«DIE GESCHLECHTSREIFE entwickelt sich in den Kindern verschieden: nach Norden zu langsamer, nach Süden schneller. Man hat oft darum gestritten, ob sich nicht schon von Geburt an das Geschlechtsleben im Kinde rege. Wir wollen lieber sagen: alles im Kinde bereitet sich darauf vor, aber völlig unbewusst. Zuerst zeigt sich beim Kind nur der unermüdliche Bewegungstrieb, in dem sich unablässig das Wachsen verrät. Wie gefährlich ist es, diesen Bewegungstrieb zu hemmen und ihn vielleicht frühzeitig in die Onanie abzudrängen!
Alle Kinder spielen und bewegen sich gern. Rhythmus und Musik begeistern sie und sehr bald auch leichtere Sportarten. Dabei übt und konzentriert sich der Körper und ermüdet auf die natürlichste Weise, so dass eine falsche Sexualität gar nicht aufkommen kann. Völlig unscheinbar zunächst, doch dann immer deutlicher werdend, erwacht aus dem kindlichen Spiel der Bewegung am Ende der Liebes- und Zeugungsdrang.
Wie sollen wir nun unsere Kinder bis zur Pubertät erziehen? In jungen Jahren ist das Kind noch typisch zwiegeschlechtlich. Gerade in dieser Zeit scheinbarer Ungeschlechtlichkeit wirkt das Kind auf Eltern und Fremde besonders anziehend. Im Laufe der Jahre wird das anders. Man merkt, wie sich im Kinde der Knabe oder das Mädchen zu regen beginnt.
Ein normales Kind kennt keine sexuelle Neugierde. Wenn sich etwas derartiges ausbildet, haben wir es mit Entartungs- oder Krankheitserscheinungen zu tun, oder das Leben des Kindes ist so unnatürlich, dass sich Unnatürlichkeiten auch auf dem sexuellen Gebiet ausbilden können.
Bei normalen Kindern werden wir die Geschlechtsunterschiede deutlich ausgeprägt finden. Schwerer wird es für uns, wenn sich die Geschlechtsunterschiede der Kinder verwischen. Natürlich spielt ein - weiblicher Junge - (Muttersöhnchen) lieber mit Mädchen als mit Knaben. Der normale Junge hat dazu keine Lust.» (Aus: Wegweiser zum gesellschaftlichen Erfolg. Fackelverlag, 1957. Kapitel «Liebesleben und Pubertät».)