Hallo Andreas
Jetzt haben die uns, bloss weil wir zwei in Sachen Computer in der Redaktion nicht eben die Hellsten sind, verknurrt, per E-Mail einen Dialog ueber «Der Computer und ich» zu fuehren. Per E-Mail. Da soll ich Dir, der Du zwei Bueros weiter sitzt und ueberdies nicht einmal einen richtigen Computer hast und schon gar keinen E-Mail-Anschluss, da soll ich Dir also E-Mail in das Buero schicken, das zwischen Deinem und meinem liegt (weil es dort einen mit E-Mail ausgestatteten Compi gibt), und Dir dann, immer vorausgesetzt, ich bekomme die ueberhaupt zusammen, was mich eher wundern wuerde, durch den Korridor zurufen: Hallo, ich hab' Dir eine E-Mail geschickt! Und Dich dann fuer den Rest des Tages vor jenem Computer sitzen sehen und still vor Dich hinbrabbeln und von Dir zum tausendsten Mal mit wehm%tigen Augen die Geschichte von der Frau erzaehlt bekommen, die eine Invalidenrente bekommt, weil sie auf der Maus den Doppelklick nicht kann?
Hallo Lilli
Den Doppelklick kann ich problemlos. Schon schwieriger war jedoch @, der Klammeraffe, oder wie das Zeichen heisst. Warum zum Teufel gibt es daf:r nicht eine Taste? Eine halbe Stunde habe ich herumtelefoniert, bis ich das mit dem Klammeraffen wusste, und ich habe mich dabei nat:rlich so ge:rgert, dass ich bereits wieder vergessen habe, wie er geht. Ich weiss nur noch, dass man mindestens drei Tasten gleichzeitig dr:cken muss. Wie viel einfacher ist doch das Aufkleben einer Briefmarke!
Lieber Andreas
Also mit dem Klammeraffen ist das ganz einfach: Mit dem Zeigfinger der linken Hand drueckst Du «Alt», mit jenem der rechten auf «Ctrl» und mit dem linken Fuss auf die Klammeraffentaste @ links oben. Dann leuchtet Dir auch gleich ein, warum das Ding so heisst ;?)
Ueberhaupt denke ich halt, dass auch Leute wie wir der guten alten Zeit nicht immer nur nachtrauern sollten; ich bin da wohl doch etwas moderner als Du. So toll war das mit den Briefmarken naemlich auch wieder nicht. Da hat Dir doch schon nach zwei, drei Stueck die Zunge am Gaumen geklebt. Und der Leim aus Rinderknochen (Rinderknochen!) war auch nicht so alles. Uebrigens: bist Du auch so begeistert von unserer neuen Telefonanlage? Ausser Telefonieren kann man damit fast alles. Da sieht man zum Beispiel, wer anruft! Wenn die von der Buchhaltung anrufen, nehme ich zum Beispiel schon gar nicht mehr ab. Bloss fuer die, die nachts gerne ab und zu ein wenig anonym herumschnaufen, ist das nicht so sch%n.
Werteste!
Zu Deiner Information: Die Schnaufer k:nnen ihre Nummer nat:rlich sperren lassen, so dass auf dem Display bloss drei xxx (!) erscheinen :?) Viel mehr weiss ich :ber das neue Telefon allerdings noch nicht. Ich werde demn:chst einen Telefonierkurs besuchen m:ssen, wo man mir all das beibringen wird, was bei den alten Apparaten ganz einfach war. Nur das Abnehmen des H:rers ist offenbar gleich geblieben. Den ersten Anruf auf dem neuen Telefon habe ich :brigens von einem Mitarbeiter erhalten, der um einen Terminaufschub bat. Du weisst schon, der Computer sei abgest:rzt . . . Aber was bleibt einem Computermuffel schon anders :brig, als eine solche Entschuldigung ernst zu nehmen und den Aermsten aufrichtig zu bedauern.
Werter!
Ja, ja, der Computer als Lebenshilfe! Frueher hast du dir als saeumiger Autor noch ganz anderes einfallen lassen muessen. Dem Urs Widmer zum Beispiel ist sein bestes Manuskript unwiederfindbar vom Velogepaecktraeger gefallen, als er es zum Verlag bringen wollte. Und dem genialen Wollenberger war, wie ich gehoert habe, mehr als einmal das Auto mit dem Manuskript drin ausgebrannt. Was fuer eine armselige Ausrede ist da doch der Computerabsturz.
Apropos Telefonierkurs: Mach Du den nur! Ein Kollege von mir hat von so einem Kurs (es war allerdings ein Windows-Kurs) kuerzlich sehr profitiert. Er wusste danach naemlich, wie man die Maus richtig bedient. Zuvor hatte er jeweils mit der Maus in der hohlen rechten Hand den Cursor (nicht wahr, da staunst Du, dass ich weiss, wie der heisst!), er hat also mit der rechten Hand den Cursor an die gewuenschte Stelle placiert, die Maus sorgsam dort festgehalten und dann mit dem Zeigefinger der linken Hand - zack! - den Klick gemacht. Wuerde mich allerdings ziemlich wundern, wenn der Telefonierkurs bei Dir auch derart erfolgreich waere.
Hochwohlgeborene!
Was f:r ein Tag! Er begann damit, dass am Morgen die Kaffeemaschine wie ein Christbaum leuchtete, aber einfach keinen Treibstoff mehr hergeben wollte. Du weisst schon, der Service war wieder einmal n:tig. Bevor ich mir also eine erste Tasse genehmigen konnte, musste ich die Gebrauchsanweisung studieren, weil ich nicht mehr wusste, welche Tasten und Kn:pfe in diesem Fall zu bedienen sind :?( Gegen Mittag konnte ich dann die erste Tasse trinken, und schon ging es zum Lunch ins Restaurant nebenan. Weil ich mit der Kaffeemaschine schon genug Zeit vertr:delt hatte, bestellte ich nur einen Teller Spaghetti. Als die auch nach einer halben Stunde noch nicht gekommen waren, reklamierte ich harsch. Der Kellner meinte entschuldigend, der Drucker in der K:che, der die Bestellungen für den Koch ausspuckt, sei ausgestiegen.
Am Nachmittag traf dann endlich der am Vortag abgest:rzte Text von D. ein. Per E-Mail, das soll ja so schnell und praktisch sein. Denkste! Als ich das Dokument anklickte, hiess es da ganz einfach: «Mit der Datei C/WINDOWS/TEMP/712/PIER ist f:r die Aktion kein Programm verkn:pft. Um eine Verkn:pfung zu erstellen, doppelklicken Sie auf ihrem Desktop auf -Arbeitsplatz?. Klicken Sie im Menu <Ansicht> auf <Optionen> und dann auf <Dateitypen>.» Nun: Ich klickte auf «Arbeitspl:tze», doppelt und vierfach, ich klickte auf «Optionen» und «Dateitypen», aber zu :ffnen war das Dokument nicht. Ich rief D. an (ja, mit dem neuen Telefon!), der lakonisch meinte, das sei ihm schon mehrmals passiert. Aber er k:nne auch in einem andern Format senden. Das tat er dann auch, nur war leider das Resultat dasselbe. Da riet er mir, nicht mehr weiter zu klicken, um Schlimmstes zu vermeiden, n:mlich einen veritablen Systemabsturz. Nun wird er seinen Text auf einer Diskette schicken. Mit der guten alten Post.
Werther!
Hoer mir auf mit der Kaffeemaschine. Schliesslich steht die neben meinem Buero, und meist kann ich ihr Gekreische, wenn sie ihre paar Bohnen mahlt, nicht von Eurem unterscheiden, wenn sie das gerade mal wieder nicht tut :?( Sag nicht, ich haette Euch nicht gewarnt, ein solches computergesteuertes Ding anzuschaffen, das wahrscheinlich fliegen und Zierstiche naehen und Musik machen kann, bloss keinen Kaffee. Jetzt trauert Ihr naemlich alle Esthers alter Filterbruehe nach.
Warst Du im Ernst erstaunt, dass mit C:/WINDOWS/TEMP/712 PIER fuer die Aktion kein Programm verknuepft war? Ja, haben wir denn nicht alle gelernt, dass Programme sich von Natur aus bestenfalls mit C:/WINDOWS/TEMP/713 PIER verknuepfen, nie und nimmer aber mit 712 PIER? Nein, ohne Witz, da habe ich Dir nur einen Rat: Tausche D. aus! Einer, der so leichtfertig sein Format aufgibt, ist sowieso nicht viel wert.
He! Wie siehst Du eigentlich aus? Ewig nicht mehr gesehen! Wollen wir nicht mal essen gehen?
PS: Wenn Du einmal so richtig sauer bist, dann habe ich Dir einen Tip, wie man sich grossartig abreagieren kann. Und zwar MIT DEM COMPUTER!
Lilli!
Abreagieren? Was heisst das? Den Computer zertr:mmern, so wie Bundesrat Delamuraz k:rzlich seine neue Telefonanlage? Das k:nnen sich leider nur Bundesr:te leisten. Gew:hnliche Sterbliche wie wir, das ist die wahre Trag:die der heutigen Abgestelltenklasse, sind dazu verdammt, mit dem zu arbeiten, was man ihnen ins B:ro stellt. Apropos Telefonanlage: Den Kurs habe ich verpasst, und ich versuche mich nun autodidaktisch kundig zu machen - verstehe aber nur Bahnhof. Oder weisst Du, wie man mit Tasten «bl:ttert», mit dem Telefon «anklopft» oder was ein «Aufmerksamkeitsruf» ist?
Das mit dem Essen finde ich :brigens eine prima Idee. Wie w:r's mit dem Cybercafé?
Waerter!
Nun, da leckt man sich den Zeigfinger ab und - nun ja: blaettert halt ein bisschen mit diesen Tasten herum. Anklopfen ist sowieso leicht: Da haust Du einfach ein wenig drauf. Und Aufmerksamkeitsruf ist, wenn Du einen anrufen willst und der ist gerade besetzt oder fort und Du willst, dass er Dich anruft, wenn er fertig ist oder wieder da, und es dann bei ihm laeutet, ohne dass er weiss warum und er dann abnimmt, und Du bist am Telefon! Und weisst auch nicht mehr warum. Weil's schon eine Weile her ist, dass Du ihn angerufen hast. Das gibt dann immer diese netten Gespraeche.
Doch, doch, mit dem Abreagieren meine ich's ganz aehnlich wie der Delamuraz. Ich habe letzthin bis in alle Nacht hinein an einem Papier geschrieben für eine Sitzung am naechsten Tag, und dann wollte das Zeug nicht aus dem Drucker. Nach dem zehnten erfolglosen Versuch bin ich so WUETEND geworden :?( dass ich das Keyboard so lange ueber die Schreibtischkante gehauen habe, bis es im ganzen Buero Buchstabenkloetzchen schneite. Echt befreiend, sage ich Dir! Nur stand, frei nach Morgenstern, die Tastatur dann ganz dumm mit Tasten ohne was herum. Zum Glueck habe ich eine Gruenpflanze im Büro. So konnte ich sagen, mir sei ungeschickterweise die Spritzkanne aus der Hand gefallen. Ungeschickterweise genau ueber dem Computer.
Uebrigens zu Delamuraz: Ich versichere Dir, in dieser Sache hatte er das Volk hinter sich!
Ja, kennst Du denn jemanden, der jemanden kennt, der eventuell weiss, wie man ins Cybercafé gelangt?
Liebe Lilli
Ich hoffe, einfacher als ins B:ro. Eine Woche lang funktionierte das neue System mit dem Badge bestens, auf wundersame Weise :ffnete sich die T:r, wenn man das kleine blaue Ding vor den kleinen schwarzen Leser hielt. Doch gestern war es bereits vorbei mit der Herrlichkeit. Das L:mpchen blieb rot, die T:re verschlossen. Da stand ich nun wie der Esel am Berg. Mit dem Handy (in gewissen F:llen ist dieses Ding ja wirklich n:tzlich) telefonierte ich der Liegenschaftsverwaltung, wo man mir sagte: «Ja, wir hatten ein Problem, aber jetzt sind wir dabei, das System wieder HOCHZUFAHREN.» Alles klar? Mir war nat:rlich wie :blich gar nichts klar, und ich sagte bloss, dass ich dennoch ganz gerne jetzt in mein B:ro m:chte. «Haben Sie denn nicht noch den alten Schl:ssel dabei?» fragte mich der zust:ndige Herr trocken. Ich hatte. Und der :ffnete mir die T:r. Einfach eine tolle Sache, so ein Schl:ssel, dachte ich. Ein kleines Metallst:ck mit kleinen L:chern, kinderleicht zu bedienen und zuverl:ssig. Ein Schl:ssel steigt nie aus, ein Schloss wird nicht hochgefahren, es ist einfach da und verrichtet seinen Dienst - ein wahres Wunder der Technik . . .
Lieber Andreas
Eins kann ich Dir sagen: waere ich an der Geschichte beteiligt gewesen, waere jemand ganz anderer HOCHGEFAHREN als das System!
Hallo Lilli
Einen sch:nen guten Montagmorgen. Hast du das pr:chtige Wetter am Wochenende genossen? Ich hatte leider wenig davon. Seit unsere Kleine zu Weihnachten eine Barbie-CD geschenkt bekommen hat, ist sie kaum mehr ins Freie zu locken, sie will keine Entlein mehr f:ttern, und auch das H:ttenbauen im Wald scheint ihr keinen Spass mehr zu machen. «Cool» ist jetzt der Computer. Vor wenigen Wochen noch wunderte sich der siebenj:hrige Dreik:sehoch, was ich denn immer «in den Fernseher hineinschreibe», heute sitzt sie selber vor dem PC, um per Mausklick Barbie neu einzukleiden oder auf Reisen zu schicken. Nat:rlich funktioniert das ebenfalls nicht gar so kinderleicht, weshalb das T:chterchen alle f:nf Minuten lautstark um Hilfe schreit. Und der Papa soll dann zum Beispiel wissen, wie man Barbie per Mausklick aufs rosa Sofa bekommt . . .
Ach, Andreas
Sag ihr, dass es sie nicht gaebe, haettest Du ihre Mama auch bloss per Mausklick aufs Sofa gekriegt :?)
Und wie findest Du das: jetzt, wo wir's endlich k:nnen, sagen die uns, wir sollen aufh:ren damit! :?(