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Editorial -- Fünf Italiener gegen einen Ronaldo
Von Daniel Weber
Märkte sind uralt. Sie entstanden dort, wo die Routen der Händler sich kreuzten, wo die Menschen sich trafen, um Waren zu tauschen, und dort entwickelten sich Zivilisation und Kultur. Geschrieben und gerechnet wurde wahrscheinlich zuerst auf Märkten, wo man Tonplatten kerbte, um Buch zu führen über Schafherden und Kornlieferungen. Und auf dem Marktplatz des antiken Athen, der Agora, hatten nicht nur Fisch- und Fleischhändler ihre Stände, der Ort war auch Schauplatz für Sportanlässe, Theateraufführungen und politische Versammlungen.
Märkte sind überall. Wenn die Kinder während der Fussballweltmeisterschaft um Fussballerbildchen feilschen, braucht ihnen niemand zu erklären, wie Marktgesetze funktionieren. Sie merken schnell, wie viele Italiener sie haben müssen, um sie gegen einen Ronaldo tauschen zu können. Um den leibhaftigen Ronaldo und die leibhaftigen Italiener feilschen derweil die Fussballmanager nach demselben Gesetz von Angebot und Nachfrage. Und überall dort, wo es ausser Kraft gesetzt wird - die sozialistische Planwirtschaft hat es, mit desaströsen Resultaten, versucht -, sind die Menschen seit je erfinderisch genug, Schwarzmärkte zu organisieren für das, was sie brauchen und was offiziell nicht zu haben ist.
Märkte haben immer recht. Der technologische Fortschritt krempelt alte Märkte um und schafft neue. Manchmal erweisen sie sich als Segen, gerade in Entwicklungsländern, die dringend funktionierende Märkte brauchen, um aus der Armutsfalle herauszukommen. Manchmal erweisen sie sich auch als Irrtum. Einer der folgenschwersten war die vom Internetboom beflügelte «New Economy», deren Scheitern zurzeit nicht nur die Finanzmärkte straucheln lässt. Aber wer sonst als der Markt korrigiert nun die Marktexzesse der letzten Jahre?
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