscodes wir einbauen, um so mehr fühlen sich die bad guys herausgefordert. Wir befinden uns in einem Wettrüsten.»

DIE OPFER. Es war der Beginn eines weltweiten Triumphzuges, doch die Kassiererin hatte keine Ahnung, was sie da in der Hand hielt. Eines Tages im Jahre 1989 sass die Angestellte einer philippinischen Bankfiliale an ihrem Schalter und zählte einen Stapel 100-Dollar-Noten durch. Einige Scheine kamen der Frau merkwürdig vor, sie legte sie zur Seite, «weil sie sich komisch anfühlten». Das war das erstemal, dass Superdollars auftauchten.

Diese nahezu perfekten Blüten verdanken ihren Namen ihrer aussergewöhnlichen graphischen Qualität, ihrem hervorragenden Papier, das dem Originalmaterial täuschend ähnlich ist, sowie ihrem hochentwickelten Intaglio-Druck, der jeder Staatsdruckerei Ehre machen würde. Selbst die Magnetisierung ihrer legalen Vorbilder wurde nachgeahmt, weshalb herkömmliche Billigprüfgeräte sie anstandslos als echt durchgehen lassen. Superdollars sind die besten Notenfalsifikate, die jemals eine Fälscherwerkstatt verliessen. Wenn einige geübte Experten sie dennoch mit blossem Auge erkennen, liegt das nur daran, dass ihr Bild teilweise besser ist als das der Originalnote. Ein Strich an der Laterne der Independence Hall zum Beispiel, im Original nicht sauber durchgezogen, ist hier vollendet. Insgesamt acht mikroskopische Details dieser Art unterscheiden einen Superdollar noch von einem Originaldollar - offenbar eine Sicherheitsmassnahme der Meisterfälscher, die vermeiden wollen, irgendwann mit den eigenen Reproduktionen hereingelegt zu werden.

Die Güte dieser Blüte verrät die Arbeit von Superprofis und die Finanzmacht eines Grosskonzerns - Experten schätzen, dass für eine solche Massarbeit mehrere hundert Millionen Dollar Investitionen erforderlich sind. Eigentlich käme dafür nur eine Staatsdruckerei in Frage, heisst es beim Wiesbadener Bundeskriminalamt, doch welche? «Es ist verrückt», schimpft Agent Cotter, «zuerst tauchen Superdollars im Fernen Osten auf, dann im Nahen Osten. Dann wieder im Fernen Osten, und plötzlich in Westeuropa, in Belgien oder Frankreich. Mal werden Araber mit ihnen aufgegriffen, dann wieder ein paar Filipinos.» Jüngstes Opfer ist ein Hamburger Geschäftsmann, der im April dieses Jahres von einer Geschäftsreise aus Somalia zurückkehrte. Seinen gesamten Gewinn, 100 000 Dollar in bar, erkannte die Hamburger Landeszentralbank schnell als Superdollars der bekannten Güte.

In Ermangelung konkreter Schuldiger wird der Ursprung der legendären Fake-Dollars in die derzeitigen Reiche des Bösen verlegt: Mal gelten die Palästinenser (Westbank), mal die Hizbullah-Milizen (Bekaa-Ebene), dann wieder Kommunisten (Nordkorea oder China), in letzter Zeit aber verstärkt die Mullahs (Iran) als druckverdächtig. 1992 erklärten der US-Kongressabgeordnete Bill McCollum und der Senator Connie Mack unter Berufung auf einen Kongressausschuss, die Superdollars stammten aus Iran. Dort druckten in den USA ausgebildete Chemiker die Blüten auf einer Notenpresse, die Iran noch zu Zeiten des Schah erworben habe. Ziel der Operation seien der Abbau der iranischen Auslandsschulden, die Stärkung des iranischen Einflusses in der Welt, die Destabilisierung der amerikanischen Wirtschaft. Offenbar hätten sich die Iraner vorgenommen, so warnten die Politiker, jedes Jahr Falschgeld im Wert von 12 Milliarden Dollar zu drucken und mit Hilfe von Syrien in Umlauf zu bringen. «Wir würden ganz schön in der Scheisse stecken, wenn die wirklich soviel drucken würden», dementiert Secret-Service-Mann Cotter, «die Iran-These, das sind doch nur politics.» Bis heute wurden schliesslich erst 5 Millionen Superdollar beschlagnahmt - wobei unklar ist, ob das daran liegt, dass erst wenige im Umlauf sind, oder nicht doch eher daran, dass nur ein Bruchteil erkannt wird.

«Die Banken», klagt Kommissar Jürgen-Peter Schmidt vom Hamburger Falschgelddezernat, «zeigen nur mässige Energie bei der Fahndung nach Blüten. Lieber nehmen sie den Verlust durch entdecktes Falschgeld in Kauf, das ist billiger.» Billiger zum Beispiel, als für je 4000 Mark einen «Dollar Bill Checker» der Firma Japan Cash Machine am Schalter zu installieren - eines der wenigen Geräte, das auch Superdollars zuverlässig erkennt. 16 Sensoren im Innern dieses toastergrossen Geräts prüfen in weniger als einer Sekunde Magnetisierung, Lichtdurchlässigkeit, Papierqualität und Druckfarbe der Banknote.

Weil «Dollar Bill Checker» aber erst in wenigen Kassenräumen im Einsatz sind und ein Handverlesen der Bestände zu mühsam wäre, kann es durchaus passieren, dass Devisenkunden am Bankschalter Blüten erhalten. Der Potsdamer Student Stephan Köhler zum Beispiel wurde im Sommer 1995 auf Kuba vom Besitzer eines Intershops angehalten, weil seine Dollars angeblich falsch waren. Unmöglich, beteuerte der Deutsche, er habe die Noten bei einer Sparkasse in Potsdam erhalten, insgesamt 52 Hundert-Dollar-Scheine für 8000 Mark. Gemeinsam fuhr man zum Banco Financiero International in Havanna. Dort nahm ein Experte die Scheine unter die Lupe und knallte auf jeden einen Stempel: «Falsificado», gefälscht. Bei den Scheinen handle es sich um Superdollars, so der Banker zu Köhler, sie seien so falsch wie etwa dreissig Prozent der weltweit kursierenden 100-Dollar-Noten. Daheim in Potsdam wandte sich der geprellte Deutsche umgehend an die Kripo. Der Beamte des Falschgelddezernats weigerte sich jedoch, seine Anzeige entgegenzunehmen - die Scheine seien echt, entschied der Kriminalpolizist nach Prüfung mit einem Magnetstift. Auch Fachleute der daraufhin konsultierten Brandenburgischen Landeszentralbank rieten Köhler nur, irgendwie die «Falsificado»-Stempel zu entfernen, ansonsten seien die Noten nicht zu beanstanden. Um ganz sicherzugehen, schickten die Banker Köhlers Kohle noch zur höchsten deutschen Geldinstanz, der Bundesbank. Nach drei Wochen eingehender Prüfung bestätigten deren Experten, was der Direktor der kubanischen Devisenbank mit blossem Auge erkannt hatte: «Die Dollars sind falsch.» Jetzt will Köhler von der Sparkasse sein echtes Geld zurück, das diese in falsche Dollars umgetauscht hatte. Doch die Bank mauert, weil der Student nicht hundertprozentig nachweisen kann, dass die Superdollars von ihr stammen. «Die Banken fordern vom Kunden einen Beweis, dass er die Noten bei ihnen gekauft hat», schimpft Köhler, «aber weigern sich gleichzeitig, Bescheinigungen über Sortenankauf mit Seriennummern zu bestätigen.»

Soll man also noch am Bankschalter jeden Dollar einer Erstprüfung unterwerfen? Soll man alle eingetauschten Sorten aufgefächert übereinander auf den Kopierer legen (komplette Reproduktionen von Banknoten sind verboten) und so die Seriennummern der eigenen Noten dokumentieren, wie Kriminalhauptkommissar Schmidt es tut? Soll man grundsätzlich beim Dollartausch auf Noten der 1996er Serie bestehen, weil von denen noch keine Superdollars aufgetaucht sind? Oder immer eine gefaltete 1-Dollar-Note neben einen Tauschdollar halten, wie William J. Cotter rät, «und dann nach Unterschieden suchen, nicht nach Ähnlichkeiten»? Auf diese Art, meint der Secret-Service-Mann, «haben es die Fälscher schwer.»

Vermutlich werden es Fälscher immer ziemlich einfach haben, solange es Menschen gibt wie jenen Pariser Juwelier, bei dem Anfang Januar dieses Jahres zwei Jugoslawen vorstellig wurden. Die Männer behaupteten, sie handelten im Auftrag eines arabischen Prinzen, der eine Kollektion wertvollen Schmucks ankaufen wolle. Der Juwelenhändler besorgte die gewünschten Preziosen, die Männer verschwanden, der Juwelier freute sich über ein glänzendes Geschäft und fünf Millionen Dollar in bar. Erst am Einzahlungsschalter seiner Bank wies man ihn darauf hin, dass sämtliche Scheine auf der Rückseite den Aufdruck «Banknote Walt Disney» trugen.

Harald Willenbrock ist freier Journalist in Hamburg.


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