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Guter Rat -- Besser, Sie schreiben nichts!
Von Christian Ankowitsch
Es lässt sich über das Fernsehen viel Gutes sagen, zweifellos. In einem freilich hat es uns gründlich verdorben: Es hat uns davon überzeugt, dass nur der mit Aufmerksamkeit und Zuspruch rechnen kann, der Überraschendes zu bieten hat; dass es mit der Aufmerksamkeit meist nach fünf Minuten wieder vorbei ist, tut der allgemeinen Überzeugung keinen Abbruch.
Dem gilt es natürlich vehement zu widersprechen. Und wer würde sich als Sekundant besser eignen als J. W. Goethe. Als in den «Wahlverwandtschaften» der Hauptmann mit seinen Erklärungen ganz von vorne beginnt, zuckt er zwar zusammen und merkt an, dass es wunderlich klinge, «wenn man etwas ausspricht, was sich ohnehin versteht». Während aber in einer Talkshow dies der Moment gewesen wäre, in dem man den Hauptmann ausgeblendet hätte, bekommt er in Goethes Roman aus dem Jahr 1809 die Gelegenheit zu erklären, was es mit seiner Strategie auf sich hat: «Doch nur, indem man sich über das Bekannte völlig verständigt hat, kann man miteinander zum Unbekannten fortschreiten.»
Und noch ein zweites Mal bricht Goethe der ehernen Medienregel kurzerhand das Genick. Gleich zu Beginn der «Wahlverwandtschaften» heisst es nämlich, als Charlotte ihrem Eduard rät, erwähntem Hauptmann einen ruhigen, vernünftigen, also vollkommen nichtssagenden Brief zu schreiben: «Und doch ist es in manchen Fällen (…) notwendig und freundlich, lieber nichts zu schreiben, als nicht zu schreiben.»
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