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Zerlegt -- Klassenloses Krokodil
© Patrick Rohner, Zürich
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| Tailliertes Poloshirt «PF168», Baumwollpiqué, Lacoste, 129 Franken. |
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Von Jeroen van Rooijen
Eines der erstaunlichsten Comebacks, die einer Modemarke in jüngster Zeit gelangen, ist das des französischen Tennisbekleidungsherstellers Lacoste. Erstaunlich deshalb, weil die Bemühungen, das in den 1980ern so populäre Prestigelabel wieder begehrlich zu machen, schon einige Zeit zurückliegen. 2000 versuchte die Marke sich neu zu positionieren und holte den jungen Franzosen Christophe Lemaire an Bord. Er entwarf Kollektionen, die frischer, jünger und besser geschnitten waren. Doch erst jetzt kann Lacoste die Früchte dieses Efforts ernten.
Das bekannteste Stück von Lacoste bleibt das Piqué-Poloshirt, das im Volksmund «Lacoste-Leibchen» heisst. Das Shirt mit dem offiziellen Namen «L1212 Jersey Petit Piqué» steuert rund 14 Prozent an den jährlichen Lacoste-Umsatz von über einer Milliarde Euro bei. Es ist im komfortablen Standardschnitt und als feminine, körperbetonte Variante mit verkürztem Rumpf und Mini-Ärmelchen erhältlich – dieser Variante wird ein Elasthan-Anteil von sechs Prozent beigemischt. Gegenüber dem herkömmlichen Poloshirt ist die neue Form stärker tailliert und kürzer gehalten. Die Ärmel sind nur noch Stummelchen, das Krokodil ist kleiner und nicht aufgenäht, sondern auf den elastischen Stoff gestickt. Der Tricotkragen, aus demselben gerippten Stoff wie die Ärmelbündchen, wird im Nacken von einer schlauchartigen Nahtverstärkung in Form gehalten. Das Shirt ist in über sechzig Farben erhältlich, Pink gehört zu den grossen Rennern der zurückliegenden Sommersaison.
Die Wurzeln des Poloshirts gehen auf das Jahr 1927 zurück, als der Tennisprofi René Lacoste, als «der Alligator» gefürchtet, ein T-Shirt mit einem aufgestickten Krokodil schuf. Die damalige Tennisbekleidung war Lacoste nicht bequem genug, weshalb er sich für einen dehnbaren und atmungsaktiven Baumwoll-Piqué entschied. Nachdem er das Racket zur Seite gelegt hatte, verschrieb sich Lacoste ganz der Produktion von Sportbekleidung, das Krokodil wurde zum weltweiten Brand, von dem auch die dritte und bald die vierte Generation des 1 996 verstorbenen Gründers lebt. Und aus dem Tennishemd wurde ein Modeartikel.
«Wir sind nicht eine Sportmarke, aber auch keine Modemarke, sondern etwas dazwischen», sagt der 38-jährige Lacoste-Enkel Philippe Lacoste, der als «Aussenminister» im Unternehmen tätig ist. Tatsächlich wird das Lacoste-Shirt heute nicht mehr nur von versnobten Goldküsten-Kids getragen, die den Kragen hochklappen und damit «Zugehörigkeit zu einem bürgerlichen Hintergrund» signalisieren, so Philippe Lacoste. Das Shirt ist auch populär bei jugendlichen Gangsta-Hip-Hoppern, Skatern und poppigen Szenemädchen – das einstige Klassensymbol hat auch die Grenzen der Subkulturen überwunden.
Über das Produktionsland des Shirts mit dem aufgestickten Krokodil gibt das eingenähte Etikett keine Auskunft. Gefertigt wird es aber, so beteuert die Pariser Zentrale, nach wie vor in Frankreich und nicht etwa im Fernen Osten, wo die zahllosen Plagiateure nähen, die von Lacoste fast so erbarmungslos gejagt werden wie einst auf dem Tennisplatz die Gegner von René Lacoste.
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