NZZ Folio 03/92 - Thema: Karrieren   Inhaltsverzeichnis

Wunderblock -- Neues aus Babylon

Von Manfred Papst

Im Vorwort zu seiner «Geschichte der deutschen Literaturwissenschaft bis zum Ende des 19. Jahrhunderts» zitiert Klaus Weimar Aby Warburgs Maxime, nach der das wichtigste Buch immer das daneben ist.

Diese Maxime lässt sich seit einiger Zeit nicht nur verifizieren, indem man in den Zeughäusern an der Kanonengasse stöbert, wo die Zentralbibliothek Zürich etwa anderthalb Millionen Bücher im Freihandbereich eingelagert hat; nein: auch der On-line-Katalog der ZB bereitet einem via Bildschirm die nützlichsten Überraschungen.

Man muss sich dazu nur von den beiden Suchbegriffen « 4. sac (Sachbegriff . . .)» beziehungsweise «6. sti (Stichwort . . .)» leiten lassen. Punktuelle Enttäuschungen sollen einen dabei nicht entmutigen. Auf die Eingabe Zweiter Weltkrieg etwa antwortet das System zunächst mit «Treffer: 0», um jedoch sogleich hinzuzufügen: «Ihrem Suchbegriff am nächsten kommen: Zweiter Punischer Krieg, Zweites Deutsches Fernsehen, Zweites Triumvirat, Zweitwohnung, Zweiundvierzigzeilige Bibel.»

Ohne diese Hinweise wäre ich auf den erwähnten Gebieten nie der kundige Causeur geworden, als der ich heute gelten darf.

Oder nehmen wir an, ein Dermatologe will sich in seinem Fachgebiet umtun. Schon der Eintrag Haut beschert ihm die Antwort «Treffer: 101». Das Besondere ist nun aber, dass er unter den «Treffern» nicht nur Altbekanntes entdeckt wie Sandra Hawelskis «Inzidenz der Plattenepithelkarzinome der Haut (Spinaliome) im Kanton Zürich», sondern auch beglückend Unvermutetes wie Urs Widmers «Auf auf ihr Hirten! Die Kuh haut ab!».

Von Rockabilly weiss das System noch nichts; allein, auch hier ist für Ersatz gesorgt. Paul Rocks vermutlich nützliches Werk mit dem Titel «Making People Pay» ist gerade ausgeliehen; eine weiterer Hinweis gilt jedoch Dieter Rockenbauchs Ausführungen über den Wanderfalkenschutz in Baden-Württemberg. Eine anregende Studie, wie ich versichern darf, auch wenn in ihr über Eddie Cochrans unsterblichen «Summertime Blues» nicht eben viel zu erfahren ist.


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