OHNE MÜHE REICH zu werden ist ein alter Traum. Bei den Börsianern kursieren «Systeme», die allein aus dem bisherigen Verlauf bestimmter Aktienkurse den künftigen vorhersagen. Mathematiker und Wirtschaftsfachleute sind sich über die Nutzlosigkeit solcher Prognosen einig. Untersuchungen haben gezeigt, dass ungefähr die Hälfte der Empfehlungen von Börsenmaklern richtig ist - eine Trefferquote entsprechend dem Zufallsprinzip.
Trotzdem kann dem Börsenkunden das Gefühl vermittelt werden, das Schicksal von Aktienkursen sei ergründbar. Beliebte Variante ist die sich selbst erfüllende Prophezeiung. So erwähnt der Mathematiker Alexander Dewdney in seinem Buch «200 Prozent von nichts» den Fall der Börsen-Gurus Tsai und Granville, die während Jahrzehnten mit ihren Prognosen das Geschäft an der Wall Street beeinflussten. Durch einige anfänglich wohl glückliche Vorhersagen kamen die beiden in den Ruf, einen besonders guten Riecher zu haben. Fast jede Aktie, für die sie nun warben, wurde begehrt, worauf der Kurs stieg, was wiederum die Nachfrage anheizte.
Dewdney gibt ein Beispiel, wie sich ein listiger Börsenmakler einen Kreis gläubiger Kunden systematisch heranzüchten könnte. Der Makler sucht sich Adressen von 1000 potentiellen Kunden und verschickt an 500 folgenden Börsenbrief: «Unsere Nachforschungen haben ergeben, dass die Vereinigte Hosenträger AG weiter expandiert. Wir empfehlen Ihnen dringend, sich die Gelegenheit zum Kauf dieser Aktie nicht entgehen zu lassen.» Den andern 500 Adressaten schildert er die nahe Zukunft der gleichen Aktie gegenteilig. Einen späteren Börsenbrief verschickt der Makler nur noch an jene 500 Leute, deren Prognosenvariante sich tatsächlich erfüllte. Und wiederum erhält die Hälfte der verbliebenen Briefempfänger eine positive und die andere Hälfte eine negative Empfehlung. Nach der dritten Briefaktion bleiben immerhin 125 Adressen, die jetzt dreimal hintereinander vom Makler einen «richtigen» Tip erhalten haben. Es wäre verwunderlich, wenn der Makler jetzt nicht ein paar saftige Aufträge an Land zöge. Man darf vermuten, dass mit solchem Herausfiltern von Informationen tagtäglich Geschäfte gemacht werden.