WIE GUT, dass Schall durch Wellen an unser Ohr gebracht wird und nicht durch eine Luftströmung. In Schallwellen geben die Luftteilchen die Druckschwankungen, denen sie ausgesetzt sind, an die Umgebung weiter, ohne sich dabei um mehr als Bruchteile eines Millimeters von ihren Plätzen zu bewegen (je nach Lautstärke etwas mehr oder weniger), während der Strom der Information, der Klänge und Geräusche, als Welle mit über 1200 Kilometern pro Stunde in alle Richtungen eilt.
Gar nicht auszudenken, welche Folgen es für den Empfang von Sprache oder Musik hätte, wenn der Schall von der Schallquelle zum Zuhörer strömte, ähnlich den Rauchringen, die den Rauch aus dem Munde des Rauchers in einen Luftwirbel einschliessen und in erstaunlich stabiler Wirbelbewegung viele Meter weit durch die Landschaft transportieren. Ein Wirbelring besteht immer aus denselben Luftteilchen. Andernfalls müsste er den Rauch hinter sich stehen lassen und sich unsichtbar ohne ihn weiterbewegen.
Wirbelringe sind kleinen Tromben ähnlich, die man auch «Staubteufel» nennt. Solche Tromben sieht man nicht kommen, wenn sie nicht beladen sind. Man fühlt ihr Nahen nur an der Unruhe, die sie verbreiten. Wenn aber eine kleine Trombe von kaum einem Meter Durchmesser auf einer gemähten Wiese einen Haufen von trockenem Heu erfasst, wird ihr Wirbelschlauch mit einemmal durch die hoch hinaufgeschraubten Halme sichtbar. Anders als die leichten Tröpfchen des Tabakrauches fällt das schwere Heu bald aus dem Wirbel heraus und verstreut sich über die Wiese, während die Trombe wieder unsichtbar weiterwandert.
Wenn Schall ein Strömungsphänomen wäre, würden sich alle guten und schlechten Gerüche einer Rockband mit der Musik zu den Zuhörern ausbreiten und beim Einatmen der Luft in ihre Nasen strömen.
Im Konzertsaal müsste man sich an die Gerüche des transpirierenden Pianisten und der moderigen Klavierfilze gewöhnen, die mit dem Schall wandern würden wie der Rauch mit dem Wirbelring. Man wagt kaum, den Gedanken zu Ende zu denken: Wenn Schall so viel Wind machen würde, müsste nicht die Musik der Rockband einen Sturm bei den Zuschauern entfachen, dem sie kaum standhalten könnten, und umgekehrt der Orkan der Begeisterung der Fans die gefeierte Rockband im Sturm von der Bühne fegen?