NZZ Folio 05/94 - Thema: Blaues Blut   Inhaltsverzeichnis

Raucherfreuden -- Feuer und Flamme

Von Peter Haffner

Bisweilen kann man ihnen in Restaurants noch begegnen, jenen Kennern, die ihre eben dem Humidor entnommenen Havanna ans Ohr halten, sanft zwischen den Fingerspitzen rollen, sie alsdann anschneiden, in ihrer ganzen Länge über einer Flamme erwärmen und unter den Augen eines vom Brimborium ebenso faszinierten wie amüsierten Publikums in Brand stecken. Und Brimborium ist es. Das leise Knistern am Ohr gibt allenfalls Auskunft über den Feuchtigkeitsgehalt und damit Zustand einer Zigarre, nicht aber über deren Qualität. Und die Sitte, sie zu erwärmen, stammt aus jener Zeit, als das Deckblatt an beiden Enden noch mit einem unangenehm riechenden Gummi verklebt war, den man wegschmolz. (Heutiger Pflanzenleim ist geruchlos.)

Eine Zigarre richtig anzuzünden ist keine Kunst. Man wärmt das Brandende, während man sie langsam dreht, nimmt sie zwischen die Lippen, führt die Flammenspitze heran und zieht. Verboten sind, der Geschmacksbeeinträchtigung wegen, Benzinfeuerzeuge und Kerzen - et voilà.


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