EINES TAGES anno 1993 beschloss der Spross einer Tabakhändler- Familie, seiner Leidenschaft für das braune Gold in einer eigenen Cigarre Ausdruck zu geben. Versehen mit schwäbischem Perfektionswillen, Kompetenz, Kultiviertheit und dem nötigen Kleingeld, fand er im dominikanischen La Romana die richtigen Partner. Mit Hilfe des Tabak-Alchimisten Siegfried P. Maruschke entstand eine charaktervolle Cigarre, die auch Havannaraucher zu überzeugen vermochte. Als 1998 Helmut Bührle - so heisst der passionierte Botschafter des braunen Goldes - mit dem Ergebnis schliesslich zufrieden war, gab er ihm den Namen seiner Tochter: Laura Chavin.
Damit hat sich Bührle schicksalhaft mit seiner Cigarre verbunden und den Namen zum Versprechen höchster Qualität gemacht. Für die Laura Chavin werden nur fünf Jahre gelagerte beste Tabake verwendet: Olor und Piloto Cubano als Einlage, mexikanischer Tabak aus dem San-Andrés-Tal als Umblatt und Connecticut shade als Deckblatt. Bevor sie in den Verkauf gelangen, werden die Puros auf Schloss Hochdorf (Landkreis Ludwigsburg) fünf Monate nachgelagert. Dreimal pro Tag wird die Luft im Naturkeller umgewälzt. Doch Bührle wäre kein Perfektionist, hätte er für acht Formate nicht auch je ein Lederetui entworfen, das sich «Maison des Cigars» nennt und wiederum in acht Farbtönen erhältlich ist. Diese Etuis aus feinstem Leder und Edelstahl sind eine Verbindung von Handwerk und Hightech und können als Anwärter für das Museum of Modern Art gelten. Dass man für sie nicht wenig Geld hinlegen muss, versteht sich von selbst.
Wir sollten unseren positiven Eindruck bei einem Besuch auf Schloss Hochdorf dann bestätigt finden, geben aber gerne zu, dass wir gegenüber der letzten Herbst lancierten «Laura Chavin Belicoso Concours des Meilleurs Connaisseurs» arg skeptisch waren, als wir sie in Basel probierten. War es nicht eine Frechheit, eine Belicoso für 33 Franken anzubieten? Mit spöttischen Bemerkungen über Anspruch und Preis wurde vor dem Tasting nicht gespart.
Nach fast zwei Stunden legten wir den Rest der ins Maduro spielenden Pyramide mit dem doppelten Deckblatt widerwillig zum Sterben. Jeden Rappen sei diese Cigarre wert, meinte reumütig der erfahrene Rauchpartner; ganz unvergleichlich sei sie. Aber weshalb? Die «Concours» ist nicht nur eine herausragende Cigarre, sie zieht einen hinein in eine Geschichte, für die man sonst eine lange Reise unternehmen muss: Zunächst werden wir in einem englischen Salon von einem vornehmen Herrn empfangen, der Tee serviert, und zwar Earl Grey. Ein Hauch Bergamotte steigt in die Nase. Dann aber verwandelt sich der Gentleman in Lawrence of Arabia, stösst ein Portal auf und führt uns in einen orientalischen Gewürzbasar, dessen Aroma uns überflutet, aber nie erschlägt. Den Leuten, die diese Cigarre für die beste der Welt halten, wagen wir nicht zu widersprechen. Sie ist ein Beweis für Helmut Bührles Wort: «Eine Cigarre spricht die Wahrheit über die Gewissenhaftigkeit aller, denen sie begegnet ist.»